Es gibt zwei Wahrheiten, die ich für unangreifbare Tatsachen halte:

  1. Gott ist treu. Er erfüllt immer seine Verheißungen.
  2. Alle Verheißungen Gottes müssen durch den Glauben empfangen werden. Man kann auf keinem anderen Weg an sie herankommen.

Beachte bitte folgende Veranschaulichung: Wenn ich dir Eintausend Euro entgegenstrecke und zu dir sage: “hier, das gehört dir”, dann brauchst du nur deine Hand auszustrecken und es dir zu nehmen. Du würdest nicht deine Zunge oder deinen Fuß ausstrecken, sondern deine Hand. Warum die Hand? Weil deine Hand das Werkzeug ist, mit dem du Dinge greifst. Sie wurde zu diesem Zweck entworfen, und wenn du sie nicht benutzt, dann kann es sein, dass du viele Geschenke bekommst, die im Endeffekt aber nie in deinen Besitz gelangen. Nicht, weil du keine Geschenke erhalten hättest, sondern weil du sie nie ergriffen hast.

Dies trifft auch auf den geistlichen Bereich zu, mit dem Unterschied, dass wir in diesem Bereich anstelle unserer Hände die Fähigkeit des “Glaubens” dazu benutzen, Gottes Geschenke zu ergreifen. Der Glaube kann jedes Geschenk ergreifen, das uns von Gott verheißen ist. Die Wahrheit ist jedoch, dass unser Glaube, wie eine verkrüppelte bzw. verdorrte Hand, meistens unfähig ist sich das zu nehmen, was uns bereits gegeben ist. Dies ist ein recht passendes Bild. Es ist also nicht so, dass Gott uns nicht gibt, worum wir ihn bitten, sondern vielmehr so, dass wir es uns nicht nehmen, weil unser Glaube verkrüppelt ist. Wir glauben Gott nicht – wir vertrauen ihm nicht. Dies soll keine Kritik sein, und wir müssen uns deshalb auch nicht verurteilt fühlen. Wenn du eine verkrüppelte Hand hättest, gäbe es auch keinen Grund dich deswegen verurteilt zu fühlen. Doch es wäre hilfreich, wenn du etwas dagegen tun könntest. Im Falle des Glaubens, kann unsere verkrüppelte “Hand” gestärkt werden. Und genau das ist auch unser größter Bedarf: dass wir alles tun, was in unserer Macht liegt um gegenüber Gott und seinen Verheißungen vollkommenes Vertrauen zu erlangen.

In Matthäus 17 sehen wir, wie sich dies bewahrheitete, als die Jünger nicht imstande waren aus dem Jungen den bösen Geist auszutreiben. Es war Gottes Wille, dass sie den bösen Geist austrieben, aber sie konnten es nicht. Gott hatte ihnen die Kraft und die Vollmacht dazu gegeben, aber es gelang ihnen nicht. Als Jesus kam, erfüllte er den Willen Gottes. Als Antwort auf ihre Frage: “warum konnten wir den bösen Geist nicht austreiben?”, antwortete Jesus: “wegen eures Unglaubens.”

Das ist auch heute das Problem. Echter Glaube ist leider sehr rar. Der größte Bedarf des Volkes Gottes heute ist es eine Beziehung zu Gott zu haben, wo wir ihm bedingungslos vertrauen. Diese Art von Beziehung und Vertrauen erfordert Arbeit. Es erfordert, dass man allein mit Gott Zeit verbringt; es erfordert die bewusste Bemühung unsere Aufmerksamkeit beständig auf ihn zu richten und unser Leben vollkommen auf ihn auszurichten. Es erfordert Anstrengung, die die meisten Menschen nicht bereit sind aufzubringen, doch die Wahrheit ist, dass kein Weg daran vorbeiführt.

Es gibt ein sicheres Anzeichen dafür, dass unser Glaube kein echter Glaube ist. Betrachten wir einmal ehrlich, wie wir leben. Wie oft am Tag sind wir ihm ungehorsam, selbst in den kleinsten Dingen? Wenn wir Gott jedoch wirklich glauben und ihm vertrauen, wie ist es uns dann möglich bewusst außerhalb seines Willens zu leben? Gerade der Glaube, der uns dazu drängt Gott gegenüber ergeben zu sein, ist derselbe Glaube, der uns befähigt seine Verheißungen zu ergreifen. Doch Eigenwille und Ungehorsam sind klare Anzeichen dafür, dass wir keinen wahren Glauben besitzen.

Deshalb ist es also nicht Gott, der uns seine Segnungen vorenthält, sondern wir sind es, die unfähig sind sie zu ergreifen. Dies ist der wahre Grund für unsere geistliche Armut. Lass uns danach trachten ihn wahrhaftig zu erkennen, damit wahrer Glaube in unseren Herzen entfacht wird und sich all seine wundervollen Verheißungen in unserem Leben erfüllen.