Was macht einen Menschen zum Sünder? Das ist eine sehr wichtige Frage. Wie wir bereits aufgezeigt haben, können wir niemals siegreich über Sünde sein, wenn wir nicht verstehen, womit wir es zu tun haben.

Lass uns diese Frage ehrlich und mit einem aufrichtigen und demütigen Herzen angehen. Ich erwarte nicht, dass du mir glaubst, auch nicht, dass du den Adventpionieren glaubst, aber die Bibel hat ein ganz anderes Gewicht. Wer jedoch der Bibel nicht glaubt, dessen Ehrlichkeit muss ernstlich in Frage gestellt werden.

Ein Freund von mir ist immer sehr darauf bedacht, einen Unterschied zwischen Eisegese und Exegese zu machen. Das Online-Wörterbuch beschreibt diese Begriffe folgendermaßen:

Eisegese – persönliche Interpretation eines Textes (ganz besonders der Bibel) unter Anwendung eigener Vorstellungen.

Exegese – „die Bedeutung herausziehen“ aus einem gegebenen Text. Im Gegensatz zur Exegese bedeutet Eisegese die eigene Interpretation in einen gegebenen Text hineinzulesen. Im Grunde bezeichnet man mit Exegese den Versuch, den Text objektiv zu betrachten, während Eisegese mehr Subjektivität beinhaltet.

Bei dem Versuch, die Frage, was einen Menschen zum Sünder macht, zu beantworten, möchten wir ganz vorsichtig vorgehen und vor allem zwei Dinge beachten: 1. Wir benutzen nur die Bibel – eine Quelle, die kein Christ in Frage stellen kann. 2. Wir achten darauf, die Regeln der Exegese statt der Eisegese zu benutzen.

Bevor wir jedoch fortfahren, möchte ich etwas bemerken: Wie wir in den vorhergehenden Studien gesehen haben, bezeichnet das Wort Sünder im Grunde jemanden, der Sünde tut bzw. getan hat (Sünde-r). Viele von uns würden darauf bestehen, dass ein Mensch nicht als Sünder bezeichnet werden kann, der an keiner Sündentat beteiligt war bzw. ist. Können wir das korrigieren, indem wir sagen, der Mensch ist ein Sünder, weil er in einem sündigen Zustand geboren wurde, obwohl er selbst noch keine einzige Sünde tat? Vielleicht ist es nur eine Sache der Wortdefinition, aber die wichtige Frage lautet: Was sagt die Bibel? Da wir von einem biblischen Thema sprechen, erscheint es nur vernünftig, die Bibel aufzuschlagen, um zu sehen, welche Worte hier angemessen sind. Natürlich ist der Mensch ein Sünder, weil er das Gesetz bricht – er sündigt. Aber können wir ehrlicherweise sagen, dass dies der einzige Fall ist, bei dem die Bibel den Menschen als Sünder bezeichnet? Lass uns beginnen, die Regeln von echter Exegese anzuwenden, um eine ehrliche Antwort auf diese Frage zu erhalten.

Wir müssen von neuem geboren werden

Die meisten von uns haben keine Schwierigkeiten mit der Vorstellung, dass Babys mit einer „gefallenen und sündigen Natur“ geboren werden. Das ist zu offensichtlich, um es leugnen zu können. Nebenbei bemerkt hört sich die Bezeichnung „sündige Natur“ auch nicht so schrecklich an, und wir können sie immer noch auf die ererbte physische Ebene beschränken. Was ist jedoch mit den Bezeichnungen „verdorben“, „zerstört“ und „böse“? Sind diese Worte viel zu schrecklich, um sie einem unschuldigen Kind „aufzudrücken“? Die Frage lautet: Sind sie eine wahrheitsgemäße Beschreibung des Zustandes eines Kindes? Ist das denn nicht der natürliche Zustand eines jeden Menschen, der sich seit seiner Geburt außerhalb von Christus befindet? Leugneten wir dies, leugnen wir dann nicht auch das Wort Gottes und unsere eigene Lebenserfahrung? Doch lass uns noch einen Schritt weitergehen. Was ist mit den Worten: „hoffnungslos“, „verdammt“ und „verloren“? Das kann auf keinen Fall der Zustand eines neugeborenen Babys sein, es hat selbst doch noch nie gesündigt!

Um die Angelegenheit richtig verstehen zu können, müssen wir die Menschheit so betrachten, wie sie ohne das Werk und den Einfluss Christi wäre. Wäre die Strafe für Adams Sünde nicht unmittelbar auf Christus übertragen worden, wie lange hätte er nach dem Biss in die verbotene Frucht noch gelebt? Er hätte den nächsten Tag nicht mehr erlebt. Seine Lebenszeit wäre sofort abgeschlossen gewesen und wir alle in ihm umgekommen. Anders gesagt: Seine Verdammung schließt uns mit ein. Obwohl Adam noch eine Probezeit erhielt und Kinder zeugen konnte, welches Erbe vermachte er den Seinen? In welchem Zustand wurden bzw. werden sie geboren? Mit Adams ursprünglichem Erbe, als er geschaffen wurde, oder mit dem Erbe nach seinem Sündenfall? Des Weiteren: Besaßen seine Kinder bei der Geburt nur körperliche Degeneration oder war auch ihr Geist nun von Natur aus verdorben und böse?

Jesus machte deutlich, dass niemand das Reich Gottes sehen kann, es sei denn, er wird von neuem geboren aus Wasser und Geist (Johannes 3,3.5). Setzen wir das Wort Gottes nicht beiseite! Welchen Zustand besitzen alle Menschen ohne diese Neugeburt? Die Wahrheit ist, dass ohne die Neugeburt alle Menschen hoffnungslos verloren und verdammt sind. Wenn Jesus sagt, dass alle, die nicht von neuem geboren werden, das Reich Gottes nicht sehen werden, können wir dann leugnen, dass diese Menschen verloren und zum ewigen Tod verdammt sind?

Immer wieder kommen unter Christen Debatten darüber auf, ob Babys gerettet werden oder nicht. Fakt ist, dass selbst Babys nicht gerettet werden könnten, wenn nicht ihre Natur von dem Geist Gottes erneuert werden würde. So, wie sie aus dem Mutterleib kommen, sind sie von Natur aus verdorben und fürs Leben untauglich vor Gott. Natürlich starb Jesus für alle Menschen. Der Preis wurde für alle bezahlt. Deshalb ist es nur vernünftig anzunehmen, dass Babys, die ohne die Fähigkeit, wählen zu können, sterben, nicht verloren sind, sondern bei der Auferstehung von dem Geist Gottes erneuert und gerettet werden. Das Blut Christi, mit dem er alle Menschen erkauft hat, ist stärker als das Erbe Adams.

Wenn jedoch Kinder bereits das Alter, in dem sie bewusste Entscheidungen treffen können, erreicht haben, ändern sich die Bedingungen. In diesem Fall kann niemand gerettet werden, der sich nicht bewusst für Christus entscheidet. Nur wenn ein Mensch Christus wählt, kann sein sündhafter, zerstörter, verdorbener, hilfloser, hoffnungsloser, verdammter und verlorener Zustand zu einem gerechten, heiligen, reinen, gerechtfertigten, erlösten und geretteten Zustand verändert werden.

Das Aufkommen von Sünde

Eine der umstrittensten Passagen der Bibel bezüglich dieser Frage ist Römer 5,12-19. Diese Passage wollen wir studieren, um herauszufinden, was sie über dieses Thema lehrt.

„Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.“ (Römer 5,12).

Durch einen Menschen kam Sünde in die Welt: Der erste Teil von diesem Vers stellt noch keine Schwierigkeit dar. Ein Mensch sündigte und durch seine Tat – indem er Gott ungehorsam war und von der verbotenen  Frucht aß – fand Sünde einen Eingang in die Welt. Es ist interessant zu erwähnen, dass, obwohl Satan in der Welt war, die Sünde keinen Eingang durch ihn in die Welt fand. Dieses Aufkommen der Sünde in der Welt muss sich also auf das Aufkommen der Sünde in der Geschichte des Menschen beziehen und will nicht andeuten, dass Satan vor der Übertretung Adams nicht in der Welt war. Das Aufkommen der Sünde ist demnach einzig und allein der Übertretung Adams zuzuschreiben. Warum wird die Übertretung Adams („durch einen Menschen“) immer mehr betont als die Übertretung Evas? Weil Adam das Haupt der menschlichen Rasse war. Alles wurde seiner und nicht Evas Herrschaft unterworfen. Ihre Übertretung betraf nur sie selbst. Seine Übertretung betrifft jedoch das Schicksal der gesamten Menschheit und somit der gesamten Welt (einschließlich der Schöpfung ohne Intelligenz).

Der Tod durch die Sünde: Der Tod fand Eingang in die Geschichte der Menschheit durch die Sünde. Deshalb ist die Sünde der Grund für den Tod.

Der Tod ist zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben: Beachte die Tatsache, dass der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, nur, weil sie alle gesündigt haben. Die Sünde des Menschen ist der Grund für seinen Tod. Das ist der interessante Teil des Verses. Über diesen Teil gab es über die Jahrhunderte viele Kontroversen. Die Frage lautet: Was meinte Paulus, als er sagte, dass „alle gesündigt haben“? Diese Aussage könnte auf zwei Arten ausgelegt werden:

  1. Sie könnte bedeuten, dass alle Menschen ähnlich gesündigt haben wie Adam. Sie haben Adams Sünde imitiert und nachgeahmt.
  2. Sie könnte bedeuten, dass alle Menschen gesündigt haben, weil Adam sündigte. Mit anderen Worten: Adams Sünde ging auf alle Menschen über, d.h. ein Mensch sündigte und durch die Tat dieses Einzigen wurden wir alle Sünder.

Welche dieser beiden Ansichten ist die richtige? Es ist eine einfache Tatsache, dass alle sterben, weil alle gesündigt haben. Es muss deshalb genauso klar sein, dass ein Mensch, der nie sündigte, auch nicht stirbt. Die Sünde im Menschen ist der Grund dafür, dass sie alle sterben. Jesus war der einzige Mensch, der nicht sündigte. Er hätte nicht sterben können, wenn er nicht an unserer Statt gestorben wäre. Sünde und Tod hatten kein Recht und keinen Platz in ihm, außer in dem Sinne, dass er für uns zur „Sünde gemacht“ wurde. Hat es jemals einen anderen Menschen ohne Sünde gegeben?

Sünder durch Nachahmung Adams?

Wären wir nur dann Sünder, weil wir Adam kopieren, müssen wir uns fragen, warum Babys sterben. Babys können nicht sündigen. Sie haben noch keine Erkenntnis über das Gesetz, über das, was gut und böse ist, deshalb können sie es auch nicht übertreten. Übertretung setzt eine bewusste Entscheidung zum Ungehorsam voraus. Aber selbst zu Erwachsenen spricht Gott: „…wo aber das Gesetz nicht ist, da ist auch keine Übertretung.“ (Römer 4,15). Wenn der Tod nur dann über uns käme, weil wir sündigten, Babys aber nicht sündigen können, müssten wir uns fragen: „Warum sterben Babys? Wann haben sie gesündigt?“ Wenn wir sagen, der Vers bedeutet, dass wir genauso gesündigt haben wie Adam, befinden wir uns in einem Dilemma, weil Babys nicht so sündigen können wie Adam. Sie können nicht bewusst ungehorsam sein, dennoch sterben sie, manche sogar einige Minuten nach ihrer Geburt.

Durch Adams Sünde zu Sündern geworden?

Wenn wir jedoch die zweite Bedeutung des Verses betrachten, als Adam sündigte, sündigten alle seine Nachkommen in ihm bzw. wurden durch seine Tat zu Sündern, dann beginnt dieser Vers einen vollkommenen Sinn zu ergeben. Im Lichte dieses Verständnisses können wir sehen, dass alle Menschen (einschließlich Babys) sterben, weil alle Menschen (einschließlich Babys) Sünder sind – ungeachtet dessen, ob sie selbst sündigten oder nicht. Wir haben gesündigt, weil Adam sündigte und wir in ihm waren, als er sündigte. Wir sind also nicht deshalb zu Sündern geworden, weil wir selbst gesündigt haben, sondern weil wir zu einer bestimmten Art von Wesen geworden sind, die von Natur aus böse sind, unfähig, Gutes zu tun, nur zur Zerstörung geeignet und deshalb zum Tode verurteilt. Eine sorgfältige Betrachtung des Verses und des ganzen fünften Kapitels in Römer (ganz besonders Verse 12-19) zeigt, dass Paulus genau das zum Ausdruck bringen wollte:

„denn bis zum Gesetz war Sünde in der Welt; Sünde aber wird nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz ist.“ (Römer 5,13 – rev. Elb.).

In den nächsten zwei Versen beweist Paulus seine Behauptung, dass alle Menschen wegen Adams Sünde sterben (und sie deshalb alle Sünder sind). Es ist wichtig, dass wir diesen Punkt richtig verstehen, weil er auch für die Argumente des Paulus wichtig ist. Warum ist das so? Erst wenn wir das verstehen, können wir auch die Tragweite dessen, was Jesus für uns getan hat, wie er es vollbracht hat und die wahre Bedeutung der Rechtfertigung durch den Glauben begreifen. Deswegen macht sich auch Paulus die Mühe zu erklären, was Adam tat und wie sich seine Tat auf uns auswirkte.

Wenn Paulus sagt: „bis zum Gesetz“, von welchem Zeitpunkt spricht er dann? Er bezieht sich auf einen bestimmten Abschnitt in der Geschichte und sagt, dass in dieser Zeit die Sünde in der Welt war. Er bezeichnet diese Zeit mit den Worten „bis zum Gesetz“. Was meint er damit? Er sagt, dass es eine Zeit gab, in der das Gesetz (wie auf dem Berg Sinai gegeben) den Menschen noch nicht kundgetan war. Während dieser Zeit war die Erkenntnis über Gottes Gesetz offenbar sehr begrenzt. Viele Menschen verstanden nicht richtig, wie Gott Gut und Böse betrachtet und unterscheidet. Nun, wie geht Gott in einer Situation wie dieser, was Sünde anbelangt, mit den Menschen um? Paulus gibt uns darauf eine klare Antwort. Er sagt, wo kein Gesetz ist, wird Sünde nicht zugerechnet (der Mensch wird nicht belangt dafür, er wird nicht als schuldig betrachtet). Obwohl Sünde in der Welt war (die Menschen taten Sünde), wurde sie ihnen nicht zugerechnet (Gott betrachtete sie nicht als schuldig), weil es kein Gesetz gab, durch das sie das Gute vom Bösen unterscheiden konnten.

„Dennoch herrschte der Tod von Adam an bis Mose auch über die, die nicht gesündigt hatten durch die gleiche Übertretung wie Adam, welcher ist ein Bild dessen, der kommen sollte.“ (Römer 5,14).

Trotz der Tatsache, dass den Menschen ihre Sünden nicht zugerechnet wurden (sie waren in den Augen Gottes nicht schuldig), weil das Gesetz noch nicht verkündigt worden war und sie es deshalb nicht kannten, starben sie. Der Tod herrschte über sie. Warum starben sie? Was verursachte in dieser Zeit ohne Gesetz den Tod der Menschen? Nun, wir könnten sagen, dass Adam und Eva starben, weil sie dem Gebot, nicht von der Frucht zu essen, ungehorsam waren. Wir könnten auch sagen, dass Menschen nach der Zeit Mose (nach der Gabe des Gesetzes) starben bzw. sterben, weil sie die zehn Gebote übertraten bzw. übertreten. Doch warum starben die Menschen zwischen Adam und Mose, in der Zeit, als es noch kein geschriebenes Gesetz von Gott gab? Warum herrschte der Tod über die Menschen, obwohl sie nicht so gesündigt hatten wie Adam (d.h. im Gegensatz zu Adam sündigten sie nicht durch bewussten, freiwilligen Ungehorsam gegenüber einem Gebot Gottes)? Da sie das offenbarte Gesetz Gottes nicht freiwillig übertraten, sie aber dennoch starben (der Tod herrschte über sie), bleibt die einzige Schlussfolgerung, dass Adams Sünde der Grund für ihren Tod war. Nicht ihre eigene, sondern Adams Sünde war der Grund dafür, dass der Tod über sie herrschte. Diesen Punkt machte Paulus deutlich und beweist ihn in diesen drei Versen.

Wenn wir das verstehen, haben wir auch keine Schwierigkeiten mehr, die Bedeutung der Verse 18 und 19 desselben Kapitels zu verstehen:

„Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt. Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern geworden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten.“ (Römer 5,18.19)

Adam tötete die gesamte menschliche Rasse. Alle Menschen waren verdammt durch die Sünde des Einen. Ohne unsere persönliche Anwesenheit, ohne selbst irgendetwas beigetragen zu haben wurden wir zu Sündern – verdammt und getötet durch Adam. Es wurde für uns in dem Augenblick unserer Geburt zur Wirklichkeit.

Auf dieselbe Art und Weise brachte Jesus der menschlichen Rasse das Leben zurück. Alle Menschen werden durch die Gerechtigkeit des Einen zu Gerechten. Ohne unsere persönliche Anwesenheit, ohne selbst irgendetwas beizutragen, wurden bzw. werden wir gerecht gemacht, gerechtfertigt und lebendig durch Christus. Es wird für uns in dem Augenblick, wenn wir von neuem geboren werden, zur Wirklichkeit. Für uns bleibt nur noch, diese Wirklichkeit durch Glauben anzunehmen. Das einzige, was wir tun müssen ist, einfach den Worten Gottes zu glauben, dass er all dies bereits für uns in seinem Sohn Jesus Christus bewirkt hat. Das ist die wahre Rechtfertigung durch den Glauben.