Es geschah im Jahre 1888 und es geschieht heute erneut. Die Botschaft über Gerechtigkeit durch den Glauben erregt die Gemüter vieler Gläubigen und bringt extreme Reaktionen hervor, die nicht nur die Art unserer Theologie, sondern auch den Zustand unserer Herzen offenbart. Ich bereue es nicht im Geringsten, dass dieses Thema – das Kernstück der Erlösung – studiert, diskutiert und debattiert wird. Alles ist besser als Gleichgültigkeit und Unbekümmertheit. Außerdem wird daraus für jeden aufrichtig Wahrheitssuchenden zwangsläufig ein klareres Verständnis des Erlösungsplans erwachsen, was wiederum eine der wichtigsten Bedingungen ist, soll jemals ein Volk entstehen, das die reine Wahrheit und eine echte christliche Erfahrung besitzt, bereit, den Spätregen zu empfangen.

Seitdem wir angefangen haben über dieses Thema zu schreiben, wurden uns einige Fragen gestellt und es gab auch viele Einwände bezüglich der von uns dargelegten Punkte. Einige Menschen konnten unsere Ansichten nicht teilen, was größtenteils auf Missverständnissen und in einigen Fällen sogar auf einer falschen Darstellung unserer Position seitens anderer beruht. Wir würden gerne denjenigen, die Einwände haben, unseren Standpunkt erklären, damit sie wissen können, wogegen sie eigentlich Einwände haben. Deshalb möchten wir nun versuchen einige Fragen zu klären, die scheinbar am meisten zur bestehenden Unruhe beigetragen haben.

Können wir in diesem Leben „sündloses Fleisch“ besitzen?

Dieser Einwand basiert eindeutig auf einem Missverständnis aber auch auf einem unachtsamen Lesen unserer Artikel. Es ist schwierig zu verstehen, warum einige denken, unsere Lehren gingen in Richtung „heiliges Fleisch“. Wenn ich von „sündiger Natur“ spreche, meine ich in den meisten Fällen nicht unseren physischen Aufbau. Der Apostel Paulus bezeichnet den Teil, der bei der Bekehrung stirbt, als „Leib der Sünde“, „der alte Mensch“, „das Fleisch“ und „fleischliche Gesinnung“. Ich glaube, wenn er solche Worte gebraucht, so kann es nicht falsch sein, wenn ich sie auch gebrauche. Wenn Paulus erklärt, dass der Leib der Sünde vernichtet ist (Römer 6,6), lehrt er da heiliges Fleisch? In Epheser 2,3 bezieht sich Paulus auf die Epheser sogar als Menschen, die in der Vergangenheit „Kinder des Zorns von Natur (sündige Natur)“ waren. Nachdem die Epheser Christen geworden waren, war es mit ihnen nicht mehr so. Ihre Natur (Geist, Gesinnung) hatte sich verändert, aber nicht ihre Körper. Deswegen sagt uns die Schrift, dass der Christ „Teilhaber der göttlichen Natur“ ist (2.Petrus 1,4). Das bedeutet nicht, dass er einen himmlischen oder sündlosen Körper besitzt. Es bedeutet einfach, dass Gott dessen Gesinnung erneuert hat.

Manchmal, wenn wir versucht haben aufzuzeigen, dass alles, was wir in unserer Natur besitzen, von Adam stammt, haben wir vom vererbten „Fleisch und Blut“ und von den vererbten „Genen, Knochen“ etc. gesprochen. Paulus, wenn er von unserer Beziehung zu Christus spricht, tut er dasselbe, indem er sagt: „Denn wir sind die Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinem Gebein.“ (Eph. 5,30 – unrev. Luther). Einige sind dagegen, wie wir diese Worte gebraucht haben, aber merkwürdigerweise haben sie nichts dagegen, wenn Paulus dieselben Worte gebraucht.

Die Bibel gebraucht jedoch sehr wohl das Wort „Natur“, wenn sie von der Gesinnung spricht. Genau das meine ich, wenn ich sage, dass alle Menschen (außer Christus) mit einer sündigen Natur geboren werden, die sie von ihrer Geburt an verdammt. Wir besitzen den gleichen sündhaften Leib, den auch Christus besaß, doch er hatte eine andere Gesinnung. Er wurde nicht wie wir mit einer fleischlichen und sündhaften Gesinnung geboren. Ellen White gebraucht in ihren Schriften oft den Ausdruck „sündige Natur“, wenn sie vom Körper spricht, was die Bibel eher nicht tut. Wenn wir nicht verstehen, dass es manchmal Unterschiede gibt in der Art und Weise, wie Wörter in verschiedenen Zusammenhängen gebraucht werden, dann geschieht es manchmal, dass wir gegen etwas protestieren, obwohl wir gar nicht verstanden haben, was eigentlich ausgedrückt werden sollte.

Unser Verständnis in dieser Sache haben wir in der Ausgabe Nr. 5 unseres „Heart For Truth Newsletters“, in dem Artikel „Wir können wirklich frei sein“, auf S. 7, versucht äußerst vorsichtig auszudrücken. Hier ist der genannte Abschnitt noch einmal zum besseren Verständnis:

„Natürlich stirbt nicht der physische Leib. Hoffentlich wird niemand diese Wahrheit falsch verstehen. Den physischen, sündhaften Leib werden wir behalten, bis Jesus wiederkommt, dann wird er ihn verwandeln. Dieser physische Leib ist jedoch nicht die Wurzel unseres Sündenproblems und auch nicht das, was Jesus vernichtet oder getötet hat. Das wahre Problem ist was die „fleischliche Gesinnung“ genannt wird. Das ist das selbstsüchtige Leben, die ichbezogene, egoistische Einstellung. Das ist etwas, was sich im Geist des Menschen befindet und ein realer Teil unseres Daseins ist. Genau das tötete Jesus, als er seinen eigenen Willen aufgab und das größte Opfer seines Lebens brachte, indem er den Willen des Vaters wählte. Durch die Macht des heiligen Geistes – seines eigenen Lebens und seiner eigenen Kraft – zieht Jesus durch die Neugeburt in unseren Verstand ein und kreuzigt das ichbezogene Leben, damit wir fortan nicht mehr für uns selbst leben, sondern allein für Gott.“ (HFT-Newsletter Nr. 5, S. 7).

Hat „Sünde“ nur eine einzige Definition?

In unserem April-Newsletter (Nr. 6) erklärten wir, dass die Art und Weise, in der Paulus in Römer 7,17.20 das Wort „Sünde“ gebraucht, danach verlangt, dass wir Sünde als eine negativ herrschende Macht im fleischlich gesinnten Menschen definieren. Es wurde uns jedoch vorgehalten, dass Ellen White schreibt, dass die einzige Definition von Sünde in der Bibel in 1.Joh. 3,4 zu finden ist, wo es heißt: „Sünde ist die Übertretung des Gesetzes“. Ich möchte mich in dieser Angelegenheit auf keinen Fall mit Ellen White messen, akzeptiere jedoch, dass, indem Paulus und Jesus die Sünde als unseren Herrn und Meister bezeichnen, sie dadurch die Sünde personifizieren, d.h. von ihr als von einer realen Existenz sprechen. Da Sünde jedoch unabhängig und auf sich alleine gestellt nicht existieren kann, besitzt sie –technisch gesehen – getrennt von unseren Taten keine substantielle Realität. Ich akzeptiere das, aber das stellt auch keine Schwierigkeit dar.

Die wirkliche Frage lautet nämlich: Was meinen Paulus und Jesus damit, wenn sie sagen, der Mensch, der sündigt, ist der Sünde Knecht (Joh. 8,34; Rö. 6,20)? Wenn Paulus sagt: „Sünde wohnt in mir“, meint er damit etwa das Besessensein von bösen Geistern? Ein Freund von mir war dieser Meinung, aber ich glaube nicht, dass Paulus das meint, wenn er sagt: „Sünde wohnt in mir“. Es gibt nicht den geringsten Hinweis auf solch eine Idee in diesem Abschnitt. Doch selbst wenn es sich hier auf böse Geister beziehen würde, hätten wir dennoch ein Problem, denn dann müssten wir schlussfolgern, dass die Bibel Sünde als „böse Geister“ definiert. Dann wäre auch nicht wahr, dass die einzige Definition von Sünde die Übertretung des Gesetzes ist.

Paulus spricht aber eine deutliche Sprache, wenn er sagt: „So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.“ (Rö. 7,20). Wenn er damit die Gegenwart von bösen Geistern in sich meinen würde, dann hätte Paulus keine Bekehrung nötig gehabt, sondern eine Austreibung der bösen Geister! Viele Christen, die mit sog. „Befreiungsdiensten“ zu tun haben, glauben, dass unser Sündenproblem in Wahrheit mit bösen Geistern in uns in Verbindung steht. Viele versuchen deshalb ihr Problem dadurch zu lösen, dass sie „Dämonen“ der Wut, des Hasses, der Depression etc. aus sich austreiben lassen. Sie behaupten, dass das Sündenproblem des Menschen mit Dämonen in ihm zu tun hat. Lehrt Paulus jedoch so etwas?

Seine Lehre ist ganz einfach. Er meint dasselbe, was auch Jesus meint, wenn er sagt: „der Mensch, der sündigt, ist der Sünde Knecht“. Jesus spricht hier von einer Macht in dem fleischlich gesinnten Menschen, die ihn zur Sünde zwingt. Er sagt, dass diese Macht der Herr dieses Menschen ist und nennt sie „Sünde“. Sie ist der Herr dieses Menschen, weil er ihrem Befehl gehorchen muss. Wenn Jesus und Paulus von Sünde sprechen, warum sollten wir dann falsch liegen, wenn wir dasselbe tun?

Wir sollten uns jedoch nicht durch Definitionen ablenken lassen. Ich würde viel lieber alle meine Definitionen über Bord werfen und bekennen, dass ich im Irrtum war, wenn wir dafür nur die Wahrheit annehmen könnten, die uns Paulus klarmachen wollte. Was ist diese Wahrheit? Es ist die Wahrheit, dass wir in unserem natürlichen Zustand derart hilflos und so sehr von unserer vererbten Verderbtheit beherrscht sind, dass es für uns vollkommen unmöglich ist auch nur im geringsten Gutes zu tun. Das ist das wahre Problem. Alle Menschen befinden sich von Geburt an in diesem Zustand und werden deshalb als lebensuntüchtig verurteilt. In diesem Zustand, außerhalb von Christus, ist jeder Mensch vom Augenblick seiner Geburt an verloren. Sehen wir es alle ein?

Wenn mir Jesus und Paulus sagen, dass Sünde mein Herr, und mein wahres Problem die in mir wohnende Sünde ist, versuchen sie mir klarzumachen, was ich bin und was mein wahres Problem ist und darum geht es in Wirklichkeit! Wenn ich diese Lektion nicht lerne, gibt es für mich keine Hoffnung, dass Sünde in mir jemals besiegt werden kann. Beachte die Worte des Paulus in Römer 8,8: „Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen!“ In Vers 7 sagt er, dass die fleischliche Gesinnung dem Gesetz Gottes nicht untertan ist, denn sie vermag (kann) es auch nicht! Nicht, dass sie sich etwa weigert, sondern sie kann es nicht. Es ist unserer fleischlichen Gesinnung unmöglich. Warum ist es so? Weil wir so geboren wurden, dass das Sündigen ein untrennbarer Teil unserer Natur ist. Solch eine Gesinnung ist Feindschaft gegen Gott von dem Augenblick unserer Geburt an (Vers 7). In diesem Zustand gibt es keine Hoffnung, aus der Knechtschaft der Sünde zu entrinnen. Unser einziger Ausweg ist die Neugeburt.

Was ist unser wahres Problem: Unsere Taten oder unsere Natur?

Wenn wir sagen, dass unser Problem unsere Taten sind, machen wir einen schrecklichen Fehler. Wir identifizieren das Problem nicht richtig. Das Ergebnis ist, dass wir Sünde auf die falsche Art und Weise überwinden wollen. Wir werden niemals frei von Sünde sein, wenn wir glauben, unser Problem sei das, was wir tun, anstatt das, was wir sind! Wenn wir sagen, dass unser Problem unsere TATEN sind, dann werden wir logischerweise auch versuchen unsere Taten zu ändern. Wir versuchen gute Werke zu tun! Es wird uns aber niemals den Sieg bringen. Wenn wir jedoch begreifen, dass unser Problem wir selbst sind, dann begreifen wir auch, dass wir daran nichts ändern können. Die Antwort können wir allein in Christus finden – in ihm allein! Wir müssen zu ihm kommen, um das Heilmittel zu empfangen und auf ihn allein vertrauen, denn obwohl wir vielleicht wissen, wie wir Werke tun können, liegt es nicht in unserer Macht unsere Natur zu ändern.

Ein bekanntes Sprichwort sagt:

Säe einen Gedanken und ernte eine Tat. Säe eine Tat und ernte eine Gewohnheit. Säe eine Gewohnheit und ernte einen Charakter.

Hier haben wir die menschliche Formel zur Überwindung von Sünde. Beachte einmal, in diesem Rezept gibt es keinen Bedarf für Gott. Dieses Konzept hat viele dazu verleitet zu denken, dass wir lediglich unsere Taten ändern brauchen, wenn wir unseren Charakter ändern wollen. Ich glaube, dass dieses Konzept die Quelle vieler Missverständnisse ist. Es ist teilweise wahr, aber nicht völlig, wie wir gleich sehen werden. Wenn wir den Charakter nur als Produkt unserer Taten ansehen, gelangen wir zu folgenden Schlussfolgerungen, die den Lehren der Bibel völlig widersprechen:

  1. Ein Baby hat noch keine Gewohnheiten, somit auch noch keinen Charakter und kann deshalb auch nicht als Sünder angesehen werden. Weil es noch keine bewussten Taten vollbringen kann, besitzt es auch noch keinen sündigen Charakter. Folglich braucht das Baby Christus nicht um gerettet zu werden.
  2. Da das Problem der Menschen ihre Gewohnheiten sind, müssen sie, um gerettet zu werden, lediglich ihre Gewohnheiten ändern, wodurch sich automatisch auch ihr Charakter verändert. Das macht eine Neugeburt völlig überflüssig. Es wird für sie dadurch auch möglich, z.B. durch „Rehabilitation“ und „Weiterbildungskurse“ gerettet zu werden.
  3. Eltern, die ihren Kindern gute Gewohnheiten anerziehen, ersparen ihnen dadurch die Bekehrung, da sie bereits einen guten Charakter besitzen.

Ich bin mir sicher, dass niemand mit diesen drei Punkten übereinstimmen würde. Würden wir jedoch daran festhalten, dass unser Problem unsere Taten sind und nicht unsere Natur, wären wir gezwungen, genau diese Punkte anzunehmen. Unser Charakter ist selbstverständlich mehr als nur das Ergebnis unserer Taten und Gewohnheiten. Er beinhaltet auch unsere Natur, mit der wir geboren wurden.

Wie verwandelt Gott meine Gesinnung? Geschieht es durch ein Wunder oder durch Anerziehung? Ist die Bekehrung das Werk Gottes, indem er uns mit seinem Geist erfüllt und mit seiner übernatürlichen göttlichen Kraft in einem Augenblick verwandelt oder ist sie eine allmähliche Veränderung, die sich über einen langen Zeitraum hinzieht, während der Mensch seine Gedanken Schritt für Schritt verändert? Erziehung hat zweifelsohne ihren Platz, indem sie mich Gottes Willen lehrt und befähigt, seine Absichten und Wege besser zu verstehen, damit ich noch vollkommener in Harmonie mit ihm gelange. Aber was ist der kritische Teil in der Erfahrung eines Christen? Ist es Erziehung oder Neuschöpfung? Führt mich Gott lediglich in neue Wahrheiten, oder gibt es eine wirkliche Erfahrung, in der mir das Leben Christi zuteil wird und ich durch seine Schöpferkraft augenblicklich zu einer neuen Schöpfung werde? Das sind die wirklich wichtigen Fragen.

Hat Adams Sünde die Menschheit vollkommen verdorben?

Es gibt eine irrige Vorstellung unter den Siebenten-Tags-Adventisten, auf die wir als eine ernstzunehmende Gefahr aufmerksam machen möchten. Es ist der Glaube, dass der Mensch lediglich das Problem hat, dass er mit einer Schwachheit geboren wird und nicht mehr braucht, als die richtige Art von Erziehung und Übung, das Gute zu tun. Die römisch-katholische Kirche lehrt, dass Adams Sünde die menschliche Rasse lediglich verwundet habe, dass der Mensch jedoch nicht vollkommen böse sei. Der kath. Katechismus drückt den Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten in diesem Punkt so aus:

„Die Erbsünde…ist der Zustand des Mangels an der ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtigkeit. Infolge der Erbsünde ist die menschliche Natur zwar nicht durch und durch verdorben, aber in ihren natürlichen Kräften verletzt. Die Lehre der Kirche über die Weitergabe der Ursünde ist vor allem im 16. Jahrhundert im Widerstand gegen die Reformation geklärt worden. Die ersten Reformatoren lehrten, der Mensch sei durch die Erbsünde von Grund auf verdorben und seine Freiheit sei zunichte gemacht worden. Sie identifizierten die von jedem Menschen ererbte Sünde mit der Neigung zum Bösen (als) unüberwindbar.“

Die protestantischen Reformatoren lehrten, dass Adams Sünde die Menschheit getötet und nicht nur verwundet hat. Mit anderen Worten: Der Mensch ist vollkommen verdorben und hoffnungslos verloren. Seine einzige Hoffnung ist Christus. Die kath. Kirche lehrt natürlich, dass der Mensch anstelle einer vollständigen Neuschöpfung lediglich Unterstützung braucht. Viele Adventisten haben diese katholische Ansicht angenommen. Sie glauben, dass wir exakt in demselben Zustand geboren werden wie Christus, außer, dass er vom heiligen Geist erfüllt war, als er geboren wurde. Ihrer Meinung nach besteht der einzige Unterschied darin, dass er von Anfang an mehr Unterstützung zur Verfügung hatte als wir und deshalb auch fähig war, sich gegen die Sünde zu entscheiden, während wir die Sünde wählen. In ihrem Denken hätten wir Christus sein können, wenn uns nur ein wenig mehr Hilfe zur Verfügung gestanden hätte!

Dieses schrecklich falsche Konzept hat einige zu der Schlussfolgerung geführt, dass Menschen, wie Johannes der Täufer, die von Geburt an vom heiligen Geist erfüllt waren, ein sündloses Leben führten. Tatsächlich führt diese Idee zu der Annahme, dass wir mehr als einen Christus haben! Die natürliche Schlussfolgerung ist, dass wir Christus nur kopieren müssen, indem wir seinem Beispiel folgen und wir können Sünde überwinden. Sieg über Sünde und Vollkommenheit erreicht man einfach, indem man lernt seine eigenen Gewohnheiten zu ändern. Wenn wir es schließlich durch eine angemessene Erziehung, harte Arbeit und viele Kämpfe und Anstrengungen vollbracht haben, ALLE unsere Gewohnheiten zu ändern, sind wir geworden wie Christus! Auf diese Art und Weise muss ein Mensch gar nicht mehr von Neuem geboren werden. Das ist dann nur noch ein symbolischer Ausdruck dafür, wenn ein Mensch sich vornimmt so zu werden wie Christus.

Das ist völlige Torheit, denn es hat noch nie funktioniert. Wenn der Geist Gottes nicht Besitz ergreift von dem Menschen, um ihm eine neue Natur und eine neue Gesinnung zu geben, gibt es keine Hoffnung, dass er sich jemals ändert. Erziehung – selbst biblische Erziehung – ist nicht dasselbe wie die Neugeburt!

Die Katholiken haben sich zumindest einen Weg zurechtgelegt, auf dem sie denken, diese unmögliche Aufgabe bewältigen zu können. Jedoch erst nach dem Tod einer Person, weil es zu Lebzeiten auf diese Art und Weise niemals vollbracht werden kann. Die kath. Kirche lehrt:

„Wer in der Gnade und Freundschaft Gottes stirbt, aber noch nicht vollkommen geläutert ist, ist zwar seines ewigen Heiles sicher, macht aber nach dem Tod eine Läuterung durch, um die Heiligkeit zu erlangen, die notwendig ist, in die Freude des Himmels eingehen zu können. Die Kirche gibt dieser letzten Läuterung der Auserwählten den Namen Fegefeuer.“ (Der kath. Katechismus).