Seitdem ich ein Christ geworden bin, bin ich auf zwei geistliche Wahrheiten aufmerksam geworden, die wir erfahrungsgemäß nur sehr schwer im Kopf behalten. Sie scheinen sehr leicht in Vergessenheit zu geraten. Erstens, sich zu freuen, auch wenn man leidet. Und zweitens, sich bei zwischenmenschlichen Beziehungen in die Lage des Anderen zu versetzen.

Ich muss gestehen, dass ich beide dieser Wahrheiten zu wenig beachtet habe. Deshalb halte ich es für nötig, ständig an sie erinnert zu werden.

Das ist bei keinem anderen Christen anders.

Oft geraten wir in Situationen, in denen unsere christliche Erfahrung im Umgang mit anderen Menschen herausgefordert wird, ob wir es mit Christen oder Nichtchristen zu tun haben. Durch den Geist Christi in uns drängen uns unsere geistlichen Instinkte stets ganz natürlich dazu sie zu lieben… denn Gott ist Liebe. Aber wie sieht diese Liebe in dem Moment praktisch aus? Und woher wissen wir ob wir andere wirklich lieben?

Ich glaube sie sieht immer so aus: „Behandle andere so, wie du gerne von ihnen behandelt werden würdest, wenn du in ihrer Situation wärst.“

Um es mit den Worten unseres Herrn auszudrücken:

„Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.“ (Matth. 7,12)

Folglich, wenn du nicht willst, dass dir böse Absichten unterstellt werden, dann unterstelle auch du anderen keine bösen Absichten. Wenn du nicht gerichtet werden willst, dann richte auch du niemanden. Wenn du nicht willst, dass andere hinter deinem Rücken über dich tratschen, dann tratsche auch du nicht über andere hinter ihrem Rücken. Wenn du nicht persönlich angegriffen werden willst, dann greife auch du niemanden persönlich an.

Wenn du möchtest, dass andere nicht an deiner Ehrlichkeit zweifeln und nur Gutes über dich denken, dann zweifele auch du nicht an der Ehrlichkeit anderer und denke nur Gutes über sie. Wenn du von anderen mit Liebe und Verständnis behandelt werden willst, dann behandele auch du andere mit Liebe und Verständnis. Wenn du willst, dass dir andere vergeben, dann vergib auch du anderen usw.

Ich glaube, dass wir uns über Gottes Ansicht schnell im Klaren wären, wenn wir uns selbst diese einfache Frage vor ihm stellen würden: „Wie würde ich mir wünschen behandelt zu werden, wenn ich in dieser Situation wäre?“

Durch diese einfache Frage würden sich so viele unserer Gebete erübrigen, in denen wir „Gott suchen“ und ihn fragen: „Herr, wie soll ich mit diesem und jenem Menschen umgehen… wie denkst du über seine Situation?“

Aber hier kommt ein verrückter Gedanke: Was würde geschehen, wenn von heute an jeder Christ auf diesem Planeten seine Mitmenschen so behandeln würde, wie er selbst behandelt werden möchte? Was würde dies für die Gemeinde, für das Reich Gottes, für die Welt und für alle Nichtchristen bedeuten, die vom Christentum abgeneigt sind, weil sie sehen wie Christen einander behandeln? (Wie Gandhi einmal sagte: „Ich würde ja Christ werden, wenn es da nicht die Christen gäbe.“)

Denk einmal darüber nach.

Das wird jedoch mit Sicherheit nicht geschehen, bis Christus diese Welt von ihrem Kopfstand befreit und auf die Beine stellt. Aber jeder von uns kann den Herrn darum bitten dies in seinem eigenen Leben wahr zu machen… heute schon.

In Christus durch sein göttliches Leben zu leben offenbart sich so: Andere so zu behandeln, wie wir uns wünschen würden in derselben Situation von anderen behandelt zu werden. Denn so verhält sich göttliches Leben. Und die Natur des Lebens Gottes ist Liebe.

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