“Adam war Gott ungehorsam und musste dafür die Konsequenzen tragen. Jesus hat uns eine zweite Chance gegeben – vermassel sie diesmal nicht. Gott verlangt vollkommenen Gehorsam. Der Teufel tut alles um dich in Ungehorsam zu stürzen, weil er weiß, dass der ‘Zorn Gottes über die Ungehorsamen kommt.’ Also tu, was er dir sagt und gehorche.”

So ungefähr klingt eine Standardpredigt über Gehorsam. Hast du es auch schon einmal so gehört?

Wenn ja, dann wunderst du dich vielleicht: “Wie passt denn die Liebe Gottes da hinein?” Ein Prediger der Unsicherheit hat bereits eine Antwort parat:

“Höre die Worte Jesu: ‘Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten’ (Joh. 14,15). Gott zu lieben, bedeutet seine Gebote zu halten. Wir müssen Gott fürchten und ihm gehorchen.”

Schluck! Das klingt beängstigend. Das hört sich so an, als würde Gottes Liebe von meinem vollkommenen Gehorsam abhängen, und wenn ich ehrlich sein soll, bin ich nicht vollkommen gehorsam. Bedeutet es, dass Gott mich nicht annimmt? Bedeutet es gar, dass ich gar nicht gerettet bin?

Bingo.

Nun hat dich der Prediger der Unsicherheit dort, wo er dich haben will. Zitternd und in Todesangst bist du nun bereit jede Liste von Regeln zu schlucken, die er dir auferlegt. Mit feueriger Rethorik und zurechtgehackten Bibelstellen peitscht er dich zu einem seelischen Weinkrampf, bis du verzweifelt Gott Versprechungen machst: “Herr, ich werde alles tun, was die Bibel sagt.”

Und was dann? Nun, wenn dein Fleisch stark ist, dann kürt man dich bald zur christlichen Erfolgsgeschichte des Monats. Ist dein Feisch jedoch schwach, dann landest du in den Stricken von Schuld und Verdammung. Doch so oder so, pack deine Sachen, denn du begibst dich auf den Wanderweg des Fleisches.

So sieht das Leben eines in Unsicherheit lebenden Gläubigen aus.

Falsche Diagnose, falsche Behandlungsmethode

Jetzt, wo du meine kleine Beschwerde gelesen hast, magst du vielleicht denken, dass ich gegen Gehorsam sei. Das stimmt nicht! Ich bin nicht gegen Gehorsam, sondern gegen ein vom Fleisch angetriebenes Christsein, wonach “Gehorsam” in den meisten Fällen auch stinkt.

Adam Eva EdenUm zum Herzstück dieser Gehorsamsfrage zu gelangen, müssen wir zum Anfang zurückgehen – zum Garten Eden. Um die richtige Antwort zu erhalten, müssen wir die richtige Frage stellen: Wodurch fiel Adam eigentlich?

Viele Jahre lang lautete meine Antwort auf diese Frage: “Adam war ungehorsam.” Das scheint einfach genug zu sein, nicht wahr? Gott sagte Adam, er soll nicht von dem Baum essen; er aß trotzdem. Ende der Geschichte.

Nur, dass es nicht das Ende der Geschichte ist. Es ist noch nicht einmal die richtige Geschichte. Adams Ungehorsam war nämlich gar nicht das Problem, sondern vielmehr nur ein Symptom eines viel tieferen Problems, nämlich, dass er Gott nicht vertraute. Indem er die verbotene Frucht aß, erklärte Adam Gott für einen völlig unvertrauenswürdigen Lügner. Durch seine Tat sagte er: “Gott, ich bin ohne dich viel besser dran.” Ein schwerwiegender Fehler.

Auf Misstrauen folgt Ungehorsam

Adam lebte wie wir in einer Welt der Unsicherheit. Wie wir hatte auch er Fragen, auf die er keine Antworten fand. Hier sind Adams Fragen:

  • “Warum hat Gott mir verboten von diesem einen Baum zu essen?”
  • “Was ist dieser Tod, der laut Gott über mich kommt, wenn ich davon esse?”

Adam tappte im Dunkeln – und das war der springende Punkt. Gott hatte es bewusst so eingerichtet, weil er wollte, dass Adam und Eva ihm vertrauten. Indem Gott Unsicherheit in ihre Welt hineinbrachte, lud er sie zu einer Beziehung der Abhängigkeit von ihm ein. Hätten sie ihm vertraut, dann hätten sie gelebt und hätten sogar überschwengliches Leben genossen, doch sie entschieden sich Gott zu misstrauen und ernteten so die schrecklichen Konsequenzen ihrer Entscheidung.

Viele meinen Gott hätte Adam von sich gewiesen im Garten, aber es ist genau andersherum. Adam wies Gott von sich. Indem er Gottes Worte des Lebens verwarf, trennte er sich selbst von der Quelle des Lebens und beging dadurch Selbstmord. Und das ist die wahre Geschichte der Menschheit.

Der Zweck des Lebens

Das Leben ist eine abgekartete Sache, und es ist von Anfang an so gewesen. Es ist eine Einladung das Angebot eines Gottes anzunehmen, der uns liebt und sich danach sehnt sein Leben mit uns zu teilen. Denk einmal darüber nach. Das Leben ist viel komplexer als wir begreifen oder bewältigen könnten. Wir können uns anstrengen wie wir wollen, wir sind einfach nicht dafür entworfen mit alledem fertig zu werden, was das Leben uns entgegenwirft. Vielmehr sind wir so entworfen, dass wir in unserem Leben von einem guten Gott abhängig sind, der verheißen hat uns alles zu geben, was wir zum Leben brauchen, gemäß des herrlichen Reichtums in Christus Jesus (Phil. 4,19).

Das Geheimnis des Lebens ist nicht “gehorche oder sterbe”, sondern “vertraue oder stirb bei dem Versuch” (siehe Joh. 5,24; 11,25, wenn du es in der Bibel nachlesen möchtest).

Letztendlich geht es nicht darum, ob du Gott gehorchst, sondern ob du ihm vertraust. Denn es ist unmöglich Gott zu vertrauen und ihm nicht zu gehorchen. Aber es gibt genug Menschen, die denken, sie würden Gott gehorchen, die ihm jedoch nicht vertrauen.

Die zwei Gesichter des Unglaubens

Ich werde im nächsten Artikel mehr über Gehorsam sprechen, aber ich möchte hier mit einer Veranschaulichung des Misstrauens abschließen. Wie schaut es aus, wenn man Gott misstraut? Das Misstrauen hat zwei Aspekte:

  1. Es ist, wenn Adam das Gegenteil davon tut, was Gott ihm geboten hat.
  2. Es ist, wenn Israel am Berg Sinai sagt: “Gott, sag uns einfach, was wir tun sollen und wir werden es tun” (siehe 2.Mose 19,8).

Lass dich von Israels Verlangen Gott zu gehorchen nicht täuschen, denn es ist der Weg des Fleisches, mehr nicht. Hätten sie Gott wirklich vertraut, dann hätten sie nicht nach Gesetzen gefragt. Sie hätten gesagt: “Gott, gedenke an deinen Bund mit unserem Vater Abraham und segne uns.” Stattdessen sagten sie im Grunde: “Gott, wir vertrauen deiner Verheißung an Abraham nicht! Sag uns wie wir uns selbst segnen können.” Und Gott gab ihnen, was sie wollten – einge ganze Menge Gebote zur “Selbstsegnung”.

Auch heute gibt es Leute, die – wie die Israeliten – nach Schlüsseln, Prinzipien, Richtlinien und Strategien suchen. Sie suchen im Grunde nach allem außer Gott selbst. Sie geben ihr Bestes um allen Regeln in der Bibel zu gehorchen, aber die traurige Tatsache ist, dass sie Gott nicht vertrauen. Sie vertrauen nur sich selbst, indem sie denken:

  • ich werde in Sicherheit sein, WENN ich die Gebote halte
  • ich werde angenommen, gerecht und gut genug sein, WENN ich die Gebote halte
  • Gott wird mich segnen, WENN ich die Gebote halte
  • Gott wird mit mir zufrieden sein, WENN ich die Gebote halte

Es ist so als wäre Jesus nie gekommen! Als wären wir noch immer unter dem alten Bund des Gesetzehaltens. Wenn du mit der biblischen Geschichte vertraut bist, dann weißt du, dass Gesetzehalten das Rezept für Katastrophen ist. Siehst du es denn nicht? Die Israeliten konnten das Gesetz nicht halten und du wirst es auch nicht können. Niemand kann das ganze Gesetz halten außer Gott selbst.

Es geht nicht um Gesetze

Beim Leben geht es nicht um Gesetz sondern um Beziehung. Dies ist so offensichtlich und selbsterklärend, dass Menschen sich schwertun es zu glauben.

  • “Paul, willst du damit sagen, dass Gott nicht an meinem Gehorsam interessiert sei?” Doch, schon, aber wahrscheinlich aus einem ganz anderen Grund, als du denkst (siehe in meinem nächsten Artikel).
  • “Willst du sagen, dass Gott mich nicht aufgrund meines Gehorsams richtet?” So ist es! Wenn du in Christus bist, dann bist du aufgrund des Gehorsams Christi bereits als gerecht, heilig und gut gerichtet. Das ist ja eben die gute Nachricht!
  • “Willst du sagen, dass wir die Gebote des Neuen Testaments nicht halten brauchen?” Die Tatsache, dass du diese Frage stellst, offenbart mir, dass du dir über den Zweck des Lebens immer noch nicht im Klaren bist. Geh noch einmal zurück an den Anfang und lies diesen Artikel noch einmal.

Hier ist die Pointe:

Ein Prediger des alten Bundes benutzt Zuckerbrot und Peitsche um dich zu motivieren und zum Gehorsam zu bringen. Wenn du dieser Art von Predigt Beachtung schenkst, wirst du zu einem zweifelnden, unsicheren und misstrauischen Gläubigen mit einem Lebensstil, der einer Achterbahnfahrt gleicht (auf und ab). Dein Wandel mit Gott wird eine groteske Karikatur wahren Christseins, und du wirst eine schlechte Werbung für das Evangelium sein.

Ein Prediger des neuen Bundes hingegen wird stets versuchen dir Gottes bedingungslose Liebe zu offenbaren und dich dann von diesem sicheren, felsenfesten Fundament aus ermutigen und inspirieren zuversichtlich als Kind Gottes zu leben. Wenn du das tust, wirst du dich dabei ertappen, dass du Gott mühelos gehorsam bist, und du wirst eine beeindruckende Werbung für das Evangelium sein!

Im 2. Teil werde ich noch tiefer in dieses Thema eintauchen, und wir werden einen frischen Blick auf die Gebote Jesu werfen.

Paul Ellis, ehemaliger Pastor und Universitätsprofessor, ist der Autor des Buches “Das Evangelium in zehn Wörtern”. Er schreibt regelmäßig über die gute Nachricht der erstaunlichen Gnade Gottes auf EscapeToReality.org (englisch). Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Auckland, Neuseeland.