Jeder Mensch, der auf diese Welt kommt, wird in Sünde geboren und ist gefallen und ungerecht (Röm. 3,10-23). Das ist die unumstößliche Realität, die uns im Wort Gottes klargemacht wird.

Gott hat aber nicht aufgehört uns zu lieben. Er ist uns vielmehr nachgegangen und hat uns mit seiner ewigen Liebe “verfolgt”. Unser Fall hat seine brennende Liebe zu uns nur noch stärker entfacht. Sieh dir das Evangelium des Paulus an:

Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Röm. 5,7-8)

…Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade noch viel mächtiger geworden, damit, wie die Sünde geherrscht hat zum Tode, so auch die Gnade herrsche durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unsern Herrn. (Röm. 5,20-21)

Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern. Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden. (Eph. 2,3-5)

Unser göttlicher Liebhaber ist uns trotz unseres gefallenen Zustandes nachgefolgt. Seine Liebe zog sich nie zurück, selbst als wir gegen ihn rebellierten. Er sah unsere Rebellion lange bevor wir auf die Welt kamen. Und sie brachte ihn nicht davon ab uns in Christus als sein Eigentum zu beanspruchen. Ganz im Gegenteil.

Halte einmal kurz inne und denk an den schlimmsten Tag deines Lebens zurück. An den Tag, als du etwas getan hast, was du später bitter bereut hast. Du kannst großen Trost in der Wahrheit finden, dass dein himmlischer Vater jenen schrecklichen Tag sah, als er dich vor aller Zeit in seinem eingeborenen Sohn erwählte. Er sah dich und mich, wie wir unsere bedauerlichsten Augenblicke durchlebten, als er uns in der ewigen Vergangenheit in Christus erwählte, um ein Teil seiner überaus geliebten Braut zu sein. Welch ein wundervoller Herr! Wenn das keine gute Nachricht ist, dann weiß ich auch nicht.

Der Herr Jesus Christus ist noch immer ein unermüdlicher Verfolger, und er ist dir und mir nach wie vor auf den Versen.

Von allen Jüngern Jesu, die mit Jesus zusammenlebten, scheint Johannes die engste Beziehung zu ihm gehabt zu haben. Johannes wird oft “der Apostel der Liebe” genannt. Der Grund? Vierzig Prozent aller Verse im Neuen Testament, in denen das Wort “Liebe” vorkommt, finden sich in den Briefen von Johannes. Hinzu kommt, dass er sich in seinem Evangelium fünfmal als “der Jünger, den Jesus lieb hatte” nennt (Joh. 13,23; 19,26; 20,2; 21,7.20 ).

Ich habe mich oft gefragt warum Johannes diese Vorrangstellung im Herzen des Herrn zu haben schien. Ich denke, dass die Antwort darauf in den Worten von Johannes selbst zu finden ist:

Was von Anfang war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir angeschaut und was unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens — und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns erschienen ist —, was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. (1.Joh. 1,1-3)

Und noch einmal:

Und wir haben die Liebe erkannt und geglaubt, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin ist die Liebe bei uns vollkommen geworden, daß wir Freimütigkeit haben am Tag des Gerichts, denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat mit Strafe zu tun; wer sich nun fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe. Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat. (1.Joh. 4,16-19)

Beachte die letzten Worte: “Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat”. Johannes war sich über die Liebe des Herrn zu ihm überaus deutlich bewusst. Er fühlte sie regelrecht in seinem Herzen. Dieses Bewusstsein war für Johannes dermaßen real, dass er empfand, dass Jesus ihn mehr liebte als alle anderen Jünger. Dies wiederum entfachte in seinem Herzen eine leidenschaftliche Liebe zum Herrn.

Als Ergebnis dessen war seine Hingabe zu Jesus unerschütterlich. Er war der einzige Jünger, der in den letzten Stunden Jesu bei ihm geblieben war. Die anderen Jünger waren weggerannt. (Die Jüngerinnen des Herrn blieben ebenfalls.) Wenn ich 1. Johannes 1,1-3 und 4,16-19 sinngemäß mit meinen eigenen Worten wiedergeben würde, dann würde ich es so ausdrücken:

Ich habe die Liebe Gottes in Jesus Christus gesehen, berührt und erlebt. Ich habe fast vier Jahre lang mit ihm zusammengelebt. Meine Erkenntnis von diesem Herrn der Herrlichkeit entspring meiner eigenen Erfahrung. Ich habe seine Liebe zu mir geschmeckt. Sie war bedingungslos und unbeirrbar. Ich wurde von ihr überflutet und verzehrt. Als Ergebnis dessen konnte ich der Lieblichkeit dieser herrlichen Person nicht widerstehen. Deshalb kann ich nicht anders, als ihn zu lieben. Er hat mein Herz gefangen genommen und mein ganzes Wesen erfüllt. Seine Liebe ist verzehrend und ich bin völlig von ihr umgeben und durchdrungen. Wenn es nach mir geht, bin ich der Liebling des Herrn. Er liebt mich mehr als irgend jemand anderes.

In dem ganzen Evangelium des Johannes finden wir Hinweise auf die unaufhaltsame Leidenschaft eines Gottes, der Liebeskummer hat. Wir sehen beispielsweise in Johannes 17,23 wie Jesus für alle betet, die an ihn glauben werden. In diesem Gebet trifft Jesus folgende bemerkenswerte Aussage: “Vater, du liebst sie genauso, wie du mich liebst.” Und in Johannes 15,9 spricht der Herr folgende fesselnden Worte: “Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch.”

Denk einmal über diese Frage nach: Wie hat der Vater Jesus geliebt? Die Antwort: mit vollkommener Liebe. Gab es Angst in dieser Liebe? Fürchtete sich Jesus vor dem Vater? Hatte er Angst vor ihm? Die Antwort darauf ist ein schallendes Nein.

Jesus Christus liebt seine Braut genauso, wie sein Vater ihn liebt. Es ist eine vollkommene Liebe, in der es keine Angst oder Furcht gibt.

Mein Herz leidet, wenn ich Christen treffe, die sich vor Gott fürchten. Wenn du sein Kind bist, gibt es keinen Grund dich vor deinem Herrn zu fürchten. Die “Furcht des Herrn”, um die es oft in der Bibel geht, ist keine Furcht im Sinne von Angst. Sie ist vielmehr eine heilige Verehrung (Ehrfurcht) Gottes und eine tiefe Bewunderung seiner Macht. Gottes geliebtes Volk verehrt ihn. Seine Kinder bewundern auch seine Macht. Seine Feinde hingegen fürchten sich vor ihm. Und seine Macht bereitet ihnen zurecht Schrecken.

Verwechsele diese beiden Gedanken nicht.

Tragischerweise gehen viele Gläubige ängstlich und beklommen mit Gott um. Er ist der große “Suppen-Tyrann” im Himmel. Wenn man die Bestellung nicht ordnungsgemäß macht, dann antwortet er einem kalt und knapp: “Keine Suppe für dich!”

Wenn du Gott so betrachtest, dann hast du den falschen erwischt.

Andere wiederum betrachten Gott als einen bärtigen alten Mann mit einer roten Mütze auf dem Kopf und und einem Sack voller Geschenke in seinen Händen, dessen Bauch wie Götterspeise wackelt, wenn er lacht. Das ist ein ebenso verzerrtes Bild.

Angst vor Gott ist lähmend. Sie verwandelt unseren mit Liebe erfüllten Herrn in einen fremden Außenseiter. Im Gegenteil, die Liebe des Herrn zu dir und zu mir ist eine vollkommene Liebe. Er liebt uns nicht weniger als der Vater seinen Sohn liebt. Er liebt uns mit einer unvergleichlichen Liebe, einer gewaltigen Leidenschaft und einer unbeugsamen und unauflöslichen Zuneigung.

Und die Liebe des Christus zu erkennen, die alle Erkenntnis übersteigt. (Eph. 3,19)

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