Immer wieder wird das Argument aufgebracht, dass der Alte und der Neue Bund nicht zwei unterschiedliche und chronologisch aufeinander folgende Erfahrungen in der Geschichte dieser Welt seien, sondern vielmehr zur persönlichen Lebenserfahrung eines Menschen gehörten. Es wird gesagt, dass man dann unter dem Gesetz sei, wenn man sich außerhalb von Christus befände, weil einen das Gesetz dann verurteile. Wenn man aber in Christus sei, dann wäre man vom Gesetz befreit. Einige argumentieren, dass diese Ansicht die absolute Wahrheit sei, weil sie von niemand Geringerem  als E. J. Waggoner und Ellen White unterstützt würde. Ich bin mir nicht sicher, was Ellen White diesbezüglich glaubte. Ehrlich gesagt, habe ich nie die Zeit dafür gefunden es auszuforschen, weil ich glaube, dass die Bibel klar genug ist, aber ich weiß, dass es das ist, was Waggoner glaubte.

Ich glaube, dass diese Ansicht völlig unbiblisch ist und dass man sie in keinster Weise mit der Bibel aufrechterhalten kann. Die einfache Wahrheit ist, dass Waggoner einen großen Fehler beging. Er besaß zwar ein recht gutes Verständnis, konnte aber einige Dinge nicht klar sehen. In der Bibel gibt es sogenannte Dispensationen, also  Zeitabschnitte, in denen Gott mit den Menschen auf eine bestimmte Art und Weise umging. Da ist nichts Falsches oder Unbiblisches daran. Würden wir glauben, dass es Dispensationen bezüglich der METHODE Gottes zur Erlösung des Menschen gäbe, dann wäre es falsch. Doch die Vorstellung, dass Gott die Menschen auf unterschiedliche Art und Weise geführt, regiert und gelehrt hat, kann selbst von dem oberflächlichsten Bibelleser nicht geleugnet werden.

In diesem Artikel untersuchen wir die Lehren des Apostels Paulus in Galater Kap. 3 und 4. Das soll denen, die an einer ehrlichen und unvoreingenommenen Untersuchung dieses Themas interessiert sind, als Studium dienen. Ich hoffe, dass diese Beschreibung auf alle Leser dieses Artikels zutrifft.

Eine Gegenüberstellung der Verheissung
und des Gesetzes in Galater 3 und 4

Die Schrift aber hat es vorausgesehen, dass Gott die Heiden durch den Glauben gerecht macht. Darum verkündigte sie dem Abraham: In dir sollen alle Heiden gesegnet werden. (Gal. 3,8)

Die Schrift hat es vorausgesehen. Voraussehen hat mit etwas in der Zukunft zu tun, also mit Zeit. Wer diese “Heiden” auch waren,  sie waren noch nicht durch den Glauben gerecht gemacht. Aber sie würden es zu einem zukünftigen Zeitpunkt, den die Schrift voraussah. Es war Gottes Plan, dies in Abraham zu erfüllen, oder besser gesagt, in Abrahams Samen (Christus). Beachte, dies war ein zukünftiges Ereignis.

Nun ist die Verheißung Abraham zugesagt und seinem Samen. Es heißt nicht: und den Samen, als gälte es vielen, sondern es gilt einem: “und deinem Samen”, welcher ist Christus. Ich meine aber dies: Das Testament, das von Gott zuvor bestätigt worden ist, wird nicht aufgehoben durch das Gesetz, das vierhundertdreißig Jahre danach gegeben worden ist, sodass die Verheißung zunichte würde. (Gal. 3,16-17)

Die Verheißung handelte von Jesus Christus, dem Samen. Als diese Prophetie ausgesprochen wurde, war sie noch keine Wirklichkeit sondern nur eine Verheißung. Sie deutete auf etwas Zukünftiges, das sich zu einem bestimmten Zeitpunkt erfüllen sollte. Wir sehen deutlich, dass die Bibel betont, dass sich Gottes Pläne auf einer Zeitlinie entlang bewegen und auf eine bestimmte ZEIT zusteuern.

Diese Verheißung wird als ein Bund behandelt, etwas, das einer Bestätigung oder Ratifizierung bedarf. Wir könnten es heute mit einem Dokument vergleichen, das von einem Notar beglaubigt wird. Beachte, dass dieser Bund bereits bestätigt worden ist, wodurch seine Erfüllung zur absoluten Gewissheit wurde. Wir finden, wie dieser Bund in Hebräer 6,13-18 mit einem Eid bestätigt wird, indem sich Gott VERBÜRGT.

“Denn als Gott dem Abraham die Verheißung gab, schwor er bei sich selbst, da er bei keinem Größeren schwören konnte, (14) und sprach: »Wahrlich, ich will dich segnen und mehren.« (15) Und so wartete Abraham in Geduld und erlangte die Verheißung. (16) Die Menschen schwören ja bei einem Größeren, als sie selbst sind; und der Eid dient ihnen zur Bekräftigung und macht aller Widerrede ein Ende. (17) Darum hat Gott, als er den Erben der Verheißung noch kräftiger beweisen wollte, dass sein Ratschluss nicht wankt, sich noch mit einem Eid verbürgt. (18) So sollten wir durch zwei Zusagen, die nicht wanken – denn es ist unmöglich, dass Gott lügt -, einen starken Trost haben, die wir unsre Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung.” (Hebr. 6,13-18)

Das Gesetz wurde erst vierhundertdreißig (430) Jahre nachdem Abraham die Verheißung empfing, eingesetzt. Welches Ereignis fand 430 Jahre nach der Verheißung statt? Am Berg Sinai wurde Mose und den Israeliten das Gesetz gegeben. Beachten wir noch einmal, dass wir es mit Ereignissen auf einer Zeitlinie zu tun haben. Zuerst wurde Abraham die Verheißung gegeben, dann wurde sie durch Gottes Bürgschaft bestätigt und erst vierhundertdreißig Jahre danach wurde das Gesetz gegeben.

Als das Gesetz kam, konnte es nicht die Verheißung zunichte machen und ihr auch nichts hinzufügen. Die Verheißung, die Welt zu segnen, sollte im Samen ihre Erfüllung finden und nichts konnte diese Tatsache verändern. Das Gesetz wurde also nicht gegeben um die Welt zu segnen, sondern aus einem anderen Grund. Die Segnung der Welt sollte ausschließlich im Samen geschehen.

In diesem Kapitel werden zwei Dinge gegenübergestellt, die wir nicht übersehen sollten: Christus (der Same) im Gegensatz zum Gesetz. Aber warum zeigte Paulus diesen Gegensatz eigentlich auf und betonte ihn so stark? Der Grund dafür ist, dass sich die Galater im Gesetz verfangen hatten. Sie glaubten, sie müssten zum System des Gesetzes zurückkehren, obwohl sie Christus bereits hatten. Paulus zeigte ihnen den Zweck des Gesetzes im Kontrast zum Zweck Christi auf, damit sie klar erkennen konnten, was sie wirklich brauchten und was nicht.

Denn wenn das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben; Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt. (Gal. 3,18)

Das verheißene Erbe sollte nicht durch das Gesetz verwirklicht werden. Es sollte stattdessen durch die Verheißung des Samens in Erfüllung gehen.

Was soll dann das Gesetz? Es ist hinzugekommen um der Sünden willen, bis der Same da sei, dem die Verheißung gilt, und zwar ist es von Engeln verordnet durch die Hand eines Mittlers. (Gal. 3,19)

Da kommt ganz natürlich die Frage auf, die Paulus für uns stellt. Wenn das Gesetz nicht den verheißenen Segen herbeiführt, uns das Erbe nicht geben kann und der Verheißung auch nichts hinzuzufügen hat, warum hat  Gott es dann überhaupt gegeben? Wenn das Gesetz das Erbe weder hervorbringen noch ihm etwas hinzufügen kann, wozu hat Gott dann Zeit damit vergeudet es  zu geben?

Die Antwort ist, es wurde hinzugefügt (zu Gottes Zeitlinie, zu seinem Plan für sein Volk), weil die Sünde überhand nahm,  während Gottes Volk auf den verheißenen Samen wartete. Die fleischliche Gesinnung und die verdorbenen Lebensumstände, die sie in Ägypten erleben mussten, hatten das bekennende Volk Gottes unfähig gemacht sich selbst zu regieren. Sie brauchten eine strenge Herrschaft und eine feste Hand um sie zu leiten. Aber beachten wir, dass das Gesetz eine Hinzufügung war. Es sollte das Volk nur regieren und kontrollieren, BIS zur Ankunft des verheißenen Samens.

Mit dem Kommen des Samens (Christus) sollte Gottes perfekter Plan zur Regierung des Menschen aufgerichtet werden. Dieser Plan ist der innewohnende Geist, “Christus in euch”, das Leben Gottes im Gläubigen. Das ist die perfekte Regierung – das ist Vollkommenheit. Bis dahin musste Gottes Volk jedoch auf eine Art und Weise regiert werden, damit die Tendenz der Menschen zu sündigen begrenzt werden konnte. Das ist der Grund dafür, warum das Gesetz zum Plan Gottes hinzugefügt wurde. Es wurde von Gott als eine Notlösung eingesetzt, die bis zum Kommen des Samens währen sollte – jedoch nur bis der Same kommen und Gottes ewigen Plan erfüllen würde.

Unglaublich, dass E. J. Waggoner dieses Kommen des Samens als die Wiederkunft (2. Kommen) Christi ausgelegt hat. So unglaublich es auch klingen mag, war es eine Notwendigkeit in seinem Verständnis, weil er nicht glaubte, dass der alte und der neue Bund zeitlich aufeinander folgende Ereignisse darstellen. Hätte er zugegeben, dass sich das Kommen des Samens auf das erste Kommen Jesu zur Erde bezog, dann hätte er auch zugeben müssen, dass die Herrschaft des Gesetzes lediglich für einen begrenzten Zeitabschnitt existieren konnte. Er wäre gezwungen gewesen zu akzeptieren, dass es tatsächlich zwei Dispensationen gibt:

  1. den Zeitabschnitt des Gesetzes (der alte Bund) und
  2. das Zeitalter des Reiches Gottes (der neue Bund).

Um dieser soliden biblischen Wahrheit auszuweichen, leugnete er, dass sich das Kommen des Samens auf die erste Ankunft Jesu auf diese Erde als der Same Marias bezieht. Erstaunlich! Was aber noch erstaunlicher ist, ist die Tatsache, dass heute so viele dieser falschen Lehre völlig auf den Leim gegangen sind! Eine weitere Irrlehre, die aus dieser falschen Auffassung entsteht, ist, dass Waggoner Christus nicht als die Erfüllung der Verheißung ansah. Natürlich nicht. Denn dann hätte er eingestehen müssen, dass sich die Verheißung mit dem ersten Kommen Christi erfüllt hat. Stattdessen betrachtete er die Ererbung der neuen Erde als die Erfüllung der Verheißung. Gemäß seines Denkens und seiner Lehre haben wir den Segen, der Abraham verheißen war, noch nicht erlangt. Dazu kann ich nur eins sagen: “Ich bin sprachlos!!”

Wie? Ist dann das Gesetz gegen Gottes Verheißungen? Das sei ferne! Denn nur, wenn ein Gesetz gegeben wäre, das lebendig machen könnte, käme die Gerechtigkeit wirklich aus dem Gesetz. (Gal. 3,21)

Die Frage ist, ob dies bedeutet, dass es einen Konflikt zwischen der Verheißung (im Samen) und dem Gesetz (das am Berg Sinai hinzugefügt wurde) gibt. Da die Verheißung des Segens allein im Samen zu finden ist und das Gesetz dem Samen nichts hinzufügen oder ihn gar ersetzen konnte, gibt es dann einen Konflikt zwischen den beiden?

Nein, es gibt keinen Konflikt. Aber der Zweck des Gesetzes war nicht Leben zu geben. Es sollte nicht das vollbringen, was allein der Same konnte. Das muss verstanden werden. Es diente vielmehr einem anderen Zweck. Leben gibt es nur im Samen. Es ging darum, dass der Mensch Leben erhält. Dies war nur im Samen möglich und niemals durch das Gesetz.

Aber die Schrift hat alles eingeschlossen unter die Sünde, damit die Verheißung durch den Glauben an Jesus Christus gegeben würde denen, die glauben. (Gal. 3,22)

Das Ziel der Verheißung war Jesus Christus (der Same), in dem der Mensch Leben erhalten sollte. Dieses Geschenk erhalten alle, die da glauben – nicht solche, die das Gesetz halten.

Ehe aber der Glaube kam, waren wir unter dem Gesetz verwahrt und verschlossen auf den Glauben hin, der dann offenbart werden sollte. (Gal. 3,23)

Bevor das Ziel des Glaubens zur Wirklichkeit wurde (bevor Christus kam), wurden wir unter dem Gesetz verwahrt, d.h. wir wurden vom Gesetzessystem kontrolliert und regiert. Das Objekt unseres Glaubens (Jesus Christus, der Same) war noch nicht realisiert und war deshalb noch keine Wirklichkeit. Wenn wir den Gedanken des Apostels Paulus bis hierher verfolgt haben, dann können wir ohne Zweifel sehen, dass wir es hier mit einer Zeitlinie zu tun haben. Die Bedeutung des Verses wird nun klar. Bevor Christus kam waren wir unter dem Gesetz (d.h. vom Gesetz regiert) und hatten in diesem Zustand keinen Zugang zum Glauben, “der dann offenbart werden sollte” (nachdem Christus zur Erde kam).

So ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerecht würden. (Gal. 3,24)

Der Zweck des Gesetzes wird offenbart. Er spricht immer noch von demselben Gesetz, das hinzugefügt wurde, bis der Same kommen sollte (Vers 19). Es war ein Zuchtmeister, ein Hirte, ein Regent, der uns beschützen, züchtigen, erziehen, aufmerksam machen und konzentriert halten sollte, bis der Gegenstand unseres Glaubens zur Wirklichkeit wurde – bis Christus kam und wir ihn empfingen. Das geschah 31 n.Chr., als Christus auf Golgatha sein Leben für die Menschen gab und es zu Pfingsten auf seine Gemeinde ausgoss. Das ist der Grund dafür, warum das Gesetz gegeben bzw. hinzugefügt wurde. Es war ein Zuchtmeister, der uns zu Christus, dem Samen, führen sollte.

Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. (Gal. 3,25)

Das Kommen des Glaubens ist gleichbedeutend mit dem Kommen des Samens. Es ist die Ankunft Christi und die Erfüllung unseres Glaubens. Der Vers meint nicht, dass der Glaube zu jedem individuellen Menschen gekommen ist, sondern spricht vielmehr davon, dass der GEGENSTAND des Glaubens für das Volk Gottes erschienen ist.

Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. (27) Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. (28) Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. (29) Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Same und nach der Verheißung Erben. (Gal. 3,26-29)

Wir sehen also, dass die Verheißung, die Gott Abraham gegeben hatte, dass er alle Menschen in seinem Samen segnen würde, sich in Christus erfüllt hat. Indem wir Christus empfangen, sind wir alle (Heiden und Juden) zu Erben der Verheißung geworden. Wir haben den Segen in Christus erhalten und nicht im Gesetz. Wir sind Erben der Verheißung.

Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, ist zwischen ihm und einem Knecht kein Unterschied, obwohl er Herr ist über alle Güter; sondern er untersteht Vormündern und Pflegern bis zu der Zeit, die der Vater bestimmt hat. (Gal. 4,1-2)

Hier wird ein grundsätzliches Prinzip über “Erben” aufgezeigt. Solange sie Kinder sind, besteht zwischen ihnen und Knechten kein Unterschied. Sie befinden sich unter den Regeln und der Autorität anderer Personen, obwohl sie eines Tages über alles verfügen werden. Ihr Kindesalter  (ihre Unmündigkeit) macht eine strenge Kontrolle notwendig.

Diese Kontrolle soll jedoch nur für eine bestimmte Zeit währen.

So auch wir: Als wir unmündig waren, waren wir in der Knechtschaft der Mächte der Welt. (Gal. 4,3)

Paulus erklärt die Bedeutung seiner Veranschaulichung. Er spricht von uns, dem Volk Gottes. Er führt hier in Kapitel 4 sein Argument aus Kapitel 3 fort. Als Kinder Gottes und Erben der Verheißung wurden wir für eine bestimmte Zeit Vormündern und Lehrern unterstellt. Und hier sehen wir wieder, wie Paulus von der Erfahrung des Volkes Gottes auf einer Zeitlinie spricht. Zu einer bestimmten Zeit waren wir geistlich gesehen Kinder und befanden uns damals in Knechtschaft.

In welchem Sinne waren wir “in Knechtschaft”? Indem wir unter der Kontrolle von Vormündern und Pflegern waren, die unser Leben bestimmten. Sie sagten uns, was wir zu tun und zu lassen hatten, und wir hatten keine Wahl sondern waren verpflichtet zu gehorchen. So werden Knechte oder Sklaven behandelt. Warum wurden wir als Gottes Volk so behandelt? Weil wir geistlich betrachtet Kinder waren. Wir waren unter den “Mächten der Welt”. Paulus bezeichnet das Gesetz als “Mächte der Welt”, weil es nur mit dieser Welt zu tun hat. Jeder Aspekt seiner Regierung hatte nur mit dem temporären Leben und seinen Praktiken zu tun.

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, (Gal. 4,4)

Hier ist die Rede von Zeit – von erfüllter Zeit. Welche Zeit? Die Zeit, die “vom Vater bestimmt” war. Die Zeit, die für das Kommen des Samens und für das Ende der Herrschaft des Gesetzes bestimmt war.

Zu dieser Zeit sandte Gott seinen Sohn, und er wurde “unter das Gesetz” getan. Er kam unter die Befehlsgewalt der Vormünder und Pfleger, nämlich unter die Mächte der Welt. Es war seine Pflicht die Riten des Gesetzes zu befolgen, weil das Gesetz währen sollte “bis der Same da sei”. Es würde eine Zeit kommen, in der Gott sein Volk nicht mehr auf diesem Wege regieren würde. Wenn Gottes Volk diese Wahrheit endlich verstehen wird, wird es die Verwirrung, die heute existiert, nicht mehr geben, wo viele versuchen eine Mischmasch-Religion zu produzieren, indem sie das Gesetz mit Christus vermischen. Aber der Same hatte sein Werk noch nicht erfüllt, und das Gesetz sollte währen, bis Jesus starb und seinen Forderungen vollkommen Genüge tat.

damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen. (Gal. 4,5)

Seine Mission war es, die zu erlösen, die unter dem Gesetz waren. Als das Gesetz 430 Jahre nach der Verheißung zu derselben hinzugefügt wurde, war Gottes Volk unter das Gesetz getan worden, d.h. unter die Regierung oder Verwaltung des Gesetzes. Sie waren unter der Regierung und dem Lehramt des Gesetzes, damit es für sie als Zuchtmeister, Lehrer und Hirte fungieren konnte, um sie zu Christus zu bringen. Es sollte sie bis zum Kommen des Samens schützen und bewahren.

Während dieser Zeit wurden sie wie Knechte (oder Sklaven) behandelt, in dem Sinne, dass sie keine Kontrolle über ihr eigenes Verhalten hatten. Das Gesetz war ein strenger Diktator und sehr strikter Herrscher.

Doch nun war Jesus gekommen um sie von dieser Art der Regierung zu befreien. Nun eröffnete er ihnen den Weg zu einem Lebensstil von Söhnen anstelle von Knechten. Der Sohn besitzt das Leben des Vaters, der Knecht hingegen nur seine Regeln und Anweisungen.

Weil ihr nun Söhne seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! (Gal. 4,6)

Wir sind Söhne, weil der Geist Gottes in unseren Herzen das wahrhaftige Leben Gottes ist. Wir besitzen ein inneres Empfinden, wodurch wir fühlen, dass Gott unser Vater ist (und nicht lediglich unser Herr oder Gesetzgeber). Wir rufen “Abba”, weil es unsere Herzen erfüllt.

So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, dann auch Erbe durch Gott. (Gal. 4,7)

Wann waren wir Knechte? Nicht als wir Heiden waren. Zu der Zeit arbeiteten wir für den Teufel, nicht für Gott. Wir (Gottes Volk) waren Knechte, als wir unter dem Gesetz waren, als wir Gott durch Regeln, Gebote, Formen und Zeremonien anbeteten, anstatt durch die natürliche Liebe eines Sohnes für seinen Vater.

In diesem Zustand erben wir Gott selbst in Christus. So werden wir zu Söhnen Gottes. Wir sind gesegnet, wir haben den Segen Abrahams empfangen, wir sind Erben der Verheißung. Nicht eine Verheißung materieller Güter, sondern die Verheißung Gott selbst in Jesus Christus zu empfangen.

Menschen sind zumeist verwirrt, weil sie ihr Vertrauen in andere Menschen setzen. Doch Dank sei Gott, dass sich die Wahrheit nicht ändert und für Menschen mit einem aufgeschlossenen Gemüt und einem offenen Herzen jederzeit zugänglich ist.

Waggoners falsche Vorstellungen:

  • Alle Menschen besitzen das Leben Christi – selbst die bösesten Verbrecher.
  • Das Kommen des Samens bezieht sich auf das zweite Kommen Jesu.
  • Die zwei Bündnisse wurden nicht zeitlich nach einander folgend eingesetzt.
  • Gott machte den alten Bund nicht mit Israel.
  • Der alte Bund existierte vor Sinai.
  • Der Ausdruck “unter dem Gesetz” bedeutet lediglich “unter der Verdammung des Gesetzes”.
  • Der Neue Bund ist mit dem Haus Israel noch nicht geschlossen worden.
  • Jesus wurde unter der Verdammung des Gesetzes geboren.