• Ich bat Gott, er möge mir meinen Stolz nehmen, und Gott sagte: „NEIN.“ Er sagte, er sei nicht an ihm, mir den Stolz wegzunehmen, sondern an mir, meinen Stolz abzulegen.
  • Ich bat Gott, er möge mein behindertes Kind gesund machen, und Gott sagte: „NEIN.“ Er sagte, der Geist des Kindes sei gesund, der Körper sei doch vergänglich.
  • Ich bat Gott, er möge mir Geduld schenken, und Gott sagte: „NEIN.“ Er sagte, Geduld sei ein Nebenprodukt von Bedrängnis. Geduld sei kein Geschenk, sondern ein Verdienst.
  • Ich bat Gott, er möge mir Glück gewähren, und Gott sagte: „NEIN.“ Er sagte, er erteile Segen, das mit dem Glück sei meine Sache.
  • Ich bat Gott, er möge mir Schmerzen ersparen, und Gott sagte: „NEIN.“ Er sagte, Leiden lenke den Menschen von weltlichen Interessen ab und bringe ihn ihm näher.
  • Ich bat Gott, er möge meinen Geist wachsen lassen, und Gott sagte: „NEIN.“ Er sagte, ich müsse selber wachsen, aber er wolle mich zurichten, damit ich Frucht bringe.
  • Ich bat Gott um alle Dinge, damit ich das Leben genießen könnte, und Gott sagte: „NEIN.“ Er sagte, er gibt mir das Leben, damit ich alle Dinge genießen könnte.
  • Ich bat Gott, er möge mir helfen, andere so zu lieben, wie er mich liebt, und Gott sagte: „Jetzt hast du es endlich begriffen.“

Dies ist eine Liste von “guten” und “christlichen” Gedanken, die Menschen glauben. Man findet diese Liste oft im Internet, und sie wird meist auf sozialen Netzwerken wie Facebook von wohlmeinenden Christen mit anderen Menschen geteilt um sie zu ermutigen und zu trösten. Ich möchte mit diesem Artikel eine etwas andere Sichtweise dieser Gedanken darlegen.

Es ist meine Überzeugung, dass solche Gedanken mit ein wichtiger Grund dafür sind, warum behinderte Menschen behindert bleiben, leidende Menschen weiterhin leiden und verzweifelte Menschen weiterhin verzweifelt sind. Ganz natürlich haben wir stets irgend welche Entschuldigungen und Ausreden dafür parat, warum die Menschen so bleiben, wie sie sind und keine Hilfe erfahren. Und obendrein behaupten wir, dass Gott der Grund dafür sei. Deshalb klingen Christen so super “geistlich” während Gott für viele Unbekehrte, die darüber nachdenken, wie ein echter Mistkerl aussieht, weil er den Menschen scheinbar nie praktisch helfen will, obwohl er es problemlos könnte.

Um es ganz deutlich zu sagen, ist diese Liste der reinste Müll, und jemand muss sich mal dazu äußern, weil sie vielen Menschen wehtut und die Gemeinde Gottes apathisch und faul herumsitzen lässt während sie die Werke des Teufels, die Jesus zu zerstören kam (1.Joh. 3,8), einfach toleriert und sogar akzeptiert.

Ich mag für einige vielleicht als der “böse Junge” erscheinen, weil ich mich gegen diese scheinbar “geistlichen” und “guten” Gedanken auf dieser Liste ausspreche. Vielleicht denken manche, dass ich nur Haarspalterei betreiben oder meinen Frust über andere Christen ablassen will. Nein, der Grund, warum ich das hier schreibe, ist ein anderer.

Ich fordere jeden heraus, der denkt, diese Liste drücke gute Gedanken aus, dass er zu einem ungläubigen behinderten Menschen oder dessen Eltern geht und ihnen mitteilt, dass Gott gesagt habe: “Nein, ich will euren behinderten Sohn nicht heilen, weil sein Körper vergänglich ist.” Und dann soll er mal schauen für wie “gut” diese Menschen Gott dann noch halten werden und wie sehr sie ihn danach noch kennen lernen wollen.

Ist es nicht verblüffend, dass Jesus seinen ganzen irdischen Dienst damit verbrachte Menschen mit vergänglichen Körpern zu heilen? Jeder einzelne Mensch mit vergänglichem Körper, der zu ihm kam und ihn um Heilung bat, wurde geheilt. Er sagte kein einziges Mal “Nein” (Apg. 10,38). Und trotzdem haben wir heute diesen Gedanken erschaffen, der da sagt: “Gott ist viel mehr um unsere geistliche als um unsere physische Heilung besorgt.” Natürlich können kranke Menschen trotzdem in den Himmel kommen, aber Gott hat nicht nur für die Errettung ihrer Seele, sondern auch für die völlige Heilung ihres Körpers teuer bezahlt, warum sollte er den Menschen nur die Hälfte dessen geben wollen, was er für sie so teuer erkauft hat?

“Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das  Amen, Gott zum Lobe.” (2.Kor. 1,19-20)

Seine Antwort ist IMMER “Ja”! Wir müssen lediglich das “Amen” zu seinen Verheißungen sagen, d.h. seinem “Ja!” zustimmen. Wir Christen suchen nicht nach Entschuldigungen und behaupten, er hätte “Nein” gesagt, nur weil wir nicht sehen, dass jemand geheilt wird. Seit wann steht unsere Erfahrung über dem Wort Gottes? Wollen wir Gottes Wort korrigieren oder gar als Lüge darstellen, nur weil wir das noch nicht erlebt haben, was sein Wort beschreibt?

Weiter finden wir in der obigen Liste die Behauptung, dass “Geduld ein Nebenprodukt von Bedrängnis” sei. Ist dieser “fromme Gedanke” wirklich biblisch oder entspringt sie vielmehr einer religiösen Selbstkasteiungslehre? Geduld gehört zu den Früchten des Geistes Gottes (Gal. 5,22) und ist nicht ein “Nebenprodukt”, das man sich verdienen oder erarbeiten kann, indem man “Bedrängnis” erduldet, wie die obige Liste weiter behauptet. Geduld ist nicht ein “Zubehör”, sondern eine Person! Du hast Geduld, weil der heilige Geist Jesu Christi in dir lebt. Du hast nichts geleistet dafür, weil du das niemals könntest.

Aber sagt nicht die Bibel in Römer 5,3, dass “Bedrängnis Geduld bringt”? Wenn wir Geduld als eine Charaktereigenschaft von der Person Jesu Christi trennen, dann werden wir stets das Gefühl haben selbst dafür sorgen zu müssen, dass diese Charaktereigenschaft in uns entsteht und wächst. Dies führt dazu, dass wir uns in unserem täglichen Christsein nicht auf die Person Jesus Christus sondern auf gute Werke und folglich auf uns selbst konzentrieren. Das ist die böse Falle der “Religiösität”. Nein! Was Paulus damit ausdrücken will, ist, dass Bedrängnis uns stets dazu bringen sollte uns zu dem zu wenden, der uns allein aus jeglicher Bedrängnis befreit hat: Christus. So bewirkt Bedrängnis tatsächlich Geduld, indem wir durch das Schauen auf Christus mit seiner Geduld erfüllt werden. Wir besitzen Geduld, weil Christus in uns wohnt und seine Geduld ganz natürlich unser Herz erfüllt! Dies ist der Segen Gottes in der Gabe seines eingeborenen Sohnes.

Apropos “Segen”: Das Ziel eines jeden Segens von Gott ist Glück und Freude. Zu sagen Gott habe deine Bitte um Glück mit “Nein” beantwortet, weil er dir stattdessen Segen geben will, ist so, als würde man sagen: “Ich gebe dir keine Orange sondern stattdessen eine Apfelsine!” Es ist dasselbe.

Jesus hat nie gesagt, Gott würde Leiden über uns bringen um uns näher zu ihm zu ziehen. Er sagte, dass die Welt Leiden über uns bringen würde, je näher wir ihm kommen und je mehr wir ihn in der Welt bekennen würden. Mit “Leiden” meinte er nicht Krankheiten und Gebrechen, sondern die Verfolgung um unserer Verkündigung des Evangeliums willen (2.Tim. 3,12).

Man sagt doch auch nicht zu einem Kind, das kurz davor ist zu verhungern, dass das gut sei, weil es dadurch näher zu Gott gebracht würde. Würden wir dann nicht gegen den Willen Gottes gehen, wenn wir das Wort des Herrn befolgen, indem wir den Hungernden zu essen geben? Oder man sagt auch nicht einem krebskranken Menschen, dass Gott ihm Krebs gegeben habe, damit er dadurch ein besserer Mensch würde. Es macht wenig Sinn ein besserer Mensch zu sein, wenn man tot ist, oder? Würde er dann nicht gegen Gottes Willen gehen, wenn er nach Heilung suchen würde?

Das Problem ist, dass die meisten von uns es nicht gewohnt sind Dinge zu hinterfragen. Christen tendieren dazu zu meinen es sei entwürdigend in Frage zu stellen, was in ihrer Kirche oder Gemeinschaft von ihrem Prediger oder Pastor gelehrt wird, oder es sei ein Zeichen für mangelnden Glauben oder fehlende Unterordnung. Das mag sehr oft nur unterbewusst geschehen, aber es ist trotzdem manipulativ und deshalb gefährlich. Dieselbe Methode wird auch von Diktatoren und Tyrannen benutzt um das Volk untertänig zu machen und unter Kontrolle zu halten. Es ist Tyrannei.

besorgte FrauSiehst du es jetzt? Verstehst du, warum ich die Dinge so unverblümt beim Namen nenne? Die Gedanken auf dieser Liste hören sich für viele Christen super an, weil wir mit diesen Gedanken unser ganzes christliches Leben lang “zwangsgefüttert” wurden. Deshalb denken wir gar nicht über die Auswirkungen nach, die solche Gedanken nicht nur für unsere Glaubensgeschwister sondern vor allem auch für ungläubige, weltliche Menschen haben. Für sie macht es den Anschein, als wäre unser Vater ein selbstsüchtiger Tyrann, der nur an seiner eigenen Ehre interessiert sei. Die Christen hingegen, die diese Dinge glauben, akzeptieren ihr “Schicksal” von Leid und Krankheit und ihr Sterbebett, anstatt zu erkennen, dass Krankheit und Tod die Feinde Gottes sind und nicht etwa seine Erziehungsmittel!

Das sind einige Gründe dafür, warum ich bei diesen Gedanken, die die Wahrheit so krass entstellen und verdrehen, nicht schweigen kann. Ich kann nicht jemanden in einem Krankenhausbett betrachten und denken: “Hmm. Ja, das war definiv Gottes Plan.”

Es sind Dinge, wie die Gedanken in dieser Liste, die uns zu solchen Ausreden und Entschuldigungen bewegen. Und die Kranken leiden in ihren Betten weiter, während wir dastehen und uns dabei auch noch “geistlich” fühlen, weil wir meinen, dass Krankheiten zum Plan Gottes für den Menschen gehören würden. Das ist nicht in Ordnung! Wir sind hier um einen Unterschied zu machen und Menschenleben zu verändern. Jesus kam um die Verlorenen und Verwundeten zu ERRETTEN (Hes. 34,16), das bedeutet, die Menschen von den Dingen zu ERRETTEN, die sie verloren und verwundet machen! Wir sind nicht hier um nach Gründen dafür zu suchen, warum diese Dinge existieren. Wie können wir zufrieden sein, wenn die Verlorenen zwar gefunden werden aber verwundet (krank) bleiben?

Das “Heil”, das Gott für uns durch seinen eingeborenen Sohn erworben hat, beinhaltet sowohl ewiges Heil für unseren Geist, als auch Heilung von Krankheiten für unseren Leib hier und jetzt auf dieser Erde. Die Versöhnungstat Christi ist zweiteilig: Heilung für Körper und Geist! Die Erlösung ist ein Paket, das beides beinhaltet. Wenn wir das nicht verstehen, bedeutet es, dass wir unser Geschenk von Gott nur halb geöffnet haben. Es ist an der Zeit endlich das ganze Geschenkpaket zu öffnen! Gott selbst hat dieses Geschenk verpackt, und er wusste ganz genau, was da hinein gehört, weil er weiß, was wir bedürfen. Lasst uns das ganze Geschenk Gottes annehmen und nicht aus falscher Bescheidenheit einen Teil davon zurückweisen.