Eine der provokativsten Definitionen des Glaubens finden wir in Hebräer 11,1. Paulus beginnt dieses großartige Kapitel mit den folgenden Worten:

„Der Glaube ist die Substanz dessen, auf was man hofft und der Beweis der Dinge, die man nicht sieht.“ (King James)

Junge rollt Ball bergauf - WerksgerechtigkeitNicht viele Menschen würden den Glauben in dieser Weise beschreiben oder definieren. Die bekanntere Definition lautet hingegen höchstwahrscheinlich so: „Glaube ist, von ganzem Herzen an etwas zu glauben, das man nicht sehen kann.“ Die Definition Pauli ist jedoch faszinierend. Warum wählte er gerade diese Beschreibung, die er offensichtlich sorgfältig überlegt und präzise in Worte gefasst hat? Die Tatsache an sich, dass sie so ungewöhnlich ist, macht den Leser auf sie aufmerksam und fordert ihn zum Nachdenken heraus.

Vor einiger Zeit kam in mir eine Frage auf, die mir half, diese Definition des Apostels Paulus besser zu verstehen und die wahre Bedeutung des Verses zu begreifen. Ich fragte mich: „Woher weißt du, dass du in Christus bist und den heiligen Geist empfangen hast?“ Es gab nämlich keine Feuerzungen wie zu Pfingsten, kein Sprechen in anderen Sprachen und keine Heilung der Kranken oder Auferstehung der Toten. Woher also weiß ich es? Was für einen Beweis habe ich, dass ich in Christus bin und sein Leben erhalten habe? Diese Frage kam ursprünglich nicht von mir. Als ich begann, über das Thema zu sprechen, was es bedeutet, in Christus zu sein und mich an der Wahrheit der völligen Erlösung erfreute, fragten mich einige: „Wo ist der Beweis dafür?“ Ich musste mich also der Frage dieses Beweises stellen? In der Tat, wo war denn mein Beweis?

Der Glaube ist der Beweis

Die ungewöhnliche Definition von Paulus scheint für solch eine Frage wie maßgeschneidert zu sein. „Der Glaube“, sagt er, „ist der Beweis…“ Aber was meinte er damit und ergibt es einen Sinn? Wenn wir von Beweis sprechen, dann meinen wir darlegbare und greifbare Tatsachen, wir meinen messbare Fakten, die jeder Mensch nachprüfen kann. Im krassen Gegensatz jedoch spricht Paulus von Dingen, die man nicht sieht. Der Glaube ist der Beweis der Dinge, die man nicht sieht. Widerspricht sich das denn nicht? In der heutigen materiellen Welt der Statistiken, Daten, Fakten und Zahlen, könnte uns diese Aussage von Paulus verwirren und wir neigen eher dazu, sie dem Mystizismus des ersten Jahrhunderts zuzurechnen. Paulus spricht hier aber nicht etwa sinnbildlich oder symbolisch. Was er sagen will ist, dass der wahre Beweis geistlicher Wahrheiten (einschließlich der Neugeburt) nicht das ist, was wir sehen, fühlen oder messen können oder andere Menschen bewerten oder prüfen könnten. Der wahre Beweis, der Kern, das Zeugnis, das ist der Glaube selbst.

Spricht Paulus in seiner Definition des Glaubens von dem persönlichen Glauben eines Menschen? Beantwortet seine Definition auch die Fragen, die ich mir selbst stellen musste, nämlich woher ein Mensch wirklich wissen kann, ob er in Christus ist und welcher Beweis ihm dies bezeugt? Ich glaube, dass sie diese Fragen beantwortet. Der Mensch, der glaubt,  braucht keinen anderen Beweis dafür, dass sich Gottes Wort auch wirklich erfüllt hat, außer der Tatsache, dass er es glaubt. Selbst wenn die ganze Welt das Gegenteil sagen würde, könnte dies die Glaubwürdigkeit des Wortes Gottes nicht umstürzen. Unsere Augen und Gefühle mögen uns etwas anderes sagen, aber das Wort Gottes bleibt trotzdem Wahrheit. Es ist nämlich der Ausdruck dessen, wie die Dinge wirklich sind. Wenn wir glauben, dann ist das der Beweis. Der Glaube beweist sich selbst. Wenn ein Mensch glaubt, so weiß er, dass es so ist und nichts in der Welt kann ihn vom Gegenteil überzeugen. Deshalb erfreut er sich an dem, was er glaubt, von ganzem Herzen, selbst wenn alle Beweise der Welt dem zu widersprechen scheinen, was ihm der Glaube als Wahrheit bezeugt.

In 1.Johannes 3,9 lesen wir:

„Wer aus Gott geboren ist, der tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, denn er ist aus Gott geboren.“

Was soll ein Christ tun, wenn er diesen Vers liest? Nun, er kann sagen: „Wenn das so ist, muss ich mich bemühen, nicht zu sündigen“, und er versucht mit ganzer Kraft nicht zu sündigen. Glaubt dieser Mensch dem Wort Gottes? Ein anderer Christ liest jedoch denselben Vers und sagt: „Wenn das so ist, ist Sünde nicht mehr mein Problem.“ Er hat begriffen, dass, wenn er in Christus ist und bleibt, er von der Knechtschaft der Sünde frei wurde und sich von ganzem Herzen über seine Freiheit freuen kann. Welche dieser zwei Antworten ist die Antwort des Glaubens? Welcher Mensch glaubt dem Wort Gottes wirklich?

Der Glaube selbst ist der Beweis. Die Tatsache, dass ich das Wort Gottes wirklich glaube, ist alles, was ich brauche. Einen zusätzlichen Beweis, zu fordern zeigt, dass ich gar nicht wirklich glaube. Wenn mir das ewige Wort Gottes nicht ausreicht, dann ist mein Glaube nichtig. Es ist die sicherste Garantie dafür, dass ich den versprochenen Segen nicht erhalten werde.

Ein Geschenk durch den Glauben

Was ist also im Lichte dessen die wahre Bedeutung des Ausdrucks „Gerechtigkeit durch den Glauben“? Paulus beschreibt diesen Segen so:

„Gerechtigkeit Gottes aber durch den Glauben an Jesus Christus zu allen und auf alle, die da glauben. Denn es ist kein Unterschied.“ (Römer 3,22)

Das Wort Gottes sagt uns, dass diese Gerechtigkeit zu allen kommt, die einfach glauben und dass es durch den Glauben Jesu Christi geschieht. Der Vers ist klar und deutlich und auch der gesamte Abschnitt, aus dem der Vers stammt. Wenn jemand an Jesus Christus und an das Geschenk Gottes glaubt, erhält er es im selben Moment. Gerechtigkeit ist völlig und ausschließlich das Geschenk Gottes, das alle erhalten, die glauben. Paulus sagt es in Römer 4,4.5 so deutlich, wie es nur möglich ist.

An der Frage, wie lange es dauert, die Gerechtigkeit zu erhalten, stoßen sich viele und sie führt häufig zu Debatten und Meinungsverschiedenheiten. Hier sind einige Möglichkeiten:

  1. Bekommt ein Mensch dieses Geschenk der Gerechtigkeit augenblicklich in dem Moment des Glaubens, sodass er sogleich von einem Sünder zu einem Heiligen wird? Wird er unmittelbar zu einer neuen Schöpfung? Ist das Alte tatsächlich vergangen und alle Dinge neu geworden?
  2. Oder ist es so, dass, wenn er glaubt, Gott erst das Werk beginnt, ihn gerecht zu machen, und der Mensch in der Zwischenzeit nur teilweise gerecht ist – teils Sünder, teils Heiliger?
  3. Ist es so, dass er von Gott sofort als gerecht angesehen wird, obwohl er in Wirklichkeit gar nicht gerecht ist? (Das würde bedeuten, Gott akzeptiert etwas, was nicht wahr ist).

Wenn Gerechtigkeit ausschließlich durch den Glauben kommt und ein völlig freies GESCHENK Gottes ist, dann müssen wir uns fragen: Warum sollte Gott dieses Geschenk dem Menschen nicht sofort geben, sobald dieser beginnt zu glauben? Es könnte nur sein, dass Gott es entweder nicht sofort geben kann oder geben will. Doch keine dieser Antworten entsprechen der Wahrheit. Denn wenn Gerechtigkeit ein völlig freies Geschenk Gottes ist, so ist es nur logisch und biblisch, dass Gott dieses Geschenk dem Menschen gibt, sobald dieser glaubt!

Augenblicklich gerecht?

Schauen wir uns einmal einen weiteren Einwand an. Ist es möglich, Gerechtigkeit augenblicklich auf einen Menschen zu übertragen, sodass er augenblicklich von schlecht in gut verwandelt wird? Kann der Charakter eines Menschen von einem Moment auf den anderen geändert werden, sodass seine Lebensgewohnheiten verschwinden und er sofort eine neue Lebenseinstellung bekommt? Wir dürfen diese Frage nicht mit unserer eigenen Lebenserfahrung beantworten, sondern allein mit dem Wort Gottes. Sein Wort ist klar und deutlich und somit unmissverständlich.

„Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden!“ (2.Korinther 5,17)

Sehr oft, wenn die Bibel vom gerechten Leben des neugeborenen Christen spricht – dem über Sünde siegreichen Leben –, ist es nicht das Ergebnis schweren Ringens über die Sünde oder gar ein Vorgang, bei dem sich die Gerechtigkeit allmählich entwickelt. Nein, das gerechte Leben wird uns als die Frucht eines einzigen, entscheidenden und alles verändernden Ereignisses im Leben des Gläubigen aufgezeigt – als das Ergebnis einer einmaligen Entscheidung. Sehen wir uns einige Beispiele dafür an:

„Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.“ (Römer 6,3-7)

Beachte, dass unsere Freiheit von Sünde durch eine einzige Sache geschieht, nämlich durch die Tatsache, dass wir mit Christus gestorben sind. Unser alter Mensch wurde mit Ihm gekreuzigt und der Leib der Sünde vernichtet! Wie sollte demnach Sünde immer noch in uns leben können? Die logische Schlussfolgerung ist: Wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. Glauben wir das? In diesen Versen wird uns nämlich nicht gesagt, dass wir durch harte Arbeit oder gar durch einen Vorgang einer langwierigen Charakterentwicklung allmählich befreit werden, sondern einfach nur durch den Tod, den wir durch den Glauben erfahren.

„In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit der Beschneidung, die nicht mit Händen geschieht, durch das Ablegen des sündlichen Leibes des Fleisches, in der Beschneidung Christi.“ (Kolosser 2,11)

Hier lesen wir wieder, dass die Sünden des Fleisches durch eine einzige Tat „abgelegt“ sind. Nämlich durch die Beschneidung, die wir in Christus erhalten. Diese Beschneidung besteht aus dem Ablegen, dem Loswerden des Leibes der Sünde (die fleischliche Gesinnung). Wenn wir in Christus eintreten, erhalten wir nicht nur die Fülle der Gottheit, sondern sie befreit uns auch völlig von der fleischlichen Gesinnung.

Das Symbol der Beschneidung ist bedeutsam. Bei der Beschneidung wird nämlich das, was stets Unreinheit hervorbringt, abgeschnitten und für immer weggetan. Dasselbe geschieht auch bei der geistlichen Beschneidung, die wir in Christus erhalten. Die fleischliche Gesinnung, der alte Mensch, der Leib der Sünde, wird in Christus entfernt, sodass der Teil, der für geistliche Unreinheit und Krankheit gesorgt hat, vernichtet ist.

„Wer aus Gott geboren ist, der tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, denn er ist aus Gott geboren.“ (1.Johannes 3,9)

Hier erkennen wir wieder die extreme Klarheit im Wort Gottes. Dieser Vers lässt keinen Raum für Missverständnisse. Nicht nur, dass es schwierig wäre, in Christus zu sündigen, es ist unmöglich! Während Sein Same (Gottes Same, Gottes Leben) in ihm bleibt, kann er nicht sündigen. Wodurch erhält er denn dieses Leben, das nicht sündigen kann? Etwa durch harte Arbeit, große Anstrengung oder Kampf? Durch einen langwierigen Vorgang der Charakterentwicklung, der ihn schließlich irgendwann dazu befähigt, nicht mehr zu sündigen? Auf keinen Fall! Es geschieht durch die einfache Tatsache, dass er aus Gott geboren ist und der Same Gottes in ihm ist. Das allein kann und wird die Macht der Sünde in ihm zerstören durch das gerechte Leben Gottes selbst. Es ist also kein langwieriger Vorgang des qualvollen Ringens, sondern der kindliche Glaube und damit das Annehmen des Wortes Gottes. Nur dadurch erhalten wir das Geschenk der Neugeburt – unsere neue Existenz in Christus.

Der Stellenwert menschlicher Bemühung

Wie vereinbaren wir das jedoch mit der unbestreitbaren Tatsache, dass es im Leben des Christen sehr wohl Kämpfe, Mühen und Anstrengungen gibt? Welchen Stellenwert haben diese Anstrengungen, wenn wir das Geschenk Gottes allein durch den Glauben erhalten? Weshalb müssen wir dann noch kämpfen, wenn doch die Gerechtigkeit ein völlig freies Geschenk Gottes ist und nicht unser Werk? Versuchen wir, darauf zu antworten, indem wir uns ein Ereignis im Leben Christi anschauen.

Als Jesus mit Petrus, Johannes und Jakobus vom Berg der Verklärung herabkam, wurde Er mit einer Situation konfrontiert, die Schande über sein Werk gebracht hätte, wäre Er nicht zur richtigen Zeit dort angekommen. Ein Mann hatte seinen mondsüchtigen Sohn zu den Jüngern Jesu gebracht mit der Bitte, ihn von seiner Besessenheit zu befreien. Alle ihre Versuche, den bösen Geist auszutreiben, waren jedoch gescheitert. Wir können nur erahnen, wie sehr sie sich bei ihrem Versuch bemüht haben mussten. Vielleicht bedrohten sie den Geist mit ernsten Befehlen, hoben die Arme gen Himmel und riefen Gott an oder zogen sich sogar zum Gebet zurück, aber all ihre Anstrengungen waren umsonst. Der böse Geist verspottete ihre jämmerlichen Versuche, ihn auszutreiben, nur um daraufhin seine Macht mit noch größerer Grausamkeit zu demonstrieren, während sie ihm verzweifelt geboten auszufahren.

Jesu Enttäuschung über Seine Jünger offenbarte sich in Seinen Worten:

„Oh du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden? Bringt ihn mir hierher!“ (Matthäus 17,17)

Darauf bedrohte Er den Dämon, der den Jungen auf der Stelle verließ. Die beschämten Jünger fragten Ihn verlegen: „Warum konnten wir ihn nicht austreiben?“ Beachte die Antwort Jesu:

„Jesus sprach zu ihnen: Um eures Unglaubens willen. Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berge sagen: Hebe dich von hier dorthin! und er wird sich hinwegheben; und nichts wird euch unmöglich sein. Aber diese Art fährt nicht aus als nur durch Beten und Fasten.“ (Matthäus 17,20-21 – Luther 98)

Schauen wir uns einmal an, was Jesus sagt und untersuchen die Gründe, die er für ihr Versagen angibt. Zuerst einmal sagt er: „Um eures Unglaubens willen.“ Diese Worte sind einfach zu verstehen, denn sie stimmen mit Seinen ersten Worten an sie überein: „Oh du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht!“ Scheinbar war ihr Problem der fehlende Glaube. Glaube ist es, der Gott gefällt, Glaube versetzt Berge, denn dem, der wirklich glaubt, ist nichts unmöglich.

Doch dann sagt Jesus etwas, was auf den ersten Blick all dem zu widersprechen scheint, was Er davor gesagt hatte: „Aber diese Art fährt nicht aus als nur durch Beten und Fasten.“ Was versucht Er damit zu sagen? Was war denn nun das Problem der Jünger? War es der fehlende Glaube oder hatten sie zu wenig gefastet und gebetet? Jesus rügt sie wegen ihres Unglaubens und sagt dann, dass diese Art von Dämon nur durch Fasten und Beten ausgetrieben werden kann. Widersprach er sich damit? Natürlich nicht!

Glaube erfordert Anstrengung

Tatsache ist, dass Gott absolut nichts weiter von einer Seele, die sich Ihm übergeben hat, verlangt außer Glauben. Allein der Glaube ist Gott wohlgefällig. Glaube ist die Hand, die Gottes Kraft ergreift und die Dämonen austreibt. Fasten und Beten treibt keinen einzigen Dämon aus. Was ist aber dann der Zweck des Fastens und Betens? Fasten und Beten kann die Hand Gottes nicht bewegen, aber es dient dazu, den Glauben zu stärken! Es dient dazu, das hervorzubringen, was Gott allein wohlgefällt und wodurch Sein Segen empfangen werden kann. Wie es Ellen White ausdrückt:

„Im Gebet öffnen wir unsere Herzen Gott wie einem Freund. Nicht, dass es notwendig wäre, um ihm zu erzählen, wie es um uns steht und was wir brauchen, sondern um uns zu befähigen, ihn zu empfangen. Das Gebet bringt nicht Gott zu uns, sondern uns zu Gott.“ (Der Weg zu Christo, S. 113)

Während also der Glaube allein Gott wohlgefällt, müssen Anstrengungen unternommen werden, den Glauben aufrechtzuerhalten. Unsere Konzentration ist nicht immer vollkommen. Da wir in einem gefallenen und geschwächten Leib mit verkümmerten Fähigkeiten und in sündigen Umständen leben, ist der Versuch, den Glauben aufrecht zu erhalten, ein harter Kampf. Nur Glaube gefällt Gott, aber diesen Glauben zu bewahren erfordert große Anstrengungen. Der abrupt unterbrochene Gang des Petrus auf dem Wasser zeigt diese Lektion sehr anschaulich. Deshalb ermahnt uns Paulus: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens“ (1.Timotheus 6,12). Fasten und Beten sind zwei dieser Dinge, die uns dabei helfen, unsere Aufmerksamkeit von den Belanglosigkeiten dieser Welt auf die wahren und ewigen Dinge zu lenken. Es gibt noch andere Dinge, die uns ebenso dabei helfen: Die Gemeinschaft unter Christen, Bibelstudium usw. Sie jedoch retten uns nicht und erkaufen uns auch nicht Gottes Wohlwollen. Der Glaube allein ist das, was Gott wohlgefällt und uns Seinen Segen sichern kann. Diese Dinge sind aber hilfreich, weil sie uns dabei unterstützen, das einzig Wichtige zu erhalten; den Glauben.

Hier werden wir also gefordert. Der Kampf gegen Sünde ist nicht unser Kampf. Dieser Konflikt wurde bereits siegreich ausgefochten. Das siegreiche Leben ist ein Geschenk, das alle, die glauben, frei erhalten. Unsere Herausforderung besteht darin, zu glauben. Das ist unser Kampf. Hier kommen uns Fasten und Beten zugute. Sie sind Hilfen auf unserem Glaubensweg.

Vielleicht haben wir schon immer gefastet und gebetet. Wir haben schon immer unsere Bibeln gelesen und Gottesdienste und Versammlungen besucht und haben oft vor anderen Menschen Zeugnis abgelegt. Das taten auch die Juden, die Jesus kreuzigten. Es ist möglich, alle richtigen Dinge aus schlechten Gründen zu tun. In diesen religiösen Übungen versuchten sich die Juden das Geschenk Gottes durch ihre religiösen Leistungen und Anstrengungen zu erkaufen. Doch es nützte ihnen nichts. Weil sie Gottes freie Gabe nicht verstanden, wurden die Mittel, die sie zum Glauben führen sollten, zu Mitteln, die den Glauben unter sich begruben. Sie waren von ihren religiösen Ritualen so besessen und abhängig, dass sie durch die äußerliche Form die Realität nicht mehr erkennen konnten. Es wurde für sie so unmöglich, wahre Gerechtigkeit, die ein reines Geschenk Gottes ist und nur durch den Glauben empfangen werden kann, zu erleben.

Wir sollten heute sehr vorsichtig sein, diesen fatalen Fehler der Juden zu wiederholen. Es gab nie eine Zeit und es wird auch nie eine geben, in der wir etwas zu unserer Erlösung beitragen könnten. Rechtfertigung ist die freie Gabe Gottes, Heiligung ist die freie Gabe Gottes und die Verherrlichung ist ebenfalls die freie Gabe Gottes (Römer 4,4-5). Gott verlangt lediglich, dass wir das freie Geschenk durch den Glauben annehmen.

Lasst uns also erkennen, liebe Geschwister, dass unser Problem, das wir die ganze Zeit über hatten, nicht die mangelnde Anstrengung, Disziplin oder Mühe war. Oh, wie sehr wir gekämpft, uns bemüht und angestrengt haben! Es hat uns der Vollkommenheit und dem Himmel keinen Schritt näher gebracht. Gott sagte es bereits im Jahre 1888 und Er erinnert uns heute noch einmal daran: „GERECHTIGKEIT DURCH DEN GLAUBEN.“ Lasst uns also darum bemüht sein, in Gottes Ruhe einzugehen (Hebr. 4,11), und lasst uns ruhen von unseren Werken, so wie Gott geruht hat von den Seinen (Hebr. 4,10).