Wenn es um Glaubensangelegenheiten geht, dann sind die Pharisäer wahrscheinlich die letzte Gruppe von Menschen, an die wir denken würden. Sie waren der Inbegriff religiöser Gesetzlichkeit, und dennoch meine ich, dass jegliche Hingabe gegenüber etwas Religiösem ein bestimmtes Maß an Glauben erfordert.

Das hat mich dazu gebracht über die verschiedenen Arten von Glauben nachzudenken. Philemon 6 spricht von einem „wirksamen Glauben“, einem Glauben, der funktioniert. Wenn der Glaube demnach wirksam gemacht werden kann, dann ist es naheliegend, dass der Glaube auch unwirksam gemacht werden kann.

Ich denke, dass der Glaube der Pharisäer zu der zweiten Art, dem unwirksamen Glauben, gehört. Jeder weiß, woher der Glaube kommt. Gemäß Römer 10,17 kommt der Glaube aus der Predigt und das Predigen aus dem Wort Gottes.

Die Pharisäer waren Gelehrte des Wortes Gottes. Sie taten nichts anderes, als das Wort zu hören. Man sollte meinen, dass sie bei der Masse an Wissen aus dem Wort Gottes eine ganze Menge Glauben haben mussten. Doch irgendwie gelang es ihnen ihren Glauben unwirksam zu machen. Ich denke, dass viele Christen heute zwar nicht unbedingt Pharisäer sind, aber ihren Glauben genauso unwirksam machen, wie sie.

„Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeugt;“ (Joh. 5,39)

Die Pharisäer studierten das Wort Gottes täglich, wie es auch viele Christen heute tun, und empfingen dennoch kein Leben. Warum? Weil die Schrift, so überwältigend und großartig sie auch ist, lediglich über Jesus spricht. Jesus ist nicht die Schrift. Jesus ist nicht die Bibel. Jesus ist eine Person.

„aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet.“ (Joh. 5,40)

Jesus bezeugte ihnen hier, dass sie es viel lieber bevorzugten ihren Schriftrollen zu vertrauen, als die Person kennen zu lernen, von der ihre Schriftrollen zeugten. Das ist so als würde man viel lieber ein Kochbuch lesen, wenn man Hunger hat, als tatsächlich etwas zu essen. Es ist so, als würde man lieber ein Promi-Magazin lesen wollen, als seinen Lieblings-Promi persönlich zu treffen.

Viele weltliche Menschen sind Fans von Stars, über die sie zwar viel wissen, die sie aber persönlich nie kennen gelernt haben. Sie wissen wo sie wohnen, wie sie aussehen, wie alt sie sind, was sie mögen und was nicht, aber sie haben sie noch nie persönlich getroffen.

Dasselbe geschieht leider auch mit Jesus. Viele Menschen haben eine pharisäische Liebesbeziehung mit Papier und Tinte und können einem alles über Jesus erzählen: wie er aussieht, wie alt er ist, was er mag und was er nicht mag, wo er lebt und was er tut. Aber ich glaube, dass viele die Person übersehen haben, um die es in der Bibel geht.

Menschen gehen in ihre Kirchen und Gemeinden, singen Lieder, beten, lesen das Buch der Bücher und versuchen moralisch so richtig zu leben, wie nur möglich. Dagegen ist nicht viel einzuwenden, aber denk einmal nach: Auch die Pharisäer taten das alles. Sie gingen in ihre Synagogen, sangen Lieder, lasen die großen Schriftrollen und versuchten moralisch so richtig zu leben, wie nur möglich, und waren Jesus, der Quelle des Lebens, dennoch nicht begegnet. Sie hatten ihr ganzes Leben damit verbracht nach Leben zu suchen und erkannten ihn trotzdem nicht als er kam.

„Weh euch Schriftgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen und habt auch denen gewehrt, die hineinwollten.“ (Luk. 11,52)

Was ist dieser „Schlüssel der Erkenntnis“, den sie den Menschen wegnahmen? Sie zwangen den Menschen den Glauben auf, dass sie durch die richtigen Taten verändert, anstatt durch Veränderung die richtigen Taten tun würden.

„Sei heiliger, dann wirst du Jesus erkennen. Bete fünf Mal am Tag, um Jesus zu erkennen. Lies deine Bibel um Jesus zu erkennen. Tu dies nicht, sondern tu jenes.“ Wenn du glaubst, dass die Erkenntnis Jesu daraus resultiert, dass du bestimmte Dinge tust und andere meidest, dann hast du deinen Glauben unwirksam gemacht. Du hast einen pharisäischen Glauben. Anderen Menschen zu sagen, dass die mehr tun müssten um Jesus zu erkennen, bedeutet ihnen den Schlüssel zur Erkenntnis wegzunehmen.

Aber sei nicht entmutigt, in meinem nächsten Artikel werde ich darüber schreiben, wie wir diesen pharisäischen Glauben loswerden und den Schlüssel zur Erkenntnis wiedererlangen können.

Zusammenhängende Artikel: