Einer der Reformatoren, die an die Lehre der christlichen Vollkommenheit glaubten, war John Wesley. Der folgende Bericht über sein Leben bis zum Zeitpunkt seiner Bekehrung wurde etwas überarbeitet und sein Sprachstil ein wenig aufgefrischt, damit der Bericht lesbarer wird.

Ellen White hatte Folgendes über John Wesley zu sagen: „Arbeiter wurden erweckt, die sieghaft den Glauben verteidigten, der einst den Heiligen übergeben worden war. Die Waldenser, Johann Wiklif, Hus und Hieronymus, Martin Luther und Zwingli, Cranmer, Latimer und Knox, die Hugenotten, John und Charles Wesley und viele andere setzten auf diesen Grund Baumaterial, das bis in alle Ewigkeit bestehen wird.“ (Wirken der Apostel, S. 593)


John Wesley - englischer Reformator

In den ersten zehn Jahren meines Lebens wurde ich streng erzogen und sorgfältig unterrichtet, dass ich nur „durch vollkommenen Gehorsam, d.h. durch das Halten aller Gebote Gottes“ gerettet werden kann. Ich bekam deutlich beigebracht, was diese Gebote bedeuten und ich nahm, was den äußerlichen Gehorsam angeht, diese Anweisungen gerne an, auch dachte ich oft an sie. Aber das, was mir über inneren Gehorsam oder innere Heiligung gesagt wurde, konnte ich weder verstehen noch mich an sie erinnern. So hatte ich von der wahren Bedeutung des Gesetzes genauso wenig Ahnung wie von dem Evangelium Christi.

Die nächsten sechs oder sieben Jahre verbrachte ich in der Schule. Weit weg von den Einschränkungen meiner Eltern, wurde ich in meinen äußerlichen Pflichten noch viel nachlässiger als zuvor. Fast ständig machte ich mich äußerlicher Sünden schuldig, von denen ich auch noch wusste, dass sie Sünde waren, obgleich sie in den Augen der Welt vielleicht nicht als solche angesehen wurden. Ich las jedoch immer noch in der Bibel und betete morgens und abends. In dieser Zeit hoffte ich, aufgrund folgender Dinge gerettet zu werden:

  • weil ich nicht so schlecht war wie andere Menschen
  • weil ich immer noch eine recht gute Haltung bezüglich Religion besaß
  • weil ich in der Bibel las, in die Kirche ging und meine Gebete sprach

Danach ging ich fünf Jahre lang auf die Universität. Ich betete immer noch, sowohl in der Öffentlichkeit als auch privat und las neben der Bibel zahlreiche religiöse Bücher, besonders die Kommentare über das Neue Testament. Doch all diese Zeit hindurch hatte ich nicht die geringste Vorstellung davon, was innere Heiligung bedeutete. Ich fuhr gewohnheitsgemäß und größtenteils überaus zufrieden mit mir in der einen oder anderen bekannten Sünde fort. Es ist wahr, dass ich manchmal eine Zeit lang inne hielt und kurze Anstrengungen unternahm – ganz besonders vor und nach der Abendmahlsfeier, an der ich dreimal im Jahr teilnehmen musste. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wodurch ich in dieser Zeit hoffte gerettet zu werden, weil ich ständig gegen das wenige Licht, das ich hatte, sündigte. Meine einzige Hoffnung lag darin begründet, dass ich hin und wieder bereute. Ich hoffte, dass dies ausreichend war.

Als ich ungefähr zweiundzwanzig Jahre alt war, ermutigte mich mein Vater, ins Predigtamt einzutreten. Zur selben Zeit führte mich die Vorsehung Gottes zu einem Buch von Kempis mit dem Titel „Christian Pattern“ (Das christliche Schema). Ich begann zu erkennen, dass wahre Religion im Herzen beginnt und dass Gottes Gesetz sich sowohl auf unsere Gedanken als auch auf unsere Worte und Taten auswirkt. Ich war jedoch sehr böse auf Kempis, weil er zu streng war. Dennoch fand ich immer wieder Trost in seinem Buch. Zur selben Zeit traf ich mich mit einem Freund, der religiös war. Nie zuvor hatte ich solch einen gehabt. Ich begann meine Sprache zu ändern und nahm mir vor, ein neues Leben zu führen. Ich nahm mir jeden Tag ein bis zwei Stunden Zeit fürs Studium und Gebet. Ich nahm nun auch jede Woche am Abendmahl teil. Ich achtete darauf, weder in Wort noch Tat zu sündigen. Ich begann innere Heiligung anzustreben und betete dafür. Jetzt, wo ich „so viel tat“ und „so ein gutes Leben führte“, hatte ich überhaupt keinen Zweifel mehr, ein guter Christ zu sein.

Bald darauf ging ich auf ein anderes College. Hier fasste ich endlich einen Entschluss von dessen äußerster Wichtigkeit ich schon länger überzeugt war. Ich begann, alle meine weltlichen Freunde auf einmal aufzugeben. Mehr und mehr erkannte ich den Wert der Zeit und widmete mich noch viel mehr dem Studium. Ich achtete stark darauf, nicht zu sündigen und wies andere – gemäß meiner Vorstellung von Religion, nach der ich mein eigenes Leben lebte – an, religiös zu sein. In dieser Zeit stieß ich auf einige Bücher von William Law mit dem Titel „Christian Perfection“ (Christliche Vollkommenheit) und „Serious Call“ (Der ernste Aufruf). Obwohl ich mit vielen Dingen in beiden Büchern nicht einverstanden war, überzeugten sie mich doch mehr als je zuvor von der gewaltigen Höhe, Breite und Tiefe des Gesetzes Gottes. Das Licht erleuchtete meine Seele so mächtig, dass ich plötzlich alles in einem neuen Licht sah. Ich schrie zu Gott um Hilfe und fasste mehr als jemals zuvor den Entschluss, dass ich es nicht unterlassen würde, ihm zu gehorchen. Durch meine permanenten Anstrengungen, mit all meiner Kraft – sowohl äußerlich als auch innerlich – sein ganzes Gesetz zu halten, war ich überzeugt, von ihm angenommen und in einem geretteten Zustand zu sein.

Im Jahre 1730 begann ich die Gefängnisse zu besuchen, den Kranken und Armen in der Stadt zu helfen und andere gute Werke zu tun, durch welche ich, entweder durch meine persönliche Gegenwart oder durch das wenige Geld, das ich besaß, dem Leib und der Seele aller Menschen helfen konnte. Mit diesem Ziel vor Augen legte ich alle Unmäßigkeiten und viele Dinge, die man als Notwendigkeiten des Lebens betrachtet, ab. Ich wurde bald zur Ursache von wüsten Beschimpfungen und freute mich, dass mein Name gehasst wurde wie das Böse selbst. Im darauf folgenden Frühling begann ich immer mittwochs und freitags zu fasten, wie man es in den frühen Gemeinden zu tun pflegte; ich rührte kein Essen bis drei Uhr nachmittags an. Nun wusste ich aber nicht, wie ich fortfahren sollte. Ich kämpfte mit ganzer Kraft gegen alle meine Sünden an. Ich ließ keine Art von Selbstverleugnung aus, die ich für gesetzlich hielt. Ich nutzte jede Gelegenheit der Gnade, sowohl in der Öffentlichkeit, als auch privat, und versäumte keinen Anlass, Gutes zu tun. Aufgrund dessen erlitt ich Ungerechtigkeit. Ich wusste jedoch, dass all dies nichts nützte, wenn es in meinem Inneren keine Heiligung bewirkte. Deshalb war das Ebenbild Gottes mein Ziel indem ich seinen Willen und nicht meinen eigenen tat.

Nach einigen Jahren dieser Lebensweise fühlte ich mich jedoch dem Tode nahe, was mir in keinster Weise Trost oder Sicherheit spendete, denn ich fühlte mich von Gott nicht angenommen. Als mir das klar wurde, war ich sehr überrascht. Ich wollte nicht einmal daran denken, dass ich die ganze Zeit über auf Sand gebaut hatte, ohne zu beachten, dass niemand „einen andern Grund“ legen kann „als den, der“ von Gott „gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“

Bald darauf überzeugte mich ein demütiger Mann noch mehr davon, dass äußerliche Werke nichtig sind. Wir unterhielten uns einige Male und er lehrte mich, wie ich innere Heiligung oder Einigkeit der Seele mit Gott suchen könnte. Zu jener Zeit nahm ich seine Anweisungen wie die Worte Gottes an, aber, wenn ich jetzt zurückdenke, muss ich einige negativen Dinge bemerken:

  • Er sprach so sehr dagegen, in eigene Werke zu vertrauen, dass er mich ganz und gar entmutigte, sie überhaupt zu tun.
  • Er empfahl mentales Gebet und ähnliche Übungen als wirkungsvollstes Mittel, die Seele zu reinigen und sie mit Gott zu vereinen.

Diese Dinge waren nun wahrlich genauso meine eigenen Werke, wie die Kranken zu besuchen und die Nackten zu kleiden. Die Einigkeit mit Gott, der ich auf diese Weise nachjagte, war genauso sehr meine eigene Gerechtigkeit, wie alles andere, was ich zuvor versucht hatte. In dieser erneuerten Weise, auf meine eigenen Werke und eigene Gerechtigkeit zu vertrauen, verweilte ich schwermütig, ohne in ihnen Trost oder Hilfe zu finden, bis ich England verließ. Kaum war ich jedoch auf dem Schiff, hatten mich meine äußerlichen Werke schon wieder im Griff. Gott aber gefiel es, mir in seiner Gnade sechsundzwanzig Angehörige der Herrnhuter Brüdergemeine als Reisegefährten zu senden. Sie waren sehr darum bemüht, mir einen „besseren Weg“ zu zeigen. Ich verstand es jedoch zuerst nicht. Ich war zu gelehrt, zu weise, sodass es in meinen Augen Torheit war. So fuhr ich fort, eine Gerechtigkeit zu predigen und einer Gerechtigkeit zu vertrauen, durch welche kein Mensch gerechtfertigt werden kann.

Während der ganzen Zeit, in der ich in Savannah war, kämpfte ich weiterhin den falschen Kampf. Ich kannte die Gerechtigkeit Christi, die durch einen lebendigen Glauben an ihn „selig macht jeden, der da glaubt“ nicht. Ich versuchte meine eigene Gerechtigkeit aufzurichten und schuftete so die ganze Zeit über in der Hitze. Ich befand mich nun so richtig „unter dem Gesetz“. Ich wusste, dass „das Gesetz“ Gottes „geistlich“ ist und stimmte dem zu, dass es gut ist. Ja, ich hatte „Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen“. Doch ich war „fleischlich, unter die Sünde verkauft“. Jeden Tag war ich gezwungen auszurufen: „Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will, sondern was ich hasse, das tue ich.“ „Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.“

In diesem abscheulichen, erbärmlichen Zustand der Gefangenschaft der Sünde kämpfte ich ohne Unterlass, doch ohne zu siegen. Davor diente ich bereitwillig der Sünde, und nun unwillentlich, aber ich diente ihr immer noch. Ich fiel, stand wieder auf und fiel wieder. Manchmal wurde ich überwunden und war niedergeschlagen. Manchmal überwand ich und war voller Freude. Wie ich in meinem früheren Zustand einen Vorgeschmack auf den Schrecken des Gesetzes bekommen hatte, bekam ich jetzt einen Vorgeschmack auf den Trost des Evangeliums. Während des ganzen Ringens zwischen Natur und Gnade, das nun über zehn Jahre anhielt, erlebte ich immer wieder Höhepunkte, wenn ich wieder zu beten begann – besonders wenn ich in Schwierigkeiten war. Ich hatte viele Augenblicke echten Trostes, die wirklich nur ein Vorgeschmack auf ein Leben des Glaubens sind. Ich war jedoch immer noch „unter dem Gesetz“ und nicht „unter der Gnade“. (Der Zustand, in dem die meisten vermeintlichen Christen zufrieden leben und sterben). Denn ich wetteiferte nur mit der Sünde, war aber nicht frei von ihr. Ich hatte auch nicht das Zeugnis des Geistes in meinem Geist; und das war auch nicht möglich, weil ich „die Gerechtigkeit nicht aus dem Glauben“ suchte, „sondern als komme sie aus den Werken.“

Bei meiner Rückkehr nach England, im Januar des Jahres 1738, war ich dem Tode nahe. Ich fühlte mich sehr beunruhigt darüber, war aber stark davon überzeugt, dass meine Beunruhigung aus Unglauben resultierte. Ich wusste, dass ich etwas notwendig brauchte: Einen wahren, lebendigen Glauben. Doch immer noch lenkte ich diesen Glauben nicht auf das richtige Ziel. Ich suchte nur den Glauben an Gott, jedoch nicht den Glauben an oder durch Christus. Wieder wusste ich nicht, dass ich nichts von diesem Glauben hatte, sondern dachte, dass ich nur nicht genug davon hätte. Sobald ich aber in London angekommen war, stand Peter Bohler vor mir, gesandt und vorbereitet von Gott. Er sprach zu mir deutlich vom einzig wahren Glauben in Christus. Er erklärte mir, dass dieser Glaube immer zwei Früchte mit sich bringt: „Sieg über Sünde und beständigen Frieden durch das Bewusstsein der Vergebung.“ Ich war sehr erstaunt und betrachtete es als ein neues Evangelium. Ich wusste, dass, wenn das alles wirklich so war, dies bedeutete, dass ich überhaupt keinen Glauben besaß. Doch ich war nicht bereit, mich davon überzeugen zu lassen. Ich widersprach ihm deshalb mit ganzer Kraft und gab mir große Mühe, zu beweisen, dass der Glaube auch ohne jene zwei Früchte vorhanden sein kann und ganz besonders ohne ein Gefühl der Vergebung. Es gibt viele Schriftstellen, die das genaue Gegenteil von dem sagen, was ich glaubte, aber ich hatte ja früh genug gelernt, sie wegzudiskutieren. Darüber hinaus konnte ich deutlich sehen, dass niemand das Bewusstsein der Vergebung haben konnte, ohne es zu fühlen. Da ich es nicht fühlte war mir klar, dass, wenn es keinen Glauben ohne das Bewusstsein der Vergebung gab, alle meine Vortäuschungen, Glauben zu haben, sofort fallengelassen werden mussten.

Als ich Peter Bohler wieder traf, willigte er ein, die Auseinandersetzung unter den von mir bestimmten Bedingungen zu lösen, die da waren: Die Lehre der Bibel und die persönliche Erfahrung. Ich zog zuerst die Bibel zu Rate. Aber als ich meine menschlichen Vorstellungen abgelegt hatte und einfach nur das Wort Gottes betrachtete und in meiner Bemühung, unklare Passagen durch das Heranziehen der klaren Passagen zu verstehen, Schriftstellen mit Schriftstelle verglich, erkannte ich, dass sie alle gegen mich zeugten. Ich war gezwungen, in meiner letzten Verteidigung Zuflucht zu suchen. Ich begann zu argumentieren, dass, wenn wir die Bibel buchstäblich auslegen würden, wir ein Problem hätten, weil wir zugeben müssten, dass unsere Erfahrung niemals im Einklang mit der Bibel steht. Darüber hinaus wollte ich es so lange nicht wahrhaben, bis sich lebende Zeugen dafür finden würden. Er antwortete, dass er mir jederzeit solche Zeugen zeigen könnte, wenn ich es wünschte. Und so kam er auch am nächsten Tag wieder und brachte drei andere mit sich, die mir alle aus ihrer persönlichen Erfahrung bezeugten, dass ein wahrer, lebendiger Glaube an Christus von dem Bewusstsein der Vergebung aller vergangenen Sünden und einer Freiheit von allen gegenwärtigen Sünden begleitet wird. Sie waren sich einig, dass dieser Glaube das Geschenk, die freie Gabe Gottes ist und er es zweifelsohne jeder Seele schenken würde, die ernstlich und beharrlich danach sucht. Ich war nun vollkommen überzeugt und ich entschloss mich, durch die Gnade Gottes solange danach zu suchen, bis ich es finden würde, und zwar so:

  1. Ich würde jede völlige oder auch nur teilweise Abhängigkeit von meinen eigenen Werken oder meiner eigenen Gerechtigkeit vollkommen aufgeben – worauf ich meine Hoffnung auf Erlösung seit meiner Jungend gegründet hatte, ohne dass es mir bewusst war.
  2. Zusätzlich zu allen anderen Mitteln der Gnade würde ich ohne Unterlass um den rechtfertigenden, rettenden Glauben, um einen vollständigen Verlass auf das für mich vergossene Blut Christi und um Vertrauen in ihn als meinen Christus, meine einzige Rechtfertigung und Erlösung, beten.

So fuhr ich fort, danach zu suchen (obwohl ich in mir eine seltsame Gleichgültigkeit, Trägheit und Kälte erkannte und dazu ungewöhnlich oft in Sünde zurückfiel), bis zum Mittwoch des 24. Mai. Ich glaube, es war gegen fünf Uhr in der Früh, als ich mein Neues Testament öffnete und die Worte las: „Durch sie sind uns die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt, damit ihr dadurch Anteil bekommt an der göttlichen Natur.“ (2.Petrus 1,4) Eben als ich hinausging, öffnete ich es wiederum auf folgende Worte: „Du bist nicht fern vom Reich Gottes.“ Am Nachmittag wurde ich gebeten, zur St. Pauls-Kirche hinauszugehen. Es wurde gerade die Hymne gesungen: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens! Wenn du, Herr, Sünden anrechnen willst – Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte. Ich suche den Herrn, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort. Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen; mehr als die Wächter auf den Morgen hoffe, Israel, auf den Herrn! Denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm. Und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.“

An diesem Abend ging ich sehr widerwillig zu einer religiösen Versammlung in der Aldersgate-Straße, wo jemand Martin Luthers Artikel „Vorwort zum Sendschreiben an die Römer“ vorlas. Ungefähr um Viertel vor Neun, während er die von Gott im Herzen gewirkte Veränderung durch den Glauben an Christus beschrieb, fühlte ich eine eigenartige Wärme in meinem Herzen. Ich empfand, dass ich doch an Christus glaubte – Christus allein zur Erlösung. Ich bekam eine Gewissheit, dass er mir meine Sünden, ja, sogar meine, wegnahm und mich von dem Gesetz der Sünde und des Todes errettete.

Mit ganzer Kraft begann ich für diejenigen zu beten, die mir Schaden zugefügt und mich verfolgt hatten. Dann legte ich vor allen Anwesenden dort ein Zeugnis darüber ab, was ich nun in meinem Herzen fühlte. Doch es dauerte nicht lange, bis mir der Feind einflüsterte: „Es kann kein Glaube sein, denn, wo ist deine Freude?“ Dort erkannte ich, dass Friede und Sieg über Sünde immer erscheinen, wenn wir an den Anfänger unseres Heils glauben. Was jedoch die große Freude angeht, die zu Beginn des Glaubens ganz besonders in denen entfacht wird, die zutiefst getrauert haben, schenkt Gott sie gemäß seinem Willen manchmal und manchmal auch nicht.

Nachdem ich wieder zu Hause angekommen war, wurde ich von starken Versuchungen heimgesucht, doch ich schrie auf und sie verschwanden. Sie kamen jedoch wieder und wieder. Jedes Mal, wenn ich meine Augen aufhob und Jesus mir Hilfe aus der Höhe sandte, erkannte ich, dass der Unterschied zwischen diesem und meinem früheren Zustand der war, dass ich zwar immer noch ankämpfte, ja, nun jedoch mit ganzer Kraft sowohl unter dem Gesetz als auch unter der Gnade rang. Unter dem Gesetz wurde ich jedoch manchmal, wenn nicht sogar oft, überwunden. Nun war ich aber immer siegreich.

Donnerstag, der 24. – Gleich nachdem ich erwachte war „Jesus, Meister“ in meinem Herzen und in meinem Mund. Ich sah, dass meine ganze Kraft darin lag, dass ich meine Augen auf ihn fixiert hielt und meine Seele stets auf ihn harrte. … Der Feind versuchte mir jedoch Angst einzuflößen: „Wenn du wirklich glaubst, warum gibt es keine deutlichere Veränderung in deinem Leben?“ Ich antwortete (doch nicht ich): „Das weiß ich nicht. Aber eins weiß ich, dass ich nun ‚Frieden mit Gott’ habe. Ich sündige heute nicht und mein Meister hat mir verboten, an den morgigen Tag zu denken.“