Christliche EinigkeitChristliche Einigkeit gehört stets zu den christlichen Dingen, die von größter Wichtigkeit sind. Doch während christliche Einigkeit an sich wichtig ist, ist es noch viel wichtiger zu wissen, was sie eigentlich ist. Etwas als christliche Einigkeit zu verkündigen und anzustreben, was nicht christliche Einigkeit ist, ist ein überaus gefährlicher Fehler und immenser Verlust. Dies ist sehr oft geschehen und geschieht auch jetzt als Teil bestimmter “Strömungen”, die von religiösen Gemeinschaften und Organisationen angetrieben werden.

Um christliche Einheit als das zu erkennen, was sie wirklich ist, ist es hilfreich zunächst zu verstehen, was sie nicht ist:

  1. Einigkeit in der Lehre und im Glauben, die in der gemeinsamen Übereinstimmung aller Gläubigen besteht, indem sie alle Lehrpunkte der lehrenden Gemeinde als von Jesus Christus offenbart oder bestätigt anerkennen und glauben.
  2. Einigkeit in der Regierung, die gemeinschaftliche Übereinstimmung hervorbringt und sich in der Unterwerfung aller Gläubigen gegenüber ihren zuständigen Bischöfen und ganz besonders gegenüber dem römischen Papst, dem Oberhaupt der Kirche, äußert.

Doch so römisch und falsch dies auch sein mag, wenn wir nur den Teil entfernen, der mit dem “römischen Papst” zu tun hat, dann erhalten wir eine recht treffende Beschreibung des Verständnisses einer jeden Glaubensgemeinschaft in der Welt, was christliche Einigkeit für sie bedeutet. Christliche Einigkeit ist jedoch etwas vollkommen anderes und steht um so viel höher über alledem, wie der Himmel höher ist als die Erde.

Einigkeit von Christen in der Lehre ist nicht christliche Einigkeit. Übereinstimmung von Christen in bestimmten Glaubensüberzeugungen ist nicht christliche Einigkeit. Übereinstimmung auf der Grundlage von Glaubensüberzeugungen, Lehren oder Prinzipien, ist keine christliche Einigkeit. Die Vereinigung von Christen in einer gemeinsamen Unterordnung gegenüber Anordnungen einer Kirchenorganisation oder Kirchenregierung ist keine christliche Einigkeit. Eine Zweckvereinigung von Christen um eine bestimmte Sache zu fördern, ist nicht christliche Einigkeit. Freie und brüderliche Gemeinschaft unter Christen ist nicht christliche Einigkeit.

Christen mögen alle diese Dinge haben – und viele haben sie auch – und trotzdem keine christliche Einigkeit untereinander besitzen. Christliche Einigkeit ist viel mehr und weitaus höher als irgend eine Vereinigung oder Gemeinschaft oder irgend ein Verband oder Rat (selbst aller Christen in der Welt) aus welchem Zweck, auf welcher Grundlage, in welcher Sache oder in der Unterornung gegenüber welcher Kirchenleitung auch immer. Und ihr Besitz ist so viel mehr Wert als der Besitz aller anderen Dinge zusammen.

Lass uns nun sehen, was christliche Einigkeit in ihrer reinen Wahrheit und  ihrem unvergleichbaren Wert wirklich ist, um sie dann in ihrer ganzen Fülle anzunehmen.

Die Gemeinde Gottes

Wenn wir beginnen die Gemeinde des lebendigen Gottes zu studieren, sollten wir zunächst ein für allemal eine wichtige Realität erkennen: den Platz des heiligen Geistes.

Am Anfang der Gründung der Gemeinde gemäß der neuen Ordnung der elf Apostel wurde  keinem von denen, die vom Herrn persönlich auserwählt, berufen, drei Jahre lang unterrichtet und hinausgesandt wurden um das Evangelium in der ganzen Welt zu predigen, erlaubt hinauszugehen oder zu predigen, bis sie durch die Taufe des heiligen Geistes die verheißene Kraft aus der Höhe empfingen. Sie mussten in Jerusalem bleiben und auf die Taufe warten.

Diese Taufe geschah am Pfingsttag. Der heilige Geist nahm seinen Platz ein, nämlich die allererste Stelle. Dann erst begannen sie zu predigen und das Werk verbreitete sich. Der heilige Geist verließ nie seine führende und leitende Position, sondern blieb immer an erster Stelle von allen, über allen, durch alle und in allen. Das ist Gottes Weg mit und in seiner Gemeinde, und es muss auch unser Weg sein.

Lass uns diesen Weg des Herrn in und mit seiner Gemeinde ein wenig verfolgen, bevor der Mensch die Stelle des Herrn an sich riss und menschliche Antriebskraft die Stelle des heiligen Geistes einnahm.

Das zweite Kapitel der Apostelgeschichte erzählt, wie der heilige Geist auf die Apostel herabkam. Die Predigt des Petrus erklärt, dass dies die Erfüllung der Prophetie in Joel war, dass Gott seinen Geist “auf alles Fleisch” ausgießen würde, und es war der Aufruf an alle Menschen Buße zu tun, “so werdet ihr die Gabe des heiligen Geistes empfangen”.

Das dritte und vierte Kapitel berichten von der Heilung des Gelähmten am Tor des Tempels, von der Predigt des Petrus an die Menge, die sich daraufhin versammelt hatte und von der Gefangennahme von Petrus und Johannes durch die Priester, den Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer des Sanhedrin; von der Anhörung vor dem Hohen Rat am darauf folgenden Tag, wo ihnen “Petrus, voll des heiligen Geistes” antwortete; und davon, dass sie freigelassen wurden und zu ihren Brüdern gingen, wo sie alle einmütig beteten, und “sie wurden alle vom heiligen Geist erfüllt”.

Das fünfte Kapitel erzählt davon, wie Hananias und Saphira über den Verkauf ihres Gutes “den heiligen Geist belogen” und “den Geist des Herrn” versuchten. Die Konsequenzen dessen waren unmittelbar und schrecklich.

Dann wurden die Apostel vom Hohenpriester und dem Hohen Rat gefangengenommen und erneut eingesperrt. “Aber der Engel des Herrn tat in der Nacht die Türen des Gefängnisses auf und führte sie heraus und sprach: Geht hin und tretet im Tempel auf und redet zum Volk alle Worte des Lebens.” Erneut wurden sie gefangengenommen und vor den Hohen Rat “und alle Ältesten der Kinder Israel” gestellt, wo Petrus “und die anderen Apostel” wieder das Evangelium predigten und erklärten: “Und wir sind Zeugen dieses Geschehens und mit uns der Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen.”

Das sechste und siebte Kapitel berichten uns von der Auserwählung von Männern “voll heiligen Geistes und Weisheit”, die sich um den Dienst der täglichen Versorgung kümmern sollten; und von Stephanus, einem “Mann voll Glaubens und heiligen Geistes”, der vor dem Hohen Rat sprach und dessen Angesicht “wie eines Engels Angesicht” leuchtete; Stephanus, “voll Heiligen Geistes, sah auf zum Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus stehen zur Rechten Gottes”.

Das achte Kapitel berichtet von der Verkündigung des Philippus in Samarien und wie die Menschen dort “den heiligen Geist” empfingen und wie der “Engel des Herrn” Philippus aus Samarien zur Straße sendet, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt; dort angekommen trifft Philippus einen Menschen, der in einem Wagen reist und die Stelle in der Jesajarolle liest, die heute das 53. Kapitel ist. “Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen!” Das tat Philippus auch und predigte dem Mann Jesus aus eben dieser Schriftstelle; er glaubte, wurde getauft und “zog seine Straße fröhlich”. Währenddessen “entrückte der Geist des Herrn den Philippus und der Kämmerer sah ihn nicht mehr”.

Das neunte Kapitel spricht darüber, wie der tobende Saulus Jesus in Person begegnet und sich bekehrt und wie er “mit dem heiligen Geist erfüllt” wird als Hananias ihm die Hände auflegt, welcher durch eine Erscheinung vom Herrn Jesus aus diesem Grund zu Saulus geschickt wurde. Wir lesen hier auch wie “die Gemeinden in der Furcht des Herrn” lebten und “durch den Trost des heiligen Geistes” wuchsen. Auch wird die Tabita von den Toten auferweckt.

Das zehnte Kapitel spricht davon, wie “ein Engel Gottes” in einer Erscheinung zu Kornelius spricht, dass er Männer nach Joppe senden soll um Petrus zu sich zu rufen. Dann hat Petrus eine Erscheinung, wo ihm gesagt wird, dass er sich auf die ankommenden Männer vorbereiten soll. Der Geist sagt Petrus, dass die Männer nach ihm suchen und er mit ihnen gehen soll. So geht er mit ihnen und predigt im Haus des Kornelius und “der heilige Geist fiel auf alle, die dem Wort zuhörten”.

Das elfte Kapitel berichtet darüber, wie Petrus den pharisäischen Gläubigen in Jerusalem von seiner Erfahrung erzählt, die sich mit ihm darüber streiten, was er getan hatte. Dann wird den Heiden in Antiochia das Evangelium gepredigt, und Barnabas wird dorthin geschickt, “denn er war ein guter Mann, erfüllt mit heiligem Geist und Glauben”.

Das zwölfte Kapitel ist die Geschichte über die Befreiung des Petrus aus dem Gefängnis durch den Engel des Herrn. Und Herodes wird vom Engel des Herrn geschlagen und stirbt.

Das dreizehnte und vierzehnte Kapitel erzählen davon, wie “der heilige Geist” zu der Gemeinde in Antiochia spricht: “Sondert mir Barnabas und Saulus zum Werk aus, zu dem ich sie berufen habe.” Dann, “ausgesandt vom heiligen Geist” begegnen sie Elymas, dem Zauberer, der ihnen widersteht. Saulus aber “erfüllt mit dem heiligen Geist” bedroht ihn. Dann predigen sie das Evangelium in Antiochia in Pisidien und die Jünger “wurden erfüllt mit Freude und heiligem Geist”.

Das fünfzehnte Kapitel handelt von dem Beschluss des heiligen Geistes bezüglich der Beschneidung und dem Halten des Gesetzes zur Erlösung und von dem Brief, in dem die Apostel schreiben: “Denn es hat dem heiligen Geist und uns wohlgefallen…”

Das sechzehnte Kapitel berichtet uns, wie Paulus, einem Apostel, und Silas, einem Propheten “vom heiligen Geist verwehrt wurde, das Wort in Asien zu predigen”, und als sie daraufhin versuchten nach Bithynien zu reisen, “erlaubte es ihnen der Geist nicht”. So reisten sie weiter und gelangten nach Troas, wo Paulus in der Nacht eine Vision hatte von einem Mann aus Mazedonien, der sie dort hinüber rief. Die Kapitel siebzehn und achtzehn handeln nun von ihrer Erfahrung dort und in Griechenland.

Kapitel neunzehn spricht davon, wie Paulus in Ephesus “einige Jünger” fand, die er fragte: “Habt ihr den heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet?” Sie antworteten: “Wir haben nicht einmal gehört, dass es einen heiligen Geist gibt.” “Worauf seid ihr denn getauft?” “Auf die Taufe des Johannes.” Dann predigte ihnen Paulus Christus und “sie wurden auf den Namen des Herrn Jesus getauft. Und als Paulus die Hände auf sie legte, kam der heilige Geist auf sie, und sie redeten in Sprachen und weissagten.”

Im zwanzigsten Kapitel ist Paulus auf dem Weg nach Jerusalem und ruft die Ältesten der Gemeinde in Ephesus ihn in Milet zu treffen. In seinen Worten an sie sagt er: “der heilige Geist bezeugt mir in allen Städten und sagt, dass Fesseln und Trübsale auf mich warten.” Und: “So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in der euch der heilige Geist zu Leitern eingesetzt hat, um die Gemeinde Gottes zu weiden.”

Im einundzwanzigsten Kapitel, wo Paulus nach Tyrus kam, sagten ihm die Jünger dort “durch den Geist, er solle nicht nach Jerusalem hinaufziehen”. Und als er nach Cäsarea kam, traf ihn der Prophet Agabus “nahm den Gürtel des Paulus, band sich die Hände und Füße und sagte: So sagt der heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Nationen übergeben.” Paulus ging aber weiter nach Jerusalem.

Und ab dem einundzwanzigsten Kapitel bis zum Ende der Apostelgeschichte finden wir eine Reihe der erstaunlichsten Ereignisse der unmittelbaren Vorsehung und des direkten Wirkens Gottes, die es jemals in der Welt gab. Und die letzten Worte des Paulus in diesem Buch beginnen mit dem großen Charaktermerkmal des Mannes und des Buches: “Passend hat der heilige Geist durch den Propheten Jesaja geredet…” usw.

Von diesem bloßen Abriss des Buches der Apostelgeschichte wird deutlich sichtbar, dass in diesem ganzen Buch eine Tatsache sich klar von allen anderen Dingen abhebt: Der heilige Geist war damals die große regierende, herrschende und führende Kraft in der Gemeinde.

Ebenso deutlich geht aus dem ganzen Buch die dazugehörige Wahrheit hervor, dass die Christen jener Zeit diese Herrschaft und Führung des heiligen Geistes stets anerkannten und sich ihr gerne hingaben. Überall wurde anerkannt, dass Gottes Geist an erster Stelle steht. Er wurde in allem zuerst berücksichtigt und war stets der Erste. Hätten sie das nicht getan, dann würden die Aufzeichnungen ganz anders lauten, weil ihre Erfahrung nicht dieselbe gewesen wäre.

Wenn Christen heute die Herrschaft, Regierung und Führung des heiligen Geistes in ihnen, über sie und über die Gemeinde genauso anerkennen und sich ihm hingeben, dann wird die Erfahrung individueller Christen und der Gemeinde sich wieder als das erweisen, was sie zu Beginn war; denn Christus ist derselbe gestern, heute und in alle Ewigkeit.

Das allein ist der rechtmäßige Platz des heiligen Geistes sowohl in den individuellen Gläubigen als auch in der Gemeinde. Christus braucht nur, dass Christen ihm diesen Platz überlassen und ihn auf diesem Platz erkennen, damit er sich erneut als der beweisen kann, der er schon immer war auf dem Platz, der ausschließlich ihm gebührt.

So ist in allen Angelegenheiten der Gemeinde und für die Gemeinde und in der Gemeinde der Platz des heiligen Geistes der erste Platz. Kein Schritt kann unternommen werden und nichts kann in der richtigen Weise bewirkt werden, bis der heilige Geist seinen rechtmäßigen Platz erhält.

~ Alonzo Trevier Jones