Vor einigen Tagen spazierte ich mit meinen Töchtern zu einem Spielplatz. Wir gingen eine Strandpromenade entlang, die manchmal auch von Güterwagen genutzt wird. Meine Töchter waren mir um einige Meter voraus und bemerkten vor lauter Aufregung und bei all den Geräuschen um sie herum einen von rechts heranschnellenden Transporter nicht. Ich schrie laut, dass sie stehenbleiben sollten, was sie auch sofort taten.

Wie gute Kiwi-Kids (Kiwi ist ein Spitzname für Neuseeländer) blickten sie instinktiv nach links, von wo aus sie das Fahrzeug erwarteten, doch die Straße war frei. Es wäre ein lustiger Anblick gewesen, wenn es nicht so gefährlich gewesen wäre. Sie blickten derart gespannt nach links, dass sie den von rechts kommenden Transporter gar nicht wahrnahmen.

Ich möchte nicht dramatisch klingen, aber in dem Augenblick standen meine beiden Töchter vor einer lebensbedrohlichen Entscheidung: entweder im Schauen zu wandeln (ich sehe kein Auto) oder im Glauben (aber Papa hat gesagt ich soll stehenbleiben). Sie brannten darauf endlich zum Spielplatz zu gelangen, aber ihr Vertrauen mir gegenüber bewahrte sie in Sicherheit, weil sie sich nicht bewegten. Nun, um ehrlich zu sein, musste meine jüngere Tochter ein wenig mehr davon überzeugt werden still zu halten, aber es dürfte klar sein, worauf ich hinaus will. Sie gehorchten mir, weil sie mir vertrauen. Verstehst du, was ich meine? Wahrer Gehorsam entspringt einem Vertrauen, das auf Liebe gründet.

Hoffentlich erinnert dich das an etwas, das Jesus sagte:

Liebt ihr mich, dann werdet ihr tun, was ich euch gebiete. (Joh. 14,15)

Im 1. Teil dieser Serie über Gehorsam sahen wir, dass Adam aus Misstrauen Gott gegenüber ungehorsam wurde. Auf Misstrauen folgt genauso sicher der Ungehorsam, wie auf Vertrauen der Gehorsam folgt. Wenn du jemanden liebst, dann vertraust du ihm und hörst auf seine Worte. Genau das sagt auch Jesus in diesem Vers. Dies sollte eigentlich klar sein. Aber hier ist die Kehrseite der Medaille.

Wer mich aber nicht liebt, der hält meine Worte nicht. (Joh. 14,24)

Wenn du jemanden nicht liebst, dann vertraust du ihm nicht und beachtest auch nicht seine Worte. Wieder scheint dies logisch und klar zu sein, nicht wahr?

Nur leider ist das nicht so, denn es gibt viele, die aus Angst versuchen Gott zu dienen und nicht aus Liebe. Warum Angst? Weil ihnen weisgemacht worden ist, dass sie ihre Umkehr durch gute Taten beweisen müssten. Man hat sie glauben lassen, dass sie sich anstrengen, bis zum Ende durchhalten, die Sünde meiden und alles tun müssten, was die Bibel ihnen sagt. Und was, wenn nicht? Dann würde Gott sie verwerfen. Sie würden zusammen mit dem Unkraut weggeworfen werden, müssten mit den Böcken umkommen und mit den unfruchtbaren Reben verbrannt werden. Das ist eine erschreckende Angelegenheit!

Weit gefehlt

Festhalten und durchhalten ist eine sehr gute Idee, aber wenn du meinst, dass die Bibel fleischliche  Beharrlichkeit befürwortet und dass Gott dich für deine Ausdauer belohnen wird, dann hast du das Ziel kilometerweit verfehlt.

Ich plane in späteren Artikeln einen näheren Blick auf die Verse über das Festhalten/Durchhalten/Voranschreiten zu werfen. (Wenn Du automatisch über neue Artikel benachrichtigt werden möchtest, kannst Du meinem Blog hier folgen.) Jetzt möchte ich mich aber auf den Gehorsam konzentrieren, weil zu viele von uns ihre Beziehung zu Gott auf eine Liste von Regeln und Geboten beschränkt haben. Dies kann passieren, wenn wir Verse aus ihrem Zusammenhang herausgerissen lesen. Hier ist ein Beispiel:

Wenn ihr meine Gebote haltet, dann bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. (Joh. 15,10)

Aua! Das hört sich so an, als würde Jesus Gottes Liebe an Bedingungen knüpfen. Aber dem ist nicht so. Lies den Vers davor:

Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! (Joh. 15,9)

Wie liebt der Vater den Sohn? Bedingungslos! Noch bevor Jesus irgend etwas Gutes tat, sagte Gott von ihm: “Dies ist mein geliebter Sohn” (Matth. 3,17). “Siehst du?”, sagt Jesus, “siehst du, wie mich mein Vater liebt? Genauso liebe auch ich dich.” Jesus predigt bedingungslose Liebe. Das ist eine gute Nachricht! Seine Liebe ist eine felsenfeste Tatsache, auf die du bauen kannst. Aber dein Leben wird nicht auf dieser felsenfesten Tatsache stehen, solange du seine Liebe nicht empfängst. Deshalb auch die Ermahnung, die darauf folgt:

Bleib in meiner Liebe. Verharre, wohne, verweile ununterbrochen in meiner Liebe. Versenk deine Wurzeln tief in meiner Liebe und lass dich von nichts herausreißen. Hüte dich vor der Bande der Unsicheren, die dir meine Liebe verkaufen wollen. Schau auf das Kreuz – du besitzt meine Liebe bereits. Außer meiner Liebe für dich wird alles andere scheitern. Meine Liebe ist das eine beständige und unveränderbare Element, das deine Welt zusammenhalten wird, wenn du sie annimmst – also nimm sie an. Erfreue dich an ihr, bade in ihr, schwimm in ihr und bleib in ihr. (Joh. 15,9 – frei übersetzt)

Das ist eine gute Nachricht, nicht wahr? Komm schon, es ist eine großartige Nachricht! Es ist die beste und herrlichste Nachricht im Universum! Es ist die Nachricht, die diese lieblose Welt braucht. Vielleicht hast du sie schon gehört, aber du solltest dir selbst diese Nachricht jeden Tag predigen. Gott liebt mich mit der glühendheißen Intensität von eintausend Sonnen! Das Kreuz beweist, dass er viel lieber sterben würde, als ohne mich zu leben. Und jetzt, wo mein Geliebter mein ist und ich sein, wird er mich nie mehr loslassen!

Wenn du dann fest auf dem Fundament von Vers 9 stehst, kannst du den Vers 10 mit dazulesen, den ich so umschreiben möchte: “Wenn du mir so sehr vertraust, dass du befolgst, was ich dir sage, dann ist es ein sicheres Anzeichen dafür, dass du in meiner Liebe bleibst.”

Siehst du nun den Unterschied? Es geht nicht um Gehorsam kontra Ungehorsam, sondern um Vertrauen kontra Misstrauen. Wenn du die Liebe Gottes erkennst, dann wirst du ihm ganz netürlich vertrauen und gehorchen. Wenn du jedoch nicht fest in seiner Liebe stehst, dann wird jeder Versuch des Gehorsams unnatürlich sein und fruchtlos bleiben. Deine Beziehung wird genauso viel Liebe und Vertrauen beinhalten, wie eine Zwangsehe.

Währenddessen an der Strandpromenade…

Lass uns zur zur Promenade zurückkehren. Siehst du wie meine gehorsamen Töchter in Sicherheit dastehen? Hier kommt die 50.000€-Frage: Was bringt sie dazu stillzuhalten, wo sie doch so gern weiterrennen würden? Es gibt nur eine Sache: meine Liebe für sie.

Weil meine Töchter wissen, wie sehr ich sie liebe, vertrauen sie mir darin Entscheidungen für sie zu treffen. Ich kann Dinge erkennen, die ihnen noch nicht auffallen, wie beispielsweise einen auf sie zufahrenden Transporter. Genauso ist es auch bei deinem himmlischen Vater. Er liebt dich so sehr, dass du ihm mit deinem Leben vertrauen kannst.

Doch was ist, wenn eines meiner Mädchen einmal einen schlechten Tag hat? Vielleicht ist sie mal mit dem falschen Fuß aufgestanden. Vielleicht hat sie Hunger und ist gereizt, oder etwas ähnliches? Der Punkt ist, dass sie in dem Moment nicht mehr in meiner Liebe bleibt. In solch einem Augenblick mag sie anfangen zu denken: Warum muss ich stehenbleiben? Ich brauche niemanden, der mir sagt, was ich tun soll. Ich bleibe nicht stehen. Ich werde weiterrennen bis zum Spielplatz.

Also rennt sie direkt vor den Transporter. Nicht gut! Ihr Ungehorsam könnte sie umbringen. Doch es wäre nicht ich, der sie töten würde.

Das ist doch wieder absolut einleuchtend, oder? Für viele Mesnchen leider nicht.

Viele denken, dass Gott uns erschlägt, wenn wir ihm nicht gehorchen. Der schwere Transporter des Lebens überfährt uns und während wir blutend daliegen, sagen wir uns selbst: “Gott züchtigt mich.” Nein, das tut er nicht. Er hat dir den Krebs nicht gegeben, oder dich arbeitslos gemacht, oder deinen Ehegatten dazu gebracht dich mit den Kindern zu verlassen. Gott ist allmächtig, aber das macht ihn nicht für alles verantwortlich, was mit dir passiert. Gott ist nicht auf die Art und Weise souverän, wie das Wort im Allgemeinen benutzt wird.

Ich möchte es noch einmal betonen: Für Adam ging es nicht um den Baum und für uns geht es nicht um Gebote und Vorschriften. Gott ist in erster Linie nicht an deiner Fähigkeit zu gehorchen interessiert und er richtet dich auch nicht basierend auf deiner Leistung des Gesetzehaltens. Was du verstehen musst, ist, dass er dich liebt, wenn du gehorsam bist und auch genauso liebt, wenn du ungehorsam bist. Seine Liebe ändert sich nicht.

Wenn mir meine Tochter nicht gehorcht, dann mag sie zwar von einem Transporter überfahren werden, aber ich werde sie deshalb nicht aus der Familie werfen. Genausowenig wird dich Gott aus seiner Familie werfen, wenn du ihm nicht gehorchst. Seine ewige Liebe ist größer, als deine vorübergehenden Fehltritte.

“Paul, willst du damit sagen, dass mein Gehorsam unwichtig sei?”

Nein, natürlich ist dein Gehorsam wichtig! Gehorsam wird dich davor bewahren vom sinnbildlichen Transporter plattgefahren zu werden. Wir sind jedoch nicht gehorsam um uns seine Liebe zu verdienen (wir haben sie ja bereits) und auch nicht seine Vergebung (in Christus ist sie bereits unser). Vielmehr gehorchen wir unserem himmlischen Vater aus demselben Grund, aus dem auch meine Mädchen mir an dem besagten Nachmittag gehorchten: weil wir ihn lieben und ihm vertrauen und wissen, dass er nur das Allerbeste für uns will.

Der springende Punkt

Es gibt viele Anweisungen und Ermahnungen im Neuen Testament, aber Jesus hat sie in nur sieben Worten zusammengefasst:

Das ist mein Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. (Joh. 15,12)

Noch einmal: Wir halten nicht dieses Gebot um dadurch der Liebe Gottes würdig zu sein – das wäre das sprichwörtliche Pferd von hinten aufzäumen. Lies noch einmal, was Jesus sagt: “Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.”

Unter dem alten Bund taten wir um zu bekommen. Im neuen Bund tun wir, weil wir bereits bekommen haben. Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Wir vergeben anderen, weil er uns vergeben hat, und wenn wir seine Vergebung erhalten, befreit sie uns vom Beleidigtsein und von der Unversöhnlichkeit.

Wenn du weißt, wie sehr dich dein himmlischer Vater liebt, befähigt es dich ein Leben im Überfluss zu leben, in deinem Herzen großzügig zu sein und andere in den Einflussbereich seiner unendlichen Liebe zu ziehen.

In diesem Artikel haben wir uns damit beschäftigt, was Jesus über Gehorsam gesagt hat. Im nächsten Artikel in dieser Serie werden wir uns die Worte des Mannes anschauen, der mehr über Gehorsam geschrieben hat, als irgend ein anderer Schreiber des Neuen Testaments: Johannes.

Bleib dran!

Paul Ellis, ehemaliger Pastor und Universitätsprofessor, ist der Autor des Buches “Das Evangelium in zehn Wörtern”. Er schreibt regelmäßig über die gute Nachricht der erstaunlichen Gnade Gottes auf EscapeToReality.org (englisch). Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Auckland, Neuseeland.