Der Zweck eines Gesetzes ist, das Verhalten des Menschen entweder zu beschränken oder zu erzwingen. Ein Gesetz, das sagt: “du sollst nicht”, beschränkt das Verhalten, während: “du sollst” ein bestimmtes Verhalten fordert bzw. erzwingt. Gesetze haben nur mit dem äußeren Verhalten zu tun.

Gott gab viele Gesetze im Laufe der biblischen Geschichte. Nicht alle diese Gesetze hatten denselben Zweck und auch nicht dieselbe Wichtigkeit.

Das erste Gesetz z.B. verbot Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen zu essen. Dies war kein ewiges Gesetz. Es war speziell für Adam und Eva gemacht und sein Zweck war nicht sie einfach nur von einem Baum fernzuhalten. Gott brauchte diesen Baum nicht und Adam und Eva brauchten ihn auch nicht. Desweiteren glaube ich nicht, dass der Baum selbst in irgendeiner Weise schlecht war. Gott gab dieses Gesetz um dem Menschen die Möglichkeit zu geben die Sünde zu wählen, wenn er es wollte. Es gab keinen anderen Grund für dieses Gesetz. Satan hatte eine andere Regierungsweise für das Universum vorgeschlagen, und da es nun eine Anternative zu Gottes Regierungweise gab, war es nur fair Adam und Eva die Gelegenheit zu geben sich zwischen diesen Beiden Systemen entscheiden zu können. Gott machte also eine Vorschrift um ihnen diese Wahl zu ermöglichen. Dieses Gesetz währte jedoch nicht länger als der Garten Eden.

Eine andere Art von Gesetz sind die Gesundheitsgesetze. Sie haben nur mit dem Körper des Menschen zu tun und nur für die Zeit, in der er darin wohnt. Desweiteren unterscheidet sich die Anwendungsweise dieses Gesetzes je nach Lebenslage und Lebensraum. Sie haben keinen moralischen Charakter und verändern sich klarerweise, weil sie sich an Zeit und Ort anpassen. Gesundheitsgesetze stellen auch keine ewigen Gesetze dar. Man sollte sie vielmehr als Orientierungshilfen und nicht als unveränderbare Vorschriften ansehen.

Die bürgerlichen Gesetze, die Gott Israel gab, sind eine andere Gruppe von Gesetzen. Sie stellten Regierungsgesetze dar, die ausschließlich für die Israeliten galten, während sie als ein Volk unter ihrer eigenen Volksregierung lebten. Sie galten für kein anderes Volk. Und als Israel als Volk zerschlagen und seine Regierung aufgelöst wurde, waren diese Gesetze selbstverständlich nicht mehr relevant.

Dann gab es noch die vorausschattenden und veraunschaulichenden Gesetze. Sie waren in gewissem Sinne prophetischer Natur. Sie bestanden aus Ritualen und Zeremonien, die auf bestimmte zukünftige Ereignisse in Gottes Erlösungsplan hinwiesen. Diese Gesetze waren ebenfalls nicht ewig. Heute besitzen sie in sich selbst keinen Wert mehr, sind aber dennoch interessant, weil sie uns helfen zu verstehen, was Gott tut und noch zu tun plant. Zu dieser Kategorie gehören auch die Opfergesetze und die Feste. Ihre Bedeutsamkeit liegt in den Ereignissen, auf die sie hinweisen, sie besitzen jedoch keinen Wert in sich selbst.

Es gab auch noch andere Gesetze, aber ich möchte auf die Moralgesetze (Sittengesetze) ein wenig näher eingehen. Sie werden als “moralisch” bezeichnet, weil man allgemein annimmt, dass diese Gesetze damit zu tun haben, was in sich selbst gut ist. Diese Gesetze, oder vielmehr die Prinzipien hinter diesen Gesetzen, sind ewig und werden für alle Ewigkeit bestehen bleiben. Noch einmal: Ich meine die Prinzipien, aber nicht die Details dieser Gesetze, denn es ist offensichtlich, dass einige von ihnen nicht für Engel oder Gott selbst gelten. Zum Beispiel das Gebot, das befiehlt Vater und Mutter zu ehren.

Was war nun der Zweck dieser Gesetze? Warum wurden sie von Gott dem Menschen gegeben? Man könnte sagen, dass Gott sie dem Menschen gab, damit er wissen konnte, wie er sich angemessen benehmen sollte. Darüberhinaus gab es jedoch ein höheres Ziel, das Gott mit ihnen verfolgte. Gott wollte in Wirklichkeit, dass der Mensch genauso sein und sich genauso verhalten sollte wie er. Warum würde Gotte weniger als das wollen? Gott ist vollkommen, und er möchte seine Vollkommenheit auch in allen seinen Geschöpfen sehen. Gottes Ziel war es letzendlich, seine eigene Gerechtigkeit in den Menschen hineinzulegen. Das Gesetz konnte die Gerechtigkeit Gottes weder produzieren, noch sie richtig beschreiben. Es konnte lediglich ein unvollständiges Bild davon zeichnen.

Dieses Moralgesetz der Gebote war außerhalb des Menschen auf steinernen Tafen geschrieben. Es war lediglich eine schwache Beschreibung von Gerechtigkeit, jedoch nicht Gerechtigkeit selbst. Die Tiefe und Höhe der Gerechtigkeit Gottes konnte nie verstanden oder erfahren werden von denen, die dieses äußerliche Gesetz als Maßstab für das Verhalten, das Gott von ihnen verlangte, betrachteten. Alles, was sie im Gesetz fanden, war Legalismus (Gesetzlichkeit) und Formalität (oberflächliche Äußerlichkeit) – eine äußere Anpassung an Vorschriften, die das Herz und die Natur nicht verändern konnten. Denn das kann nur Christus bewirken.