Unser Glaube sollte nicht auf den Praktiken anderer gründen. Egal wie lange andere Menschen bereits eine bestimmte Praktik ausüben, es sollte unseren Glauben nicht beeinflussen. Das Fundament unseres Glaubens sollte das Wort Gottes und insbesondere  die Lehren von Christus und seinen Aposteln sein. Selbst wenn alle Apostel und die ersten Christen die Feste gehalten hätten, sollte dies in keinster Weise eine Autorität für uns darstellen. Unsere Autorität sind die Lehren des Wortes Gottes.

Klar ist, dass viele der Apostel Dinge taten und glaubten, die wir heute nicht mehr tun oder glauben sollten. Ein auffallendes Beispiel dafür ist das Vorurteil, das viele von ihnen gegenüber Heiden hegten. Gott wies sie diesbezüglich zurecht, doch selbst nachdem sie erkannten, dass Gott keine rassistischen Vorurteile hat, hegten einige trotzdem weiterhin tief in ihren Herzen solche Vorurteile. Diese Tatsache kommt im Verhalten des Petrus in Antiochia deutlich zum Vorschein, wofür ihn Paulus zurechtweisen musste.

Als aber Petrus nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn es war Grund zur Klage gegen ihn. Denn bevor einige von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus dem Judentum fürchtete. (Gal. 2,11-12)

Beachte, dass Petrus zu diesem unchristlichen Verhalten bewegt wurde, weil er einige sah, die “von Jakobus kamen”. Offensichtlich war Jakobus einer derer, die immer noch meinten, dass die jüdischen Vorurteile gegenüber Heiden aufrechterhalten werden müssten und Juden nicht mit Heiden zusammen essen sollten. Petrus hatte überhaupt kein Problem damit mit ihnen zu essen, bis diese Boten von Jakobus kamen. Als er sie sah, sprang er auf und tat als ob er nicht mit den Heiden gegessen hätte. Auch andere folgten seinem Beispiel einschließlich Barnabas.

Für uns dürfte es aber ziemlich klar sein, dass wir diesem Beispiel nicht folgen sollten. Wäre aber Paulus nicht dort gewesen um Petrus zurechtzuweisen und ihm klarzumachen, wie er sich richtig verhalten hätte, dann würden wir heute immer noch Christen finden, die diesem Beispiel des Petrus nachfolgen würden.

Das Wort Gottes ist letztendlich unsere einzig gültige Autorität. Obwohl das Beispiel der Apostel oft hilfreich ist, finden wir darin nicht immer Sicherheit, wenn wir es für uns als Autorität betrachten.

Wo liegt das Problem?

Meiner bescheidenen Meinung nach existiert diese Debatte über die Feste nur deshalb, weil es kein klares Verständnis darüber gibt, welchen Zweck Gott im Sinn hatte als er das Gesetz gab und was eigentlich der Unterschied zwischen den zwei Bündnissen ist. Ich glaube, dass wir uns zuerst mit diesen zwei Punkten auseinandersetzen sollten, denn wenn wir sie erst einmal klar verstanden haben, dann wird sich alles andere automatisch zusammenfügen. Mir ist immer wieder aufgefallen während ich auf meinen Reisen von Ort zu Ort das Evangelium gepredigt habe, dass die größte Schwierigkeit darin liegt, dass diese beiden Fragen nicht richtig verstanden werden. Als Resultat dessen bin ich oft beschuldigt worden das Gesetz anzugreifen.

Es ist für mich unmissverständlich klar, dass die Bibel das Gesetz als ein Regierungssystem darstellt, das Gott aufgestellt hatte um Israel bis zum Kommen Christi zu regieren. Gottes vollkommene Regierung ist jedoch kein Gesetzessystem, sondern etwas viel Besseres und Effektiveres. Eine Regierung kann versuchen durch Auferlegung von strikten Vorschriften beim Volk richtiges Verhalten zu bewirken. Dieses System funktioniert jedoch nicht sehr gut, wie wir es in der Geschichte Israels und jedes anderen Systems weltlicher Regierung sehen können. Selbst wenn der Ungehorsam mit einem solch schrecklichen Tod bestraft wird wie der Steinigung, kann es dennoch keine Gerechtigkeit hervorbringen, wie man es an den Israeliten immer wieder demonstriert sehen kann.

Wäre es einer Regierung hingegen möglich den Menschen eine neue Gesinnung einzupflanzen – sagen wir eine Regierung könnte die Natur eines jeden Bürgers verändern, sodass alle das Gute und Richtige lieben und alles Schlechte und Falsche hassen würden – dann gäbe es keinen Grund für Gesetze und Strafen. Man bräuchte kein Gesetz, das den Menschen befiehl: “keinen Müll in die Gegend werfen”, “nicht stehlen”, “nicht töten”, “Gott lieben” usw. All das würde ganz natürlich und ohne Gewalt, Drohung oder Gesetz geschehen! Aber natürlich existiert solch eine Regierung nich, richtig? Falsch! Es gibt solch eine Regierung!

Es gibt einen König, der das Herz der Menschen verändern kann! Es gibt eine Regierung, die uns eine neue Gesinnung einpflanzen kann! Es ist die Regierung, wo Christus im Inneren der Menschen lebt und ihnen buchstäblich die Gesinnung Gottes gibt. Er erfüllt sie mit den Früchten des Geistes, den Früchten der Gerechtigkeit, und er tut es nicht durch das Gesetz, sondern durch den heiligen Geist! Das ist die Regierung des Neuen Bundes, die Regierung des Reiches Gottes. Deshalb gibt es keinen Bedarf mehr für die Regierung des Gesetzes.

Das Gesetz hat seinen Zweck erfüllt, indem es die Israeliten im Zaum hielt, sie als Volk bewahrte und sie über das kommende Königreich Christi lehrte. Doch als Christus kam wurde das Regierungssystem des Gesetzes abgeschafft. Gott regiert sein Volk nicht mehr auf diese Art und Weise. Das Gesetz hat seinen Zweck erfüllt, es ist abgelaufen und muss nun Platz machen für eine viel bessere Regierung.

Das grosse Missverständnis

Viele der jüdischen Christen verstanden dies nicht richtig. Der Apostel Paulus wurde von Gott speziell dazu auserwählt um diese Wahrheit zu erklären. Aus diesem Grund fanden die jüdischen Christen, dass Paulus schwer zu verstehen war. Doch das Problem war nicht Paulus, sondern vielmehr ihre Vorurteile und Missverständnisse, eben das ganze Paket ihrer alten Vorstellungen, die sie aus dem Judaismus mitgebracht hatten und nicht ablegen konnten. Das ist der Grund dafür, warum sie Paulus überallhin folgten und versuchten die Christen aus den Heiden zu überzeugen sich beschneiden zu lassen und das Gesetz Mose zu halten. Wenn wir uns die Aufzeichnung in Apostelgeschichte Kapitel 15 anschauen, sehen wir, dass es die “bekehrten” Pharisäer waren, die am lautstärksten darauf bestanden, dass das Evangelium mit dem Gesetz verheiratet werden sollte und dies den Heidenchristen aufzwingen wollten. Dieselbe Klasse von Menschen, die Christus den größten Widerstand boten, fuhren nun angeblich “bekehrt” fort der Reinheit des Evangeliums zu widerstehen.

Da traten einige von der Partei der Pharisäer auf, die gläubig geworden waren, und sprachen: Man muss sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz des Mose zu halten.  (Apg. 15,5)

Wir sehen heute dasselbe Missverständnis und denselben Versuch das Evangelium mit dem Gesetz zu verheiraten. Viele greifen sich bestimmte Teile des Gesetzes heraus und sagen: “Wir müssen diese immer noch halten!” Dann nehmen sie andere Teile und sagen: “Diese sind nicht länger notwendig!” Das zeigt ein fehlendes Verständnis vom Gesetz und seinem Zweck. Die Wahrheit ist, dass das System des Gesetzes als Ganzes steht oder fällt. Entweder sind wir immer noch verpflichtet das ganze Gesetz zu halten oder wir sind frei vom ganzen Gesetz. Das versuchte auch Paulus den Galatern zu erklären:

Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus nichts nützen. Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. (Gal. 5,2-3)

Paulus sagt, wenn ein Mensch ein Teil des Gesetzes tut (Beschneidung), dann ist er dazu verpflichtet das ganze Gesetz zu tun – jeden Teil davon, alle 613 Vorschriften! Der Grund dafür ist, dass das Gesetz als Ganzes existierte. Es ging um alles oder nichts. Als Jesus kam, verwarf Gott das Regierungssystem des Gesetzes und setzte eine größere und vollkommenere Regierung ein  – die Regierung des Geistes  -, durch die er heute sein Volk regiert.

Die vier Teile des Gesetzes

Das Gesetz war in vier grundlegende Bereiche aufgeteilt. Wir finden dies in 2. und 3. Mose zwar nicht klar aufgeführt, doch wenn wir sorgfältig lesen, können wir diese Aufteilung leicht erkennen.

  1. Erstens gab es die moralischen oder sittlichen Gebote. Diese sind heute durch die Gesinnung Christi in den Herzen der Gläubigen ersetzt. Die Natur Christi ist an die Stelle der Anweisungen getreten, die auf Papier oder Stein geschrieben waren.
  2. Das Gesetz enthielt auch Gesundheitsregelungen. Sie waren gesundheitlicher und nicht religiöser Natur. Diese Prinzipien sind nach wie vor wahr, aber sie sind nicht moralischer bzw. sittlicher Natur, weshalb ihre Anwendungsweise von Umständen abhängt. Diese Regelungen regieren uns nicht mehr aber ihre Prinzipien sind hilfreich.
  3. Das Gesetz enthielt auch Opfer und Gaben. Diese fanden ein Ende als Christus, das wahre und einzige Opfer, das Gott akzeptiert, dargebracht wurde. Dieser Teil des Gesetzes hat aufgehört.
  4. Das Gesetz enthielt auch Schatten und Symbole, wie die Feste, die Beschneidung usw. Diese waren Lehrwerkzeuge und Lehrbücher für die Israeliten, die ihnen den Erlösungsplan erklärten. Da diese ein Teil des Gesetzessystems waren, mussten die Israeliten an ihrem Unterricht teilnehmen und die damit verbundenen Ereignisse Jahr für Jahr immer wieder durchleben. Als das neue System kam, beinhaltete ihre Religion nicht mehr das Durchspielen von schattenhaften und symbolischen Ereignissen. Da sie nun die wahre Religion in Christus empfangen haben, nehmen sie nun stattdessen an der Wirklichkeit dessen teil, was die Symbole lediglich bildlich darstellten. Sie spielen nicht mehr mit Symbolen, sondern erleben die Realität.

Paulus sagt über diese Dienste des Gesetzes:

Dieses ist ein Gleichnis für die gegenwärtige Zeit: Es werden da Gaben und Opfer dargebracht, die nicht im Gewissen vollkommen machen können den, der den Gottesdienst ausrichtet. Dies sind nur äußerliche Satzungen über Speise und Trank und verschiedene Waschungen, die bis zu der Zeit einer besseren Ordnung auferlegt sind. (Hebr. 9,9-10)

So ist jeder Teil des Gesetzes durch die große Wirklichkeit, Jesus Christus, ersetzt worden. Wir haben es nicht mehr mit jenen Elementen der Welt zu tun, die lediglich Symbole und Veranschaulichungen der Wirklichkeit waren. Unsere Religion hat nun ausschließlich mit Dingen zu tun, die Wirklichkeiten sind und keine Veranschaulichungen.

Entweder, oder?

Ich merke wie viele von uns glauben, das es darum geht entweder die heidnischen Feste oder die biblischen Feste zu halten. Sie scheinen so zu argumentieren: “Wir müssen schließlich irgend ein Fest halten und wenn wir nicht die biblischen halten, dann bleiben uns nur noch die heidnischen.” Das ist eine irrige Schlussfolgerung. Dies mag zwar einige dazu führen das Festehalten anzunehmen, aber solches Argumentieren ist irreführend und völlig daneben. In Wirklichkeit sind BEIDE Arten von Festen nutzlos! Ostern, Weihnachten usw. sind heidnisch und Christen sollten sich nicht an den damit verbundenen Festen beteiligen. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns deshalb wie vorprogrammiert automatisch zu den Festen des Gesetzes wenden müssten. Es geht nicht um eins gegen das andere, weil beide gleichermaßen nutzlos sind. Beide Arten von Festen lenken die Aufmerksamkeit auf eine gesetzliche, ritualistische Religion und verschleiern die Schönheit des Evangeliums der freien Gnade in Christus.

Die römisch-katholische Kirche hat aus der Zeit Israels und des Gesetzes die Vorstellung einer besonderen Priesterklasse in ihre Lehren und Praktiken übertragen und ihr viele Aspekte des Heidentums hinzugefügt. Die Tatsache, dass die katholische Kirche eine heidnische Fälschung angefertigt hat ist jedoch kein Argument dafür, dass wir nun zum jüdischen Priestertum zurückkehren müssten! Beide sind falsch. Das jüdische, weil es abgeschafft und mit der Priesterschaft aller Gläubigen ersetzt worden ist, und das heidnische weil es heidnisch ist.