Wenn Gott uns bedingungslos liebt, wie erklären wir dann solche Verse, die seine Liebe an die Bedingung des Gehorsams knüpfen? Hier ist ein solcher Vers:

„Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.“ (Joh. 14,15)

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So betrachten viele Christen die Gebote Jesu

Ein gesetzlich denkender Mensch liest das rückwärts: „Ihr werdet meine Gebote halten, wenn ihr mich liebt.“ D. h., dass wir unsere Liebe zu Gott zuerst beweisen müssen, indem wir tun, was er gebietet. Es ist unsere Pflicht die Gebote zu halten, ein Zustand, den wir erreichen müssen, wenn wir seine Liebe zu uns genießen wollen. Wer aber unter der Gnade Gottes lebt, der liest diesen Vers, wie Jesus ihn ausgesprochen hat. Er versteht, dass Halten der Gebote ein Nebenprodukt der Liebe ist. Paulus erklärt dies in Römer 8,3-4, aber ich möchte dir zum besseren Verständnis ein alltägliches Beispiel geben.

Zur Minimierung von häuslicher Gewalt, haben wir hier in Deutschland viele detailierte Gesetze, die über die Pflichten eines Vaters bestimmen. Wer eines dieser Gesetze bricht, kann dafür ins Gefängnis kommen oder der Staat kann ihm seine Kinder wegnehmen. Damit ist nicht zu spaßen. Aber um ehrlich zu sein, könnte ich dir nicht sagen, wie diese Gesetze lauten. Ich habe sie nie gelesen. Aber ich kann zuversichtlich behaupten, dass ich jedes einzelne von ihnen einhalte. Woher weiß ich das? Ich liebe mein Kind. Ich halte die Gesetze nicht, um dadurch dem Staat zu zeigen, dass ich mein Kind liebe. Meine Beziehung zu meinem Kind basiert nicht auf diesen Gesetzen, sondern auf Liebe. Das Halten der Gesetze meines Landes resultiert ganz natürlich aus meiner liebevollen Beziehung zu meinem Kind. Ich weiß, dass die Gesetze einem guten Zweck dienen, doch sie sind nicht für mich bestimmt, sondern für Väter, die ihre Kinder nicht lieben.

Ähnlich verhält es sich auch mit den Gesetzen der Bibel: Sie sind nicht für Menschen gegeben, die Jesus lieben (1.Tim. 1,9). Entgegen dem, was dir ein gesetzlicher Christ sagen mag, ist das Halten der Gesetze um sich dadurch das zu verdienen, was Gott frei geschenkt hat, ein sicheres Anzeichen dafür, dass solch ein Mensch Gott nicht kennt. Ein gesetzlicher Mensch liest die obigen Worte Jesu und sieht in ihnen eine Drohung. Halte die Gebote, sonst…! Die Liebe macht aber keine Drohungen. Jesus kehrt zurück, um seine Braut zu sich zu nehmen, und er wird sie nicht mit einer Pistole bewaffnet gewaltsam dazu zwingen, wie der Schurke in einem Westernfilm.

Was sind die Gebote Jesu?

Wenn dir jemand das nächste Mal sagt, dass du die Gebote Jesu halten musst um deine Liebe zu ihm zu beweisen, frag ihn: „Was sind die Gebote Jesu?“ Er wird dir wahrscheinlich mit dem höchsten Gebot antworten: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt“ (Mt. 22,37-38). Das ist in Ordnung. Doch wenn du dieses Gebot in den obigen Vers einfügst, dann erhältst du: „Liebt ihr mich, dann liebt mich von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt“, was ziemlich überflüssig ist.

Wenn du Joh. 14,15 im Zusammenhang liest, erkennst du, dass Jesus sich auf zwei ganz bestimmte Gebote bezieht. Hier ist das erste:

„Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt.“ (Joh. 13,34)

Und hier ist das zweite:

„Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! … Glaubt mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir; wenn nicht, so glaubt doch um der Werke willen.“ (Joh. 14,1.11)

Wie können wir uns sicher sein, dass das seine Gebote sind? Weil Johannes (der dabei war, als Jesus diese Worte sprach) es selbst sagt:

„Und das ist sein Gebot, dass wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander, wie er uns das Gebot gegeben hat.“ (1.Joh. 3,23)

Was bedeutet es die Gebote Jesu zu halten?

Damit wir seine Gebote nicht verwässern um sie unserer Erfahrung anzupassen, erklärt Jesus seine Erwartung des Gehorsams für beide. Hier ist seine Erwartung für sein erstes Gebot:

„Wie ich euch geliebt habe, so müsst ihr euch auch untereinander lieben.“ (Joh. 13,34)

Wie hat uns Jesus geliebt? Indem er sein Leben für uns gegeben hat (Joh. 15,13). Das ist ein hoher Maßstab für Liebe! Es gibt tatsächlich keine größere Liebe als diese. Und was sind seine Erwartungen, wenn es um sein zweites Gebot geht?

„Ich sage euch die Wahrheit, jeder, der an mich glaubt, wird das tun, was ich auch getan habe. Er wird noch größere Dinge tun als diese…“ (Joh. 14,12)

Glaube an Jesus und du wirst die Werke Jesu tun. Wenn wir nun alles zusammensetzen, dann sagt Jesus folgendes:

„Wenn ihr mich liebt, dann werdet ihr euch auch untereinander lieben, wie ich euch geliebt habe und euer Glaube an mich wird euch befähigen Wunder zu wirken, wie ich sie gewirkt habe und noch viel größere.“

Wenn du seit längerem ein Christ bist und evtl. auch mindestens ein paar Jahre in irgend eine Gemeinde bist/warst, dann weißt du, dass sein erstes Gebot menschlich gesehen ziemlich unmöglich, während das zweite definitiv unmöglich ist. Wenn dir also das nächste Mal eine Bürde auferlegen will indem er dir sagt, dass du die Gebote Jesu halten müssest um dir Gottes Liebe zu verdienen, dann frag ihn einfach wie viele Menschen er bereits von den Toten auferweckt hat! Wenn er dich dann verstört ansieht, dann sag ihm, dass Jesus uns geboten hat an ihn zu glauben, um dieselben Werke wie er und noch größere zu tun!

Jetzt, wo wir beginnen zu verstehen was Jesus nicht gesagt hat (er hat nicht gesagt, dass wir seine Gebote halten sollen um unsere Liebe zu beweisen), sind wir bereit tiefergehender zu untersuchen, was er gesagt hat. Darum geht es in meinem nächsten Eintrag, den du unbedingt lesen solltest. Vielleicht wurdest du auch schon mit Joh. 14,15 und anderen Gesetzen des neuen Bundes eingeschüchtert. Wenn ja, dann bereite dich darauf vor befreit zu werden.