Vor einem Jahr habe ich recht viele Menschen zornig gemacht, als ich schrieb, dass Johannes das Wort “Buße” in seinem Evangelium nirgendwo erwähnt. Bis heute erhalte ich immer noch Nachrichten von aufgebrachten Menschen, die solche Dinge sagen, wie: “Selbst wenn es Johannes nicht gepredigt hat solltest du es trotzdem predigen! Wir brauchen mehr Predigten über Buße.”

Eigentlich glaube ich, dass wir mehr über Jesus predigen sollten, aber das ist meine Meinung.

Der Grund warum ich Johannes erwähne, ist, dass diejenigen von uns, die Gnade predigen, oft damit beschuldigt werden die Buße nicht ausreichend zu betonen. Meine Antwort darauf: Johannes tat es auch nicht. Aber ich möchte nicht schon wieder in dasselbe Wespennest stechen. Vielleicht ist es an der Zeit den wütenden Leuten einen Knochen zuzuwerfen und das Pendel wieder ganz auf die entgegengesetzte Seite zu schwingen – zurück zu den toten Werken. Das hier sollte sie zufriedenstellen:

Jesus: Wenn ihr mich liebt, dann werdet ihr dem gehorchen, was ich euch gebiete. (Joh. 14,15)

Johannes: Und daran merken wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten. (1.Joh. 2,3)

“Aha!”, sagt der wütende Mensch. “Siehst du? Was habe ich gesagt? Jetzt kannst du dich da nicht mehr herausmogeln. Hör auf Gnade zu predigen und fang an Gehorsam zu verkünden. Johannes sagt doch deutlich, dass du Gottes Geboten gehorchen musst, wenn du von ihm erkannt werden willst.”

Eigentlich sagt er nichts von alledem, aber ich kann verstehen wie man zu solch einer schrecklichen und unsicheren Schlussfolgerung gelangen kann: Ich gehorche lieber den Geboten Gottes, wenn ich ihn kennen will.

Wenn du es auch so siehst, dann lass mich dir in vier Punkten antworten:

  1. Deine Erlösung hängt nicht davon ab, was du für Gott tust oder nicht tust. Sie hängt vielmehr davon ab ob er dich kennt. Jesus hat vorausgesagt, dass am Ende viele behaupten werden in seinem Namen gute Taten getan zu haben, aber er wird sie nicht kennen (Matth. 7,22-23). Gott will dich selbst, nicht deine Taten.
  2. Du kannst die Beziehung, die Gott sich wünscht, nicht auf das Halten von Geboten beschränken. Wie wir im 1. Teil dieser Serie gesehen haben, ist der Ungehorsam eine Frucht des Misstrauens, das zwei Gesichter hat. Eine Möglichkeit im Unglauben zu leben ist, dasselbe zu sagen wie die Israeliten: “Sag mir einfach, was ich tun soll, und ich werde es tun.” Viele suchen nach Geboten, die sie halten und nach Prinzipien, nach denen sie sich richten wollen. Das Ergebnis dessen ist eine glaubenslose und leblose Kirchlichkeit (Religiosität).
  3. Echter Gehorsam erwächst aus Vertrauen, das wiederum stets auf Liebe gründet. (Siehe Teil 2.) Wenn du versuchst den Geboten Gottes aus Angst und Unsicherheit zu gehorchen – “ich muss es tun, sonst…” – dann hast du die Gnade verfehlt und verschwendest nur deine Zeit.
  4. Wenn du Jesus vertraust, dir aber über diese ganze Gehorsamsgeschichte immer noch Sorgen machst, besonders über den oben zitierten 1.Joh. 2,3, dann lies die Verse davor, wo Johannes ein sicheres und felsenfestes Fundament über Gottes Liebe zu dir legt. Wir müssen verstehen, dass ein es einen riesengroßen Unterschied gibt zwischen Heiligen, die Fehler machen, und Sündern, die sündigen. Da Sünder nicht im Glauben leben sondern im Schauen, sündigen sie ganz natürlich. Sie können gar nicht anders als zu sündigen (Röm. 14,23). Als Kind Gottes bist du hingegen fähig der Sünde zu widerstehen. Doch selbst, wenn du stolperst und fällst, wird dich Gott niemals aus seiner Familie hinausstoßen. Stattdessen wird Jesus zu deiner Verteidigung eintreten, weil du zu ihm gehörst.

Alles klar? Ist dein Fundament nun fest? Gut. Dann lass uns sehen, was diese Worte von Johannes wirklich bedeuten.

Jesus bedroht seine Braut nicht

Wie Jesus vor ihm, macht Johannes keine Drohungen sondern Verheißungen. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Versen am Anfang dieses Artikels ist ihr Kontext.

  • Jesus spricht zu seinen geliebten Jüngern.
  • Johannes schreibt an die Gemeinde im weiteren Sinne.

Johannes sagt im Grunde: “Eine Art und Weise, wie man feststellen kann ob jemand Jesus wirklich kennt, ist, wenn er ihm gehorcht.” Danach sagt Johannes:

Wer sagt: ‘Ich kenne ihn’, und tut nicht, was er ihm gebietet, der ist ein Lügner, und in diesem ist die Wahrheit nicht. (1.Joh. 2,4)

Der unsichere Gläubige liest das als eine Drohung. Ich tue lieber, was Jesus mir gebietet, sonst bin ich kein wahrer Christ. Nein, nein, nein! Ein Christ zu sein bedeutet nicht Christus nachzuahmen. Christsein bedeutet Christus in uns. Es bedeutet, dass er selbst sein übernatürliches Leben ohne Anstrengung in uns auslebt (Gal. 2,20). Wenn du Christus nicht hast, dann kannst du ihn auch nicht offenbaren – genau davon spricht Johannes. In einer Welt voller Schwindler kann man einen echten Gläubigen garantiert daran erkennen, dass Christus durch ihn lebt. Er tut mühelos das, was Christus ihm gebietet.

Die Achse der Liebe

Und was gebietet Jesus? Vor allem Liebe (Joh. 13,35). Nun, ich verstehe, wenn manche Christen sich aus Unachtsamkeit ablenken lassen und deshalb eine Zeit lang es vergessen Liebe zu empfangen und weiterzugeben, aber davon spricht Johannes nicht. Er spricht vielmehr von denen, die Gottes Liebe nicht in sich haben, Punkt:

Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis… (1.Joh. 2,11)

Johannes beschreibt diejenigen, die in den Fussstapfen Kains folgen. Wie Brian Zahnd sagen würde: Joahnnes spricht von gottlosen Menschen, die in ihrem Flug noch nicht den Orbit der Achse der Liebe erreicht haben.

Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollendet. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind. Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch so leben, wie er gelebt hat. (1.Joh. 2,5-6)

Wieder liest der unsichere Gläubige eine Bedingung in diese Verse hinein. Ich sollte besser gehorchen, um mir meinen Weg ins Reich Gottes zu verdienen. Ich muss so leben, wie Jesus gelebt hat. Doch Johannes sagt nichts dergleichen. Lies diese Verse noch einmal. Johannes sagt, dass Gehorsam eine Frucht und keine Wurzel ist. Es ist ein natürliches Nebenprodukt, das aus der Verbindung zu Jesus, dem Weinstock, entsteht, wenn wir ihm erlauben sein Leben durch uns zu leben.

Wenn wir Vers 5 genau untersuchen, sehen wir zwei Schlüsselgedanken:

  1. unser Worthalten (bzw. Gehorsam)
  2. Gottes vollendende Liebe

Was kommt zuerst? Antwort: Gottes Liebe. Johannes sagt: “Daran erkennen wir, dass Gottes Liebe ihr Werk in uns vollendet hat, dass wir sein Wort halten.” Erkennst du es jetzt? Gottes Liebe kommt immer zuerst. Johannes reitet darauf immer wieder herum: “Wir lieben, leben, halten sein Wort und tun alles andere, weil er uns zuerst geliebt hat” (siehe 1.Joh. 4,14).

Gottes Liebe zu empfangen und beständig in ihr zu bleiben ist das Fundament unseres ganzen Wandels und Lebens. Wer lebt, wie Jesus gelebt hat? Ganz sicher nicht der gestresste und ängstliche Heuchler. Jesus war nich gestresst und ängstlich, was seinen Wandel anging. Es ist auch nicht der, der auf uns wütend ist, weil wir anstelle von Buße die Gnade Gottes predigen. Der, der die Gnade Gottes genannt wird, war nie wütend auf Gnade!

Wer lebt also wie Jesus gelebt hat? Es ist der, der sicher in der Liebe seines Vaters ruht.

Der Jünger, den Jesus lieb hat

Der Apostel Johannes besaß eine Erkenntis über die Liebe Gottes, die über die der anderen Jünger hinaus ging. Nicht umsonst nannte er sich den Jünger, den Jesus lieb hatte (siehe Joh. 20,2; 21,7). Ich bin mir sicher, dass Jesus alle seine Jünger geliebt hat, aber Johannes wurde von seiner Liebe verwandelt. Er liebt mich! Ich bin etwas Besonderes. Ich bin der Jünger, den Jesus lieb hat!

Du solltest dich selbst genauso betrachten. Betrachte dich als “den Jünger, den Jesus liebt” oder “den geliebten Sohn des Vaters”. Das bedeutet nicht arrogant zu sein, sondern Jesus das zu geben, wofür er gekommen ist: dein Herz!

Paul Ellis, ehemaliger Pastor und Universitätsprofessor, ist der Autor des Buches “Das Evangelium in zehn Wörtern”. Er schreibt regelmäßig über die gute Nachricht der erstaunlichen Gnade Gottes auf EscapeToReality.org (englisch). Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Auckland, Neuseeland.