Die kritische Frage lautet zunächst einmal: Was ist Sünde? Danach: Was ist die Wahre Natur der Sünde? Ich bin überzeugt, dass diese Fragen das Fundament vieler unserer Ideen und Vorstellungen prägen und unser Verständnis der Wahrheiten über Gerechtigkeit und Gesetz stark beeinflussen.

Die Bibel beschreibt Sünde auf zwei unterschiedliche Arten. Erstens als Übertretung des Gesetzes und zweitens als eine regierende Kraft, die das Leben des fleischlich gesinnten Menschen beherrscht.

  1. Wer Sünde tut, der übertritt auch das Gesetz, denn Sünde ist die Gesetzesübertretung. (1.Joh. 3,4)
  2. So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. (Röm. 7,17)

Nun müssen wir uns entscheinden, welche dieser beiden Definitionen uns ein vollkommeneres Bild über Sünde gibt und uns mehr dabei hilft das Problem des Menschen zu verstehen.

Die erste Definition von Sünde als “Übertretung des Gesetzes” stellt unsere Taten als das Problem dar. Wenn mein Problem das ist, was ich tue, dann ist die Lösung offensichtlich, dass ich anfange etwas anderes zu tun. Dies legt den Schwerpunkt auf Taten und die Werke des Gesetzes. Hinzu kommt, wenn ich das als mein Problem ansehe, was ich tue, dass Gott mich folglich gemäß meiner Taten verurteilt und für die Dinge bestraft, die ich tue. Bei diesem Verständnis stellt das Gesetz die höchste Instanz dar und es dreht sich auch alles um das Gesetz. Es definiert, unterweist, verurteilt, beherrscht und kontrolliert den Menschen.

Die zweite Definition von Sünde als eine negative Kraft im fleischlich gesinnten Menschen konzentriert sich darauf, was wir sind, anstatt darauf, was wir tun. Der Apostel Paulus drückt die wahre Natur der Sünde und das Problem des Menschen in Römer 7 aus. Dort zeigt er auf, dass das Gesetz das Problem des Menschen niemals lösen kann, weil sein Problem darin besteht, dass die Sünde in ihm wohnt. Bei diesem Verständnis kann Gott den Menschen nicht dafür verurteilen, was er tut. Vielmehr verurteilt ihn seine eigene fleischliche Gesinnung und macht ihn untauglich fürs ewige Leben. Das Gesetz offenbart, dass der Mensch nicht in Harmonie mit Gott ist. Aber sein Problem ist nicht das Gesetz, sondern seine Natur. Er befindet sich in einem Zustand, wo er von Gott getrennt ist. Und das ist es, was angesprochen werden muss. Es geht nicht mehr um das geschriebene Gesetz, sondern um das Gesetz des Lebens, welches dem Menschen vermittelt werden muss. Das ist es, was den Menschen regieren muss, wenn das Problem der Sünde jemals gelöst werden soll.

Das geschrieben Gesetz verurteilt den Menschen, verdammt ihn jedoch nicht, weil er sich schlecht benimmt. Der Mensch wird verdammt, weil er Christus nicht angenommen hat. Das geschriebene Gesetz ist lediglich ein Maßstab, das im Gericht dazu verwendet wird um aufzuzeigen, dass der jeweilige Mensch Christus nie wirklich angenommen hat. Es geht also nicht um das Gesetz, wenn wir von dem wahren Problem des Menschen sprechen. Es ging nie um das Gesetz und es wird auch nie um das Gesetz gehen!

Unter dem alten Bund hingegen ging es nur um das Gesetz. Auf Befehl war der Mensch gezwungen dem Gesetz zu gehorchen. Wenn er gehorsam war, wurde er mit einem langen Leben und Sieg über seine Feinde belohnt. Wenn er ungehorsam war, wurde er bestraft und erlitt alles mögliche an unglücklichen Dingen. Unter dem Gesetz ging es um äußerliches Benehmen. Es war egal, wie es im Herzen des Menschen aussah, solange er dem Gesetz gehorchte. Das war der alte Bund. In der Zeit des neuen Bundes hingegen, sind wir dazu berufen zu begreifen worum es wirklich geht: Es geht nicht darum, was wir tun, sondern was wir sind! Das ist es, was uns dazu bringt uns zu Christus zu wenden: die Erkenntnis, dass wir ein Problem haben, das durch eine Veränderung des äußerlichen Verhaltens nicht gelöst werden kann! Das Gesetz hilft uns dabei dieses Problem zu erkennen, aber das wars dann auch schon, was seinen Zweck anbelangt. Darüber hinaus kann es uns mit nichts anderem dienen. Nun muss Christus die Kontrolle übernehmen, und das Gesetz muss hinter uns gelassen werden. Von nun an kann es nur noch eines tun: Es bezeugt ob unsere Erfahrung in Christus echt ist.