Gott hätte auch ein Leben ohne die Fähigkeit zu Sündigen erschaffen können. In Gott gibt es keine Sünde, und so lange sein Geist in seinen vernunftbegabten Geschöpfen lebt, ist das Aufkommen von Sünde unmöglich, weil Sünde in Gottes Gegenwart nicht existieren kann. Bei der Schöpfung hätte Gott auch entscheiden können seinen Geschöpfen gar nicht erst zu erlauben zu sündigen, d.h. sich von ihm zu trennen. Dadurch hätte er ihnen jedoch ihren freien Willen nehmen müssen, wodurch seine Geschöpfe ihrer wahren Freiheit beraubt und sie nichts weiter als Roboter oder Marionetten gewesen wären.

Der freie Wille ist die Tür, durch welche die Sünde den Eintritt in das Universum fand. Gott schenkte uns einen freien Willen und ließ damit eine Tür offen, durch welche die Sünde zur Realität werden konnte. Es bestand stets die Möglichkeit, dass jemand denken konnte: „Was wäre, wenn ich mich von Gott abwenden würde?“ Wie sich herausgestellt hat, tat jemand genau das. Das Ergebnis dessen ist dieses Chaos, das seit sechstausend Jahren die Welt wie ein dichter Nebel bedeckt.

Hat das jedoch in irgend einer Weise mit der Erfahrung eines Christen zu tun? Die Bibel erklärt uns, dass die Sünde in uns stirbt, wenn wir Christus annehmen und in ihm bleiben (Römer 6,6). Warum besteht dann weiterhin die Möglichkeit, dass Sünde immer wieder in uns aufkommen kann?

Erinnern wir uns noch einmal daran, was Sünde ist. Wie wir gesehen haben, ist Sünde ein Zustand, der immer dann entsteht, wenn Gottes Gegenwart fehlt. Sie ist jene andere Seite, die sich immer dann zeigt, wenn Gott nicht zugegen ist. Ohne Gott kann man der Sünde nicht entkommen. Sünde kann mit der Dunkelheit verglichen werden. Dunkelheit existiert nicht als eine substanzielle Wirklichkeit. Sie ist lediglich die Abwesenheit von Licht. Wo kein Licht vorhanden ist, entsteht Dunkelheit. Genauso verhält es sich mit der Sünde. Solange Gottes Geist seine vernunftbegabten Wesen erfüllt, kann Sünde niemals aufkommen. Entscheidet sich eines seiner Geschöpfe jedoch gegen ihn, entsteht augenblicklich Sünde.

Es wird niemals eine Zeit geben, wo Gottes Geschöpfen der freie Wille entzogen wird. Deshalb wird es auch niemals eine Zeit geben, wo die Menschen nicht die Wahl haben werden zu sündigen. Selbst in der Ewigkeit hebt Gott die Kraft der Entscheidungsfreiheit seiner Geschöpfe nicht auf. Egal wie lange ein Mensch in Christus gelebt hat, wenn er aufhört an ihn zu glauben und ihm den Rücken zukehrt, dann respektiert Christus das und trennt sich von ihm. In dem Augenblick bleibt in dem Geschöpf nur noch die Sünde (das eigene Ich). Wenn es sogar in der sündlosen Ewigkeit theoretisch der Fall sein könnte, wie viel mehr jetzt in dieser sündhaften Welt?!

Solange wir in Christus bleiben, können wir nicht sündigen (1.Johannes 3,6.9). In diesem Zustand (in ihm) sind wir vollkommen, sündlos, siegreich und frei. Doch wenn wir aus Unglauben (aus Unachtsamkeit oder gezielter Entscheidung) unseren Platz in ihm dem Glauben nach verlieren, kommt in uns sofort wieder Sünde auf. Wer sich nun (bei dem Gedanken, so gut zu sein, dass er nicht mehr fallen könne) entscheiden würde von Gott unabhängig zu leben, der würde augenblicklich wieder sündigen, denn: „niemand ist gut als Gott allein“. Wenn wir für alle Ewigkeit gut sein werden, dann nur deshalb, weil wir uns fortwährend freiwillig dafür entscheiden werden, mit Gott (der allein gut ist) eins zu bleiben.