„Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, haben wir hinfort kein andres Opfer mehr für die Sünden, sondern nichts als ein schreckliches Warten auf das Gericht und das gierige Feuer, das die Widersacher verzehren wird.“ (Hebr. 10,26-27)

Dieser Vers hat so viele Gläubige verwirrt und verunsichert, dass es nicht mehr lustig ist! Ich hoffe und bete, dass dieser Artikel für solche, die in der Vergangenheit mit der Bibel „verprügelt“ worden sind, befreiend sein wird.

Dieser Eingangsvers wird gewöhnlich vielen Gläubigen an den Kopf geworfen, um sie durch Androhung von Verdammnis dazu zu nötigen heilig zu leben, indem ihnen die Angst vor dem Gericht als „Motivator“ vor Augen gehalten wird. Wenn dir dieser Vers Angst einflößt, und wenn Angst deine Motivation dafür ist mit dem Sündigen aufzuhören, dann ist es an der Zeit dir mitzuteilen, dass du betrogen wurdest. Das Wort Gottes sagt, dass wir „nicht einen knechtischen Geist empfangen haben, dass wir uns abermals fürchten müssten; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!“ (Röm. 8,15)

Aber ich möchte in diesem Artikel eigentlich etwas anderes behandeln. Ich möchte erklären, was gemeint ist mit: „wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, haben wir hinfort kein andres Opfer mehr für die Sünden“, weil es darüber viel Verwirrung gibt.

Das erste, was Menschen hier falsch machen, ist, dass sie annehmen, dass die Person, die die Erkenntnis der Wahrheit empfangen hat, automatisch erlöst sein muss. Ich halte diese Annahme für falsch. Denk einmal zurück an den Tag, als du die Erlösung angenommen hast. Bist du erlöst worden bevor oder nachdem du die Wahrheit gehört hast? Danach, nicht wahr? Das bedeutet, dass du die Erkenntnis der Wahrheit zwar angenommen hattest, aber bis zu dem Augenblick deiner Entscheidung der Wahrheit zu glauben, noch nicht erlöst warst.

Stell dir vor, dass zwei Ungläubige eine Predigt über das Evangelium hören (wenn ausnahmsweise mal das Evangelium gepredigt wird und nicht eine humanistische Psychologie, wie es üblicherweise der Fall ist). Theoretisch gesehen haben beide Ungläubigen die Erkenntnis der Wahrheit empfangen. Wenn einer der Beiden dann die bewusste Entscheidung trifft Christus anzunehmen, dann wird dieser gerettet. Seine Sünden sind ihm vergeben, weil das Opfer des Lammes für ihn wirksam geworden ist. Er hat Christus angenommen, ist mit ihm der Sünde gestorben und zu seinem Leben auferstanden. Wenn der andere Ungläubige sich dagegen entscheidet Christus anzunehmen, nachdem er dieselbe Erkenntnis der Wahrheit empfangen hat, bleiben ihm seine Sünden, weil er weiterhin seine tote, fleischlich gesinnte Natur besitzt. In diesem Sinne häuft er sich Sünden an bis zum Tag des Gerichts, und es bleibt ihm nichts anderes übrig als auf das schreckliche Ende zu warten. Das Opfer des Lammes hat in seinem Fall keine Wirkung, weil es von ihm nicht angenommen wird.

Beide haben die Erkenntnis der Wahrheit durch die Predigt enthalten, und der Glaube kommt durch die Predigt. Wenn du einmal das Evangelium gehört hast, dann bist du bereit das Opfer Jesu durch den Glauben zu erfahren. Du kannst dich entscheiden in diese Erfahrung einzutreten oder draußen zu bleiben. Wenn du eintrittst wird dein Glaube lebendig, wenn nicht, dann ist dein Glaube tot. Der, der Jesus nicht annimmt nachdem er das Evangelium gehört hat, der „sündigt mutwillig nachdem er die Erkenntnis der Wahrheit empfangen hat“, nicht der, der die Erlösung angenommen hat. Der Jesus angenommen hat, hat aufgehört zu sündigen, weil er neugeboren wurde aus dem unvergänglichen Samen Gottes und von seiner Stellung unter dem Gesetz befreit worden ist. Der Jesus nicht angenommen hat, „hat hinfort KEIN ANDERES Opfer für seine Sünden, weil er das Lamm verworfen hat, welches das einzige Opfer ist, das es im ganzen Universum gibt.

Das bedeutet aber nicht, dass du nur eine einzige Chance bekommst. Jesus wird weiterhin die Erkenntnis der Wahrheit auf verschiedenen Wegen an dich heranbringen solange du lebst, weil er will, „dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1.Tim. 2,4). Er wird dir immer und immer wieder die Gelegenheit geben ihn anzunehmen. Du kannst dich entscheiden ihn immer und immer wieder von dir zu weisen, mutwillig weiter zu sündigen und unter dem Gesetz zu bleiben.

Stell dir vor das Leben ist wie eine Fahrt auf der Autobahn. Das Endziel dieser Autobahn ist das Gericht und der ewige Tod. Du kannst auf einer Autobahn nicht einfach eine Kehrtwendung machen (dich Bekehren), denn es ist illegal. Du brauchst eine Ausfahrt. Jedes Mal, wenn du das Evangelium hörst, ist es so, als würde dir ein Schild den Hinweis geben, die nächste Ausfahrt zu nehmen (das ist der Punkt, wo du die Erkenntnis der Wahrheit bekommst bevor du gerettet wirst). Nimmst du die Ausfahrt, hast du die Entscheidung getroffen Christus anzunehmen und du hast dich bekehrt, weil dir die Ausfahrt die Kehrtwendung ermöglicht hat. Die Ausfahrt, die Christus darstellt, führt dich nun auf die Autobahn der Gerechtigkeit, die durch Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Das Opfer ist für dich bereits erbracht worden. Wenn du an den Ausfahrten stets vorbeifährst, fährst du mutwillig geradeaus in die Verdammnis. Das ist die Bedeutung von Hebräer 10,26.

Du bist frei, nun lebe auch FREI!