Vor Kurzem stieß ich beim Stöbern im Internet auf Debatten zwischen Moslems und Christen. Als ich mir einige dieser Videoclips ansah, war ich überrascht, dass die Argumente der Moslems gegen das Christentum sich scheinbar auf zwei Punkte konzentrieren.

  1. Jesus ist nicht Gott und auch nicht sein einzig geborener Sohn.
  2. Der Mensch kommt nicht als Sünder auf die Welt.

Interessanterweise sind Moslems recht zufrieden damit, Jesus auf eine begrenzte Art und Weise als “Sohn” Gottes anzunehmen, weil sie anerkennen, dass wir im gewissen Sinne ebenfalls Söhne Gottes sind. Sie sind jedoch absolut dagegen, dass er in besonderer Weise göttlich sei. Sie sehen ihn vielmehr als einen großen Propheten an, auf ähnliche Weise wie Abraham oder Mohammed. Sie lehnen die Vorstellung, dass er eine Göttlichkeit oder gar der einzig geborene Sohn Gottes sei, vehement ab. Interessant fand ich, dass sie gerne solche Verse aus der Bibel zitieren, die von Jesus als dem Sohn Gottes sprechen, aber sorgfältig solche Verse meiden, die ihn als den “eingeborenen Sohn” offenbaren.

Diese zwei Punkte haben mich ganz besonders verblüfft, weil sie gerade die Punkte sind, auf die wir uns in unserem Missionswerk seit einigen Jahren auf besondere Art und Weise konzentrieren. Je mehr ich mich mit diesen Fragen auseinandersetze, desto überzeugter bin ich, dass sich die wichtigsten Aspekte des Christentums um diese zwei Punkte drehen. Es ist unmissverständlich klar geworden, dass Satan fieberhaft daran arbeitet, dass die Welt die Wahrheit in diesen zwei Bereichen nie erfährt. Umgekehrt brauchen deshlab vor allem Christen gerade in diesen zwei Bereichen ein richtiges Verständnis.

Diese zwei Punkte befinden sich an der Spitze der wichtigsten Wahrheiten des Christentums. Sie haben über die Jahrhunderte hinweg für unzählige hitzige Debatten gesorgt und sind auch heute noch die Ursache vieler Reibereien und Spaltungen. Wenn wir jedoch sorgfältig über diese Angelegenheit nachdenken, erkennen wir, dass diese zwei Punkte unzertrennlich zusammengehören. Jesus kam um der Erlöser der Menschheit zu sein – um den Menschen von seinen Sünden zu befreien. Um dies zu bewirken musste er ein göttliches Wesen sein. Er musste mehr als nur ein bloßer Mensch sein. Wenn jedoch geleugnet wird, dass der Mensch ein Sünder ist, warum sollte er dann einen Erlöser brauchen? Wozu sollte dann ein göttlicher Christus kommen? Aus diesem Grund betrachten diejenigen, die den innewohnenden sündigen Zustand des Menschen leugnen, Jesus lediglich als einen großen Propheten oder bestenfalls als ein außergewöhnliches Beispiel für das aufrichtige Leben, das Gott nach ihrem Verständnis vom Menschen verlangt.

Braucht der Mensch einen Erlöser?

Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. (Matth. 1,21)

Der Auftrag Jesu stand bereits lange Zeit vor seiner Geburt fest. Er kam um sein Volk von ihren Sünden zu retten. Erst vor Kurzem ist mir klar geworden wie einzigartig und revolutionär dieses Konzept ist. Es gibt außer dem Christentum meines Verständnisses nach keine andere Religion, die lehren würde, dass die Menschheit einen Erlöser von Sünde brauche. Wenn wir betrachten wie tief die Sünde in der Erfahrung der Menschheit eingebettet ist, scheint dies recht erstaunlich zu sein, und wir werden gleich sehen warum.

Was meint die Bibel, wenn sie sagt, dass Christus sein Volk von ihren Sünden retten würde? Im Allgemeinen stimmen Christen darin überein, dass es drei Aspekte der Sünde gibt, von denen der Mensch Befreiung braucht.

  1. Der Mensch braucht Befreiung von der Strafe für die Sünde.
  2. Der Mensch braucht Befreiung von der Kraft der Sünde.
  3. Der Mensch braucht Befreiung von der Gegenwart der Sünde.

Natürlich sind sich in diesen Punkten beinahe alle Religionen einig. Alle erkennen an, dass es Sünde in der Welt gibt und Gott eines Tages sein Volk von der Gegenwart der Sünde befreien wird – entweder dadurch, dass er das sündige Umfeld wegnimmt oder indem er sein Volk aus dem Umfeld der Sünde herausnimmt.

In der Christenheit herrscht jedoch über den ersten Punkt – die Strafe für die Sünde und die dadurch entstehende Schuld – große Verwirrung. Diese Verwirrung hat einige der abscheulichsten Lehren hervorgebracht, wie beispielsweise die Lehre von der ewig brennenden Hölle und natürlich die damit verbundenen Verzerrungen des Charakters Gottes. Dies hat auch zu verworrenen Ansichten darüber geführt, wie Jesus den Menschen von der Sünde rettet und was dies bedeutet. Diese Verwirrung und die daraus entstandenen unbiblischen Lehren haben dem Islam den meisten Vorteil verschafft. Aufgrund der Irrlehren, die vom populären Christetum gelehrt werden, sind Moslems in der Lage mit unserem eigenen Buch, der Bibel, zu demonstrieren, dass unsere Vorstellungen unlogisch, verwirrend, gotteslästerlich und letztendlich falsch sind.

Die große Mehrheit des Christentums lehrt, dass Schuld dann entstehe, wenn wir sündige Taten begingen. Die daraus resultierende Schuld bzw. die Aufzeichnung der Sünde könne nicht einfach so vergeben oder ausgelöscht werden. Der Sünder müsse wegen seiner Sünden bestraft werden, ungeachtet dessen ob sie ihm leid tun oder nicht. Und der einzige Weg, auf dem die Gerechtigkeit zufriedengestellt werden könne, sei, wenn der Sünder oder jemand an seiner Stelle sterbe. Dies wirft einige Fragen auf, auf die es keine zufriedenstellenden Antworten gibt. Hier sind einige Beispiele: Warum vergibt Gott seinen Kindern nicht einfach, wenn sie ihre Sünden bereuen? Warum verlangt er den Tod? Was für eine Art von Gerechtigkeit akzeptiert den Tod einer Person als Bezahlung für ein Verbrechen, das eine andere Person begangen hat? Dies sind Fragen, die von der weitverbreiteten christlichen Ansicht aufgeworfen werden, dass Jesus angeblich deshalb starb um die Strafe der Sünde zu bezahlen. Doch wem gegenüber sollte er bezahlen? Wie ich bereits sagte, ist dies der Bereich, in dem der Islam viel Kraft zur Kritik am Christentum findet.

Was den zweiten Punkt anbelangt, sind sich Christen im Grunde darüber einig, dass die Neigung zur Sünde (die Kraft der Sünde) in uns Menschen so stark ist, dass es in unserem Leben einen göttlichen Eingriff notwendig macht, ohne die wir der Kraft der Sünde nicht widerstehen könnten. Die Bibel lehrt dies unmissverständlich, weshalb der Islam um diese Wahrheit nicht herum kommt. Moslems stimmen dem nicht zu, dass wir in uns selbst zur Gerechtigkeit unfähig seien. Sie sind deshalb große Feinde des Apostels Paulus, den sie als den Erfinder dieser Vorstellung ansehen, dass der Mensch aus sich selbst unfähig sei Gutes zu tun. Es ist jedoch offensichtlich, dass Jesus diese Wahrheit genauso eindringlich gelehrt hat, wie Paulus. Seine Lehre war: “ohne mich könnt ihr nichts tun.” (Joh. 15,5)

Moslems argumentieren, dass Gott nicht zuerst jemanden sterben sehen müsse, bevor er vergeben könne, womit sie natürlich auch vollkommen recht haben. (Für ein besseres Verständnis darüber warum Jesus wirklich sterben musste, empfehlen wir den Artikel “Warum musste Jesus sterben?” in Ausgabe Nr. 11, Jan. 2007. Auch als Video auf www.youtube.de/heartfortruthvideos.) Das weitverbreitete Christentum bietet keine vernünftige Antwort auf diese Frage. Sie bestehen aber darauf, dass der Mensch von Geburt an die Fähigkeit besitze ein gutes, aufrichtiges und sündloses Leben zu führen. Sie lehnen es kategorisch ab, dass der Mensch in einem sündigen Zustand auf die Welt komme und bestehen vehement darauf, dass wir bei unserer Geburt rechtschaffen und rein seien.

Warum Moslems hingegen nicht akzeptieren können, dass die Menschheit einen Erlöser von Sünde braucht, ist nicht schwer zu erkennen. Nach ihrem Verständnis stellt Sünde kein wirkliches Problem dar. Sie betrachten vielmehr die Entscheidungen des Menschen entweder Gutes oder Böses zu tun als das wahre Problem. Sie glauben, dass der Mensch bereits vollkommen fähig sei gerecht und gut zu handeln und deshalb keinen Erlöser brauche, der ihn dazu zuerst befähigen müsse. Ihrem Glauben nach braucht der Mensch nur noch den Weg des Islam zu wählen um die Sünde auf der Welt auszuradieren. Sie glauben, dass der Gehorsam gegenüber den Gesetzen des Islam die Antwort auf die Sünde im Menschen sei. Das ist der Grund dafür, warum Moslems davon überzeugt sind, dass die Religion des Islam die Grundlage einer jeden Regierung sein sollte. Ihrem Glauben nach ist das das einzige, was die Welt braucht um perfekt zu sein. Welche Notwendigkeit gibt es dieser Einstellung nach für einen Erlöser, oder gar einen göttlichen Erlöser? Der Islam lehnt die Vorstellung kategorisch ab, dass Jesus, der geborene Sohn Gottes, unser Erlöser, sei.

Viel erstaunlicher ist aber die Tatsache, dass es Christen gibt, die mit dem Islam darin übereinstimmen, dass der Mensch mit der angeborenen Fähigkeit auf die Welt komme, das Gute wählen und tun zu können. Ihr Verständnis ist, dass wir lediglich von der Schuld und der Strafe der Sünde einen Erlöser bräuchten, dass uns jedoch die Kraft die Sünde zu überwinden angeboren sei und wir in diesem Bereich deshalb keinen Erlöser nötig hätten.

Was sind die praktischen Auswirkungen eines solchen Glaubens? Jesus wird als eine Person betrachtet, die vor zweitausend Jahren kurz in das Geschehen der Weltgeschichte eingegriffen hat um die Strafe für die Sünden der Menschheit wegzunehmen. Dies tat er, indem er am Kreuz brutal hingerichtet wurde. Heute lebt er Milliarden von Lichtjahren entfernt an einem Ort, den man Himmel nennt, wo er weiterhin daran arbeitet Vergebung für unsere Sünden zu bewirken, die wir gegenwärtig begehen. Dies ist jedoch alles, was Jesus tut. Es gibt keine praktische und buchstäbliche Interaktion zwischen ihm und seinem Volk, weil es dafür gar keinen Bedarf gibt. Wir kommen bereits mit allem ausgerüstet auf die Welt, was wir für ein Leben des Wohlgefallens vor Gott brauchen. Folglich arbeitet Jesus gegenwärtig auch nicht daran uns Sieg über Sünde zu schenken, sondern vielmehr daran, Vergebung für unsere Sünden zu erlangen. Ein Bruder drückte es einmal so aus: “Jesus sagt: ‘Wie du siehst, habe ich dir eine reine Weste gegeben, nun sieh du zu, dass du sie auch rein hältst.’”

Der Sohn Gottes

Während ich mir diese Debatten zwischen Christen und Moslems anschaute, war es  interessant zu sehen, dass die Moslems den Christen immer wieder eine Herausforderung zuwarfen, der die Christen nicht gewachsen waren. Diese Herausforderung lautete: “Zeigt uns einen Vers – nur einen einzigen – in dem Jesus klar sagt, dass er Gott ist!” Die Bemühungen der Christen solch einen Vers zu zeigen waren jämmerlich. Sie redeten um den heißen Brei herum, konnten aber solch einen Vers nicht aufzeigen. Dann zeigten ihnen die Moslems freudig die Verse, wo Jesus von sich sagt, dass er der Sohn Gottes ist und betonten, dass dies die Aussage Jesu über sich selbst sei. Das Problem ihrer Argumentation war jedoch, dass sie danach versuchten aufzuzeigen, dass wir ebenfalls Söhne Gottes seien. Die Schlussfolgerung? Jesus war demnach – wenn auch gar ein großer Prophet – ein bloßer Mensch, wie wir alle.

Mein Herz brannte in meiner Brust, während ich zuschaute. Keine von beiden Seiten erwähnte auch nur, dass Jesus der einzig gezeugte Sohn Gottes ist! Die Moslems machten sorgfältig einen großen Bogen um Johannes 3,16 und die Christen genauso! Die Christen benutzten diesen Vers deshalb nicht, weil sie ihre ganzen Anstrengungen darauf konzentrierten zu beweisen, dass Jesus Gott selbst sei! Sie versuchten zu beweisen, dass Gott eine Dreieinigkeit und Jesus ein Teil dieses drei-in-einem Wesens sei. Deshalb wagten sie es nicht in irgend einer Weise zu betonen oder auch nur darauf hinzuweisen, dass er im wortwörtlichen Sinne der Sohn Gottes sei. Einer von ihnen erklärte, Jesus sei der “einzigartige” Sohn Gottes. Doch natürlich bedeutet dies im trinitarischen Wortgebrauch lediglich, dass er die Rolle eines Sohnes spiele, aber nicht im wahrsten Sinne des Wortes der aus dem Vater geborene bzw. von ihm gezeugte Sohn Gottes sei. Die Moslems hingegen mieden es ganz vorsichtig zu sagen, dass Jesus Gottes einzig gezeugter Sohn sei, weil dies klar aufgezeigt hätte, dass er ein göttliches Wesen ist, was sie ja vehement abstritten. Eine ihrer fundamentalen Glaubensüberzeugungen ist, dass Allah “weder zeugt noch selbst gezeugt ist.” Doch ironischerweise erklärten mehrere dieser moslemischen Debattierer: “Ich glaube jedes Wort, das Christus gesprochen hat.”

Es war in gewisser Weise recht amüsant und doch tragisch zu sehen, wie diese zwei völlig entgegengesetzten Religionsgruppen sich derart ironisch einmütig gegen die größte Wahrheit von allen stellten: Jesus Christus ist der eingeborene Sohn Gottes! Man erkennt deutlich, dass es Satan egal ist, welche religiösen Vorstellungen wir haben, solange wir die Wahrheit leugnen, dass Jesus Christus Gottes gezeugter Sohn und ein göttliches Wesen ist; dass er wharhaftig aus Gottes eingener Natur und seit den Tagen der Ewigkeit aus Gott geboren ist.

Die Bibel hebt die Wahrheit, dass Jesus Gottes Sohn ist, als eine entscheidende Wahrheit hervor, deren Verständnis für uns lebensnotwendige Wichtigkeit besitzt. Der Apostel Johannes erklärt sogar, dass dies eine Wahrheit ist, die wir glauben müssen, wenn wir die Welt überwinden wollen.

Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus Gottes Sohn ist? (1.Joh. 5,5)

Es überrascht deshalb nicht, dass wir sehen, wie diese Wahrheit von allen Seiten angegriffen wird. Was aber extrem überrascht, ist zu sehen, dass die stärksten Angriffe von bekennenden Christen kommen!

Etwas hat sich tief in meinen Verstand eingegraben während ich diesen Diskussionen zuhörte. Es ist die Tatsache, dass das trinitarische Christentum gegen Religionen wie dem Islam nicht bestehen kann. Das ist der Grund dafür, warum der Islam weltweit in christlichen Ländern so stark Fuß fassen kann. Ihre Lieblingsmasche ist es die Dreieinigkeit anzugreifen und aufzuzeigen, wie sehr sie sogar dem Buch der Christen – der Bibel – widerspricht. Dies ist für sie ein leichtes Unterfangen, und ab da ist es dann nicht mehr schwierig den Islam als die wahre Religion zu bewerben, weil er wie die Bibel Gott als ein einzelnes Wesen darstellt.

Erbsünde

Der andere Punkt, den die Moslems extrem angriffen, war die Lehre von der Erbsünde. Genauer gesagt spotten sie über die Vorstellungen von vererbter Schuld und innewohnender Verderbtheit. Sie glauben nicht, dass der Mensch aufgrund der Sünde Adams schuldig auf die Welt komme oder von Geburt an unfähig sei das Rechte zu tun. Wie unsere treuen Leser wissen, sind wir hier in unserem Missionswerk absolut gegen das unbiblische Konzept der vererbten Schuld. Wir glauben vielmehr, dass der Mensch mit der Unfähigkeit geboren wird, gerecht leben zu können, wie es die Bibel unmissverständlich lehrt und das Leben derer, die nicht wiedergeboren sind, klar demonstriert. Der Mensch kommt jedoch nicht schuldig auf die Welt, sondern vielmehr in einem Zustand, in dem er für den Himmel untauglich ist, weil es für ihn aufgrund seiner Natur unmöglich ist ein gerechtes Leben zu leben. Aus diesem Grund ist es absolut unumgänglich, dass er von neuem geboren wird.

In einem dieser Punkte glauben Moslems die Wahrheit, in dem anderen Punkt ist ihr Verständnis hingegen falsch. Wir brauchen sehrwohl einen Erlöser von der Kraft der Sünde, wenn wir auf die Welt kommen, aber nicht von der Schuld der Sünde, weil wir nicht schuldig geboren werden. Satan hat jedoch ganze Arbeit dabei geleistet diese beiden Vorstellungen zu einem Klumpen zusammenzukneten und zu behaupten, dass wir entweder beide dieser Gedanken annehmen oder beide verwerfen müssten. Das Christentum hat im Grunde beide diese Konzepte angenommen und lehrt, dass der Mensch sowohl mit Schuld belastet als auch mit der Unfähigkeit Gutes zu tun geboren werde. Der Islam hingegen verwirft beide dieser Vorstellungen und glaubt, dass der Mensch rechtschaffen und gut auf die Welt komme. Darum glaubt der Islam nicht, dass wir einen Erlöser nötig hätten, während das Christentum an den Bedarf nach einem Erlöser glaubt, der uns lediglich von Adams und unserer eingenen Schuld befreien und uns die Kraft dazu geben müsse, gerecht leben zu können.

Hierzu sollte ich erwähnen, dass es einige Christen gibt (von denen einige an die Wahrheit über Gott glauben), die dasselbe Verständnis haben, wie die Moslems: Sie glauben, dass der Mensch vollkommen imstande dazu sei gerecht zu leben. Sie behaupten, dass unser eigentliches Problem darin bestünde, dass wir uns durch ein falsches Verhalten Schuld anhäufen.

Die Argumente der Moslems gegen die Lehre der vererbten Schuld sind interessant und überzeugend: Wie kann Gott einen Menschen aufgrund der Taten eines anderen Menschen schuldig sprechen? Das ist die Frage, die sie stellen. Adam sündige und Gott sagte: “du musst für den Rest deines Lebens den Garten Eden verlassen und für dein Brot hart arbeiten. Als Strafe für deine Sünde müssen Frauen ihre Kinder unter Schmerzen gebären.” Aber das reichte noch nicht, und Gott sagte: “du wirst dein Leben in Kummer und Leid verbringen, wirst sterben und danach die ganze Ewigkeit in Höllenqual verbringen.” Aber das reichte immer noch nicht, und Gott sagte: “Ich werde deine Schuld in allen nachfolgenden Generationen auf deine Kinder übertragen.” Und Moslems fragen: “Ist das die Gerechtigkeit des Gottes der Christen? Ergibt das für euch Christen Sinn?” Und dies sind durchaus faire und berechtigte Einwände. Das Konzept der vererbten Schuld malt kein gutes Bild von Gott.

Ein anderes Argument, das sie oft aufbringen, ist die Frage: “Warum muss Gott zuerst seinen Sohn töten, bevor er die Sünden der Menschen vergeben kann? Wenn uns jemand Leid zufügt und uns danach um Vergebung bittet, dann vergeben wir ihm. Warum tut Gott nicht dasselbe? Warum muss er zuerst seinen Sohn sterben sehen um vergeben zu können?”

Das sind logische Einwände, und sie stellen in der Tat die großen Argumente dar, die sich gegen die Theologie der breiten Masse der Christen richten. Sie sind jedoch keine Argumente gegen die Lehren der Bibel, sondern vielmehr gegen die falschen traditionellen Vorstellungen, die im Namen des Christentums gelehrt werden. Es ist keine biblische Lehre, dass der Mensch mit der Schuld Adams geboren wird. Dies ist eine falsche Vorstellung. Schuld ist nicht von einer Person auf eine andere übertragbar. Der Einzige, der die Schuld für eine Sünde trägt, ist die Person selbst, die die Sünde begangen hat. Moslems haben völlig recht damit, wenn sie diese Lehre kritisieren und ablehnen. In diesem Punkt sind sie im Einklang mit der Bibel. Die Wahrheit über Gottes Charakter kommt im folgenden Vers zum Ausdruck:

Denn eine Seele, die sündigt, die soll sterben. Der Sohn soll nicht die Schuld des Vaters tragen, und der Vater soll nicht die Schuld des Sohnes tragen; sondern die Gerechtigkeit des Gerechten soll über ihm sein, und die Ungerechtigkeit des Ungerechten soll über ihm sein. (Hes. 18,20)

Gott zieht einen Menschen nicht für die Sünde eines anderen zur Verantwortung.

Was die Bibel jedoch lehrt, ist, dass die Konsequenzen der Sünde eines Menschen sich auf andere übertragen können. Dies ist kein juristischer Urteilsspruch, der von Gott auferlegt wird. Es ist der natürliche Ablauf der Welt, das Naturgesetz des Lebens. Dies wird nicht nur klar in der Bibel gelehrt, sondern offenbart sich auch in allen Aspekten des Lebens. Wenn Kinder mit körperlichen Behinderungen, Krankheiten und Schwachheiten geboren werden, dann ist es nicht ihre Schuld, sondern hat vielmehr damit zu tun, was sie von ihren Eltern oder Großeltern geerbt haben. Dieses Gesetz der Kosequenz existiert gleichermaßen im geistigen wie im physischen Bereich. Das ist auch der Grund dafür, warum ein jeder Mensch unfähig zur Gerechtigkeit auf die Welt kommt. Als Adam sündigte, traf er stellvertretend für die ganze menschliche Rasse eine Entscheidung. Er brachte Elemente in den menschlichen Lebensfluss hinein, die alle seine Nachkommen der moralischen Fähigkeit beraubt haben. Die Menschheit wurde dadurch unfähig zur Gerechtigkeit.

Denn genau wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern geworden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten. (Röm. 5,19)

Dies ist die Realität, die die Moslems verwerfen. Erstaunlicheweise gibt es aber auch Christen, die darin dem Islam vollkommen zustimmen, indem sie glauben und lehren, dass der gefallene Mensch bei seiner Geburt sofort zu gerechten Taten fähig sei! Sie glauben offenbar, wie auch der Islam, dass der Eintritt der Sünde in die Welt die Menschheit lediglich auf physischer Ebene betroffen habe, sie geistlich und moralisch hingegen immer noch genauso zur Gerechtigkeit imstande sei. Diese durch und durch falsche Vorstellung bildet das Fundament der Lehre, dass der Mensch lediglich einen Erlöser von seinen Umständen brauche, jedoch nicht von sich selbst.

Betonung liegt auf dem Gesetz

Dies ist auch der Grund dafür, dass in Religionen wie dem Islam und dem Judentum so große Betonung auf Gebote und Gesetze gelegt wird und weshalb auch unter Christen, die diese Ansicht vertreten, das Gesetz weit über Christus hinaus erhöht wird. Sie glauben, dass der Mensch lediglich Moralgesetze und das Wissen über richtig und falsch brauche und sonst nichts, weil er ja bereits völlig zum Gehorsam fähig sei. Dadurch wird die Betonung der Wichtigkeit eines Erlösers überflüssig. Dies ist eine entsetzliche Realität. Die traurige Tatsache ist aber, dass diese Ansicht unter Siebenten-Tags-Adventisten – sowohl in der offiziellen Gemeinschaft als auch unter den unabhängigen Adventisten – weit verbreitet ist. Viele haben in ihrem praktischen Christenleben so wenig Interesse an Jesus, dass beinahe alles andere wichtiger zu sein scheint als er. Sie sorgen sich ununterbrochen darum, was sie essen, welche Kleidung sie tragen, welche neuen Vorschriften und Satzungen sie halten und wie sie den Sabbat feiern sollen usw. Das ist leider die entsetzliche Wahrheit. Dieses Missverständnis offenbart sich in der Vielzahl gesetzesbezogener Irrtümer, die im Adventismus im Überfluss vorhanden sind, wie z.B: das Halten der jüdischen Feste, die Beobachtung der Neumondsabbate, die Verwendung der “heiligen Namen” Gottes usw. Der Grund für das Interesse an diesen Dingen ist die Tatsache, dass diese Menschen die Wahrheit über sich selbst und ihre Not nach einem gegenwärtigen Erlöser von ihrer Natur nicht erkennen. Sie glauben, dass sie lediglich Moralgesetze bräuchten und den Rest dann schon alleine hinkriegen könnten. Sie leben mit der falschen Vorstellung, dass sie nichts anderes bräuchten als mehr Gesetze und Anweisungen und sind überzeugt davon, dass dies der Schlüssel zur Überwindung der Sünde und der Weg zur Vollkommenheit sei!

Aus diesem Grund drehen sich die Konflikte zwischen den verschiedenen Religionen in den meisten Fällen um die Frage, welchen Gesetzen man gehorchen müsse. Moslems sagen: “Unsere Gesetze sind besser als eure!” Adventisten sagen: “Unsere Gesetze sind besser als eure – besonders der Sabbat! Wenn du diesem Gesetz nicht gehorchst, dann bist du in Schwierigkeiten!” Gesetze haben jedoch noch nie jemanden gerettet und das werden sie auch nie. Was wir brauchen, ist eine Neugeburt. Der Mensch braucht eine Infusion neuen Lebens in sein Wesen, um eine neue Natur zu besitzen, und dann werden die Gesetze von ganz allein ihren Platz finden. Gott sagt, dass er selbst sein Gesetz in den Sinn und das Herz derer schreiben wird, die von neuem geboren sind. Um das Gesetz brauchen wir uns keine Gedanken zu machen. Was wir brauchen ist Christus!

Die Juden warten auf einen Messias, der sie zu universeller Herrschaft erheben wird; sie suchen nach einem Befreier, der alle Nationen unter ihre Füße treten wird. Die Moslems warten darauf, dass die Religion des Islam auf der ganzen Welt aufgerichtet wird, was nach ihrer Vorstellung Vollkommenheit bedeutet. Keine Religion erkennt an, dass der Mensch ein Problem mit seiner Natur hat. Deshalb sehen sie auch nicht, dass die Menschheit göttliche Hilfe braucht um ihre Unfähigkeit und Verderbtheit zu überwinden. Aus diesem Grund ist für sie Jesus als Erlöser von der Sünde völlig bedeutungslos.

Wie sieht es aber mit Christen aus, die eine ähnliche Sichtweise haben, wie diese falschen Religionen? Sie stimmen dem zu, dass wir einen Erlöser von unserer Schuld brauchen. “Wir haben gesündigt”, so sagen sie, “und nun muss ein Preis bezahlt werden, damit die Strafe für unser Vergehen erlassen werden kann. Jesus hat diesen Preis bezahlt, und das war alles, was wir im Grunde brauchten.” Nun warten sie, wie die Juden und Moslems, auf einen Messias, der ein physisches “Nimmerland” aufrichten soll. Aber die Wirklichkeit dessen, dass die Natur des Menschen einer kompletten Transformation bedarf, wird ignoriert und sogar geleugnet. Das Ergebnis dessen ist ein Schein der Frömmigkeit, der es an jeglicher geistlichen Kraft mangelt. Was bleibt, ist ein selbstgerechter Betrug, wo fleischlich gesinntes Verhalten als “Gerechtigkeit” anerkannt wird und wo man vergeblich mit menschlicher Kraft darum ringt “etwas Reines aus etwas Unreinem hervorzubringen”.

Doch sowohl die Bibel als auch die Erfahrung bezeugen, dass dieser Zustand innerer moralischer Verderbtheit von Natur aus in allen Menschen existiert. Dieser Zustand kann nur durch eine Wiedereinführung eines fehlenden Elementes in den menschlichen Lebensfluss erreicht werden, das uns dazu befähigt Gutes zu tun. Aus diesem Grund brauchten wir einen Erlöser. Und das ist auch der Grund dafür, warum dieser Erlöser weitaus mehr sein musste, als nur eine Mensch. Er musste dieses Element, das uns fehlte, in sich selbst besitzen. Er musste die Art von Gerechtigkeit besitzen, die der Mensch von Natur aus nicht in sich hat, sondern Gott allein besitzt. Dieses Element musste er in die menschliche Rasse hineinbringen, damit er es denen weitergeben konnte, die ihn durch den Glauben annehmen.

Von Natur aus gerecht

Doch wie konnte Jesus, als Mensch, diese Art von Gerechtigkeit erlangen? Warum besaß gerade er etwas, was kein anderes menschliches Wesen besaß? Wie konnte er sich als unser Erlöser qualifizieren, als der Eine, der der menschlichen Rasse die Gerechtigkeit Gottes wiedergeben konnte? Von woher hatte er dieses fehlende Element bekommen? Es wird von vielen Adventisten (auch aus den unabhängigen Lagern) allgemein geglaubt, dass Jesus durch sein Verhalten Gerechtigkeit erworben hätte. Er sei während seines Heranwachsens als Mensch gerecht geworden! So erstaunlich diese Schlussfolgerung auch klingen mag, man findet diese Vorstellung meiner Erfahrung nach bei einer beachtlichen Anzahl von Adventisten. Sie gründet auf dem Irrglauben, man könne sich Gerechtigkeit durch richtiges Verhalten ansammeln. Sie glauben Gerechtigkeit sei das Ergebnis guter Taten. Dies ist das Fundament des Glaubens, dass man Gerechtigkeit durch Werke erlangen könne.

Die Bibel lehrt hingegen unmissverständlich klar, dass Gott allein gut und heilig ist (Matth. 19,17; Offb. 15,4). Gott allein ist gerecht. Gott ist gerecht, weil er gerecht ist. Er ist von Natur aus so. Gott handelt gerecht, weil er gerecht ist. Er ist nicht erst durch gerechte Taten gerecht geworden. Der Punkt ist, dass Gerechtigkeit weder eine Sammlung von Taten, noch eine Anhäufung von Verhaltensweisen ist. Gerechtigkeit ist ein Wesenszustand, eine Natureigenschaft.

Hier wird es nun absolut lebenswichtig, dass wir die Wahrheit begreifen, dass Jesus der geborene Sohn Gottes ist! Der einzige Ort im Universum, wo man wahre Gerechtigkeit finden kann, ist der Ort, an dem Göttlichkeit wohnt. Gott allein ist gut (Matth. 19,17). Jesus besitzt Güte von dem Moment seiner Geburt an in sich selbst. Er besitzt von Haus aus eine gute Natur, weil er der Sohn Gottes ist. Der Engel, der der Maria die Geburt Jesu ankündigte, bezeichnete ihn als “das Heilige”.

Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das  von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. (Luk. 1,35)

Ein fehlgeleiteter, adventistischer Prediger im Ruhestand und Leiter eines unabhängigen Missionswerkes lehrt, dass diese Aussage, die Jesus als “das Heilige” bezeichnete, prophetisch zu verstehen sei. Seine Schlussfolgerung ist, dass Jesus bei seiner Geburt noch nicht heilig war, sondern erst während er heranwuchs und ein sündloses Leben führte durch sein Verhalten gerecht wurde! Erstaunlich!

Doch Jesus besitzt dieselbe Natur wie Gott, weil er sein eingeborener Sohn und deshalb von seinem Wesen gezeugt ist. Als er Mensch wurde, ließ er seine göttliche Herrlichkeit zurück und legte seine göttlichen Kräfte ab. Er konnte jedoch nicht sich selbst ablegen und im Himmel zurücklassen. Er war auf der Erde nach wie vor dieselbe Person: Gottes eingeborener Sohn. Er besaß immer noch dieselbe reine und heilige Natur, dieselbe Liebe zur Gerechtigkeit und denselben Hass für die Ungerechtigkeit. Er ließ seinen göttlichen Charakter bzw. seine göttliche Natur nicht im Himmel zurück, denn, wenn er das getan hätte, hätte er auf keine Art und Weise mehr dieselbe Person sein können. Er hätte auch unmöglich ein sündloses Leben leben können.

Unter den vielen Milliarden von Menschen, die es seit der Schöpfung gibt, hat es außer ihm nicht einen einzigen Menschen gegeben, der kein einziges Mal gesündigt hätte. Jesus ist der einzige, der es in diesem Zeitalter der Sünde jemals geschafft hat ohne Sünde zu leben. Was ist der Grund dafür? Denn es gibt immer einen Grund. Der Grund dafür ist, dass Jesus seine eigene Göttlichkeit in die Menschlichkeit hineingebracht hat – seine göttliche Natur, seine Natur unendlicher Reinheit und Güte. Diese Eigenschaft unterschied ihn von allen anderen Menschen. Sie ermöglichte es ihm so zu leben, wie kein anderer Mensch jemals gelebt hat: Er ist der Sünde in einem gefallenen, verdorbenen menschlichen Körper begegnet und hat sie dennoch besiegt.

Du hast die Gerechtigkeit geliebt und die Ungerechtigkeit gehasst; darum hat dich, o Gott, dein Gott mit Freudenöl gesalbt, mehr als deine Gefährten. (Hebr. 1,9) 

Beachte warum Jesus mehr als alle anden Menschen gesalbt wurde: er hat die Gerechtigkeit geliebt und die Ungerechtigkeit gehasst. Deshalb ist es offensichtlich, dass er der einzige Mensch war, der jemals die Gerechtigkeit geliebt und die Ungerechtigkeit gehasst hat.

Die wundervolle Nachricht ist: Jesus ist der Anfang der neuen Menschheit, in der die Göttlichkeit mit der Menschlichkeit vereint ist. Als der “Ewig-Vater” der neuen Menschheit gibt er seinen Kindern sein eigenes Leben weiter. Dies ist die Erfahrung der “Neugeburt”, bei der wir sein buchstäbliches Leben wahrhaftig empfangen und so zu Teilhabern seiner göttlichen Natur werden; wir werden zu Gefäßen des göttlichen Lebens, das er in die Menschheit hineingebracht hat. Wie er sind nun auch wir fähig die gefallene, sündige Natur zu überwinden, weil wir seine göttliche Natur besitzen.