Christen haben das Evangelium auf so viele Dinge bezogen – Dinge anstelle von Christus. Aber es ist Christus, der wie das Ziehen der Schwerkraft alles ausrichtet, zu sich hinzieht und allen Stücken Bedeutung verleiht. Ohne ihn verlieren diese Stücke ihren Wert. Sie sind nichts weiter als abgetrennte Teile, die in den Weiten des Alls herumfliegen. Das betrifft auch unser Leben. Der Schreiber des Hebräerbriefes bezeichnet Jesus als „sicheren und festen Anker der Seele“ (Hebr. 6,17-20). Paulus sagt von Jesus, dass „alles durch ihn besteht“ bzw. zusammengehalten wird (Kol. 1,15-18).

Es ist sehr leicht eine geistliche Wahrheit, Tugend oder Gabe zu betonen und dabei Christus, der die Verkörperung und Fleischwerdung all dieser Dinge ist, aus den Augen zu verlieren. Trachte deshalb nach Christus selbst, klammere dich an ihm fest, lerne ihn kennen, und du wirst den berühren, der das Leben ist. Denn in ihm wohnen alle Wahrheiten, Werte, Tugenden und Gaben in lebendigen Farben. Schönheit findet allein in der Schönheit Christi ihre Bedeutung. Nur in ihm finden wir das, was uns reizend und liebenswürdig macht.

Denk nur an die Dinge, die du in dieser Welt schön findest, ob es Strände, Berge oder Meere sind. Die ganze Schönheit der Natur, der Kunst und der Musik, sind nichts weiter als schwache Abbildungen von Jesus Christus, der das Wesen wahrer Schönheit ist.

Was ist Christentum? Es ist Christus. Nichts mehr und nichts weniger. Christentum ist keine Ideologie oder Philosophie. Es ist auch keine neue Art von Sittlichkeit, sozialer Ethik oder Weltanschauung. Christentum ist die „gute Nachricht“, dass Schönheit, Wahrheit und Güte in einer Person zu finden sind. Und wahre Menschlichkeit und Gemeinschaft gründen auf dieser Person und werden erst durch die Verbindung mit ihr erfahrbar.

Bekehrung ist mehr als ein Richtungswechsel; sie ist ein Verbindungswechsel. Die biblische Bedeutung von „Buße“ weist nicht auf eine Distanzbeziehung hin, in der Gott von der Ferne betrachtet wird, sondern auf eine Beziehung der Nähe, in der man Gott an sich heranlässt und sich seiner Herrschaft der Liebe unterstellt.

In dieser Hinsicht kann man heute eine massive Abkapselung beobachten, und ich glaube, dass die größte Krankheit der heutigen Gemeinde „JDS“ heißt: Jesus-Defizit-Syndrom. Die Person Jesu wird zunehmend als politisch inkorrekt betrachtet und wird durch die Sprache der „Moral“, „Gerechtigkeit“ und „Sittlichkeit“ ersetzt. Die Welt mag Jesus, sie mag nur die Gemeinde nicht. Die Gemeinde hingegen mag immer mehr die Gemeinde, sie mag aber Jesus nicht.

Etwas läuft falsch, wenn es manchen Christen leichter fällt sich eine Welt ohne Christus vorzustellen als ohne ihre weltlichen Stars und Idole. Wenn wir Jesus Christus von seiner rechtmäßigen Stellung entthronen, verschleiern wir das Gesicht des Christentums und definieren es so krass neu, dass es komplett verschwindet.

Könnte unser Problem tatsächlich durch etwas derart einfaches verursacht sein, wie Christus aus den Augen zu verlieren? Ich glaube, dass die Antwort darauf ein schallendes „JA“ ist. Irgend welche anderen Antworten auf das Problem der gegenwärtigen Gemeinde parat zu haben, als Christus, würde bedeuten, dass wir uns eher mit Lösemitteln auskennen als mit tatsächlichen Lösungen.

Aus diesem Grund braucht die Welt mehr als je zuvor ein klares Verständnis von Jesus, und die Geschichte Jesu ist das Auslegungssystem, das alle Wahrheiten im richtigen Licht erklärt. Es ist meine Überzeugung, dass die „gegenwärtige Wahrheit“, die wir nach Gottes Plan verkünden sollen, sich um die absolute Vorrangstellung des Herrn Jesus Christus dreht. Insbesondere müssen wir uns darüber im klaren sein, wie wir eine Frage beantworten wollen.

Wie diese Frage lautet, werden wir im nächsten Artikel behandeln. Bleib dran.

Zusammenhängende Artikel:

Teil 1: „Du aber, für wen hältst du mich?“
Teil 3: Die wichtigste Frage
Teil 4: Gottes Herz offenbart