David Clayton

Ist Jesus Gottes Sohn?

Die Bibel sagt, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist. Es gibt viele Theorien darüber, was dies bedeuten mag und dieses Thema sorgt unter Christen immer wieder für große Auseinandersetzungen. Jesus wird als Gottes “eingeborener Sohn”, Gottes “Erstgeborener” und natürlich auch einfach als “Sohn Gottes” bezeichnet.

Die meisten Christen interpretieren diese Aussagen dahingehend, dass Jesus nur deshalb als Sohn Gottes bezeichnet wird, weil er einfach nur eine besondere Beziehung zu Gott hat. Nur wenige Christen glauben, dass er der buchstäbliche Sohn Gottes ist. Die große Mehrheit glaubt, dass Gott eine Dreieinigkeit sei. In der Dreieinigkeitslehre sind Jesus und Gott der Vater in jeder Hinsicht vollkommen ebenbürtig. Sie sind gleich alt, besitzen dieselbe Autorität und gleichen sich in allen Fähigkeiten und Eigenschaften.
Normalerweise versteht ein Mensch unter einem Sohn ein buchstäbliches, leibliches Kind, das aus dem Leben der Eltern entsteht. Das Leben der Eltern wird an den Sohn weitergegeben, wodurch eine eigenständige Person ins Dasein kommt. Das ist das entscheidende Element, das einen Menschen zum Sohn seiner Eltern macht. Ein Sohn entsteht, indem seine Eltern ihr Leben an ihn weitergeben. Der Sohn besitzt stets dieselbe Natur, wie seine Eltern und oft auch dieselben Fähigkeiten und Eigenschaften. Kein echter Sohn kann jemals so alt sein wie sein Vater. Das ist der Grund dafür, warum Trinitarier gar nicht erst glauben können, dass Jesus der buchstäbliche Sohn Gottes ist, weil sie darauf bestehen, dass beide gleich alt seien und Jesus sein Leben nie von Gott dem Vater empfangen habe.

Der trinitarische “Sohn”

Trinitarier interpretieren die Sohnschaft Jesu auf verschiedene Arten:
1. Manche sagen, dass er erst zum Sohn Gottes wurde, als er vom heiligen Geist im Bauch der Maria gezeugt wurde.
2. Andere sagen, dass er zum Sohn Gottes wurde, als er von den Toten auferstand.
3. Wiederum andere behaupten, dass die Bezeichnung “Sohn Gottes” lediglich ein allgemeiner Titel war, mit dem man sich früher auf Propheten und andere von Gott auserwählte Menschen bezog.
4. Im klassischen Verständnis der Dreieinigkeit, wie sie von der katholischen Kirche und vielen protestantischen Kirchen gelehrt wird, ist Jesus auf eine sehr mysteriöse Art und Weise “Sohn Gottes” und zwar durch den Vorgang einer “ewigen Zeugung”. Das bedeutet, dass er in jedem Augenblick ununterbrochen vom Vater gezeugt wird. Das war nicht etwa eine einmalige Tat Gottes, woraus dann sein Sohn entstand. Diese “ewige Zeugung” ist vielmehr ein nie endender Prozess, der solange andauern wird, solange Gott existiert. Das war schon immer so und wird immer so sein. Dieser seltsame, unerklärliche Glaube wird als “Mysterium” bezeichnet, wie auch all die anderen unlogischen Vorstellungen, die mit der Dreieinigkeitslehre einhergehen.

Wahrheit und Irrtum

In den meisten Fällen, wenn es über ein Thema zwei unterschiedliche Ansichten gibt, liegt gewöhnlich sowohl Wahrheit als auch Irrtum vor. Wenn wir die Bibel sorgfältig untersuchen, erkennen wir in den trinitarischen Ansichten über die Sohnschaft Jesu einige grundlegende Wahrheiten, die jedoch mit einer großen Portion Irrtum vermischt sind.

Die Bibel lehrt, dass Jesus ganze drei Mal auf sehr reale Art und Weise zum Sohn Gottes wurde. Und wenn wir diese drei Geburten Jesu untersuchen, erkennen wir, dass jedes einzelne Mal, wenn er zum Sohn Gottes wurde, es für die Erlösung der Menschheit absolut notwendig war.

Aus dem Tod geboren

Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt: “Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt? “Und wiederum: “Ich werde sein Vater sein und er wird mein Sohn sein”? (Hebr. 1,5)
Früher las ich diesen Vers und glaubte, dass er sich auf die Zeit bezieht, als Jesu vor Ewigkeiten in der Vergangenheit vom Vater geboren wurde. Doch eine gründlichere Untersuchung brachte mich dazu, meine Meinung zu revidieren. In diesem Vers zitiert Paulus Psalm 2,7:
Kundtun will ich den Ratschluss des HERRN. Er hat zu mir gesagt: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. (Psalm 2,7)
Der Apostel Paulus erklärt deutlich, dass sich dieser Psalmvers auf die Auferstehung Christi bezieht. In Apostelgeschichte 13,32-33 sagt er:
Und wir verkündigen euch die Verheißung, die an die Väter ergangen ist, dass Gott sie uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesus auferweckte; wie denn im zweiten Psalm geschrieben steht (Psalm 2,7): Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. (Apg. 13,32-33)
Dieselbe Wahrheit lehrt er auch in Römer 1,4, wo er von Jesus sagt:
und nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten.
Wie wir also überaus deutlich sehen, wurde Jesus zum Sohn Gottes, als er von den Toten auferweckt wurde. Das war der Moment, als Gott sagte: “Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.” Doch die Frage lautet: Auf welche Art und Weise ist er bei seiner Auferstehung zum Sohn Gottes geworden, wenn er doch davor bereits Gottes Sohn war? Wir werden auf diese Frage etwas später näher eingehen. Beachten wir aber zunächst, dass Jesus bei seiner Auferstehung zum dritten Mal zum Sohn Gottes wurde. Er wurde zum Sohn Gottes, weil ihn Gott aus dem Grab holte, indem er ihm Leben gab. Die Quelle seines Auferstehungslebens war Gott.

Hineingeboren in die Menschheit

Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. (Luk. 1,35)
Es gibt wenig Raum für Missverständnisse bezüglich dieses Ereignisses. Der Engel sagt deutlich, dass “das Heilige”, das von ihr geboren werden würde, Sohn Gottes genannt werden würde. Warum? Weil er durch die Kraft des heiligen Geistes gezeugt wurde und deshalb sein Leben direkt von Gott erhielt. Jeder Mensch wird von einem Vater gezeugt und einer Mutter geboren. Doch Jesus hatte keinen menschlichen Vater. Nach biologischen Gesetzen betrachtet hätte er gar nicht existieren dürfen. Doch Gott gab ihm entgegen aller Naturgesetze auf direktem Wege Leben, wodurch Gott zu seinem Vater wurde. Die Quelle seines Lebens als Mensch war Gott. So wurde er bei seiner Zeugung im Bauch der Maria zum Sohn Gottes. Das war das zweite Mal, dass Jesus von Gott gezeugt wurde.

Hineingeboren in das Universum

Als Jesus zum ersten Mal Gottes Sohn wurde, wurde er in das Universum hineingeboren. Das ist die Geburt, die Trinitarier nicht akzeptieren. Aber sehen wir uns doch die biblischen Beweise an. Wir beginnen mit der Aussage des Paulus in Kol. 1,15-17:
Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. (Kol. 1,15-17)

Diese Passage erklärt, dass Jesus der Erstgeborene vor aller Schöpfung ist. Dann fährt Paulus fort und beweist seine Behauptung. Wie tut er das? Er sagt, dass “alles durch ihn geschaffen ist”. Mit anderen Worten: Der Beweis dafür, dass Jesus der Erstgeborene im ganzen Universum ist, ist die Tatsache, dass er alle Dinge geschaffen hat! Er hätte nicht alle Dinge erschaffen können, wenn er nicht vor allen Dinge existiert hätte. Er existierte jedoch vor allen Dingen, weil er noch vor allem Geschaffenen bereits der Erstgeborene war.

Zudem wird die Bedeutung dieser Passage dadurch unmissverständlich, dass Paulus zum Schluss sein Argument wiederholt: es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm.
Diejenigen, die es ablehnen, dass Jesus sein Leben erhalten hat, indem er von Gott geboren wurde, zitieren gerne den Vers, der darauf folgt:
Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, damit er in allem der Erste sei. (Kol. 1,18)

In diesem Vers sehen wir deutlich, dass Paulus Jesus als das Haupt der Gemeinde hervorhebt. Er erklärt, dass Christus der Anfang der Gemeinde ist, das Haupt des Leibes, weil er der Erstgeborene von den Toten ist. Es steht außer Frage, dass er in diesem Vers von der Geburt Jesu bei der Auferstehung spricht. Spricht er aber auch in den zwei vorherigen Versen davon? Ganz und gar nicht! Jeder ehrliche Leser wird den Unterschied sehr leicht erkennen können.

In den ersten zwei Versen geht es Paulus darum, dass Jesus bereits vor allem Geschaffenen existiert haben muss, weil er selbst alles geschaffen hat. Im dritten Vers (Vers 18) verlagert er sein Thema, weil er mit dem Wort “und” einen anderen Gedanken beginnt. Das zeigt, dass er etwas anderes zu dem bereits Gesagten hinzufügen möchte. Zusätzlich zu der Tatsache, dass Jesus der Erstgeborene im Universum ist, ist er ebenso der Erstgeborene in der Gemeinde, sodass er zweifach qualifiziert ist, der Herr von allem zu sein. Das ist der Punkt, den Paulus klarstellt.

Das ist aber nicht die einzige Stelle, wo sich Paulus in ein und derselben Passage auf die zwei Male bezieht, in denen Christus gezeugt wurde. Dasselbe tut er nämlich auch in Hebräer Kapitel 1.
Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt? Und wiederum: Ich werde sein Vater sein und er wird mein Sohn sein? Und wenn er den Erstgeborenen wieder einführt in die Welt, spricht er: Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten. (Hebr. 1,5-6)

Erkennen wir die zwei Zeugungen? Zuerst zitiert er Psalm 2,7, der, wie wir gesehen haben, von der Auferstehung Jesu von den Toten spricht. Zu dem Zeitpunkt sagte Gott: “Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.” Doch dann wechselt er zu der ersten nämlich der ursprünglichen Zeugung Jesu, denn er sagt: “wenn er den Erstgeborenen wieder einführt in die Welt”. Hier spricht er von einer Zeit lange vor seinem Tod, nämlich von seiner Geburt in Bethlehem und bezeichnet ihn diesbezüglich als den “Erstgeborenen”. Diese Bezeichnung “Erstgeborener” bezieht sich ganz klar auf seine ursprüngliche Geburt in der zurückliegenden Ewigkeit und nicht auf den Punkt seiner Menschwerdung, weil er als Mensch nicht der Erstgeborene war. Als Mensch geboren war er der zweite Adam. In dieser Identität war Adam noch vor Jesus Sohn Gottes.

Hinzu kommt, dass uns die Bibel in mehreren Stellen erklärt (allen voran in Joh. 3,16), dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt sandte. Logisches Denken setzt voraus, dass wenn Gott einen Sohn in die Welt gesandt hat, er zunächst einmal einen Sohn gehabt haben musste, um ihn dann auch senden zu können. Es war nicht so, dass Gott Jesus lossandte und Jesus erst nach seiner Sendung dann zum Sohn Gottes wurde. Nein, Jesus war zum Zeitpunkt, als ihn Gott sandte, bereits der Sohn Gottes. Das ist nämlich der Knackpunkt, weil wir gerade daran Gottes Liebe zu uns ermessen können. Seine Liebe steht nämlich in direktem Zusammenhang mit dem Wert seiner Gabe.

Nur einmal ein einzigartiger Sohn

Beachten wir auch, als Jesus aus dem Tod geboren wurde, da wurde er zum Sohn Gottes, indem er Leben von Gott erhielt. Aber in diesem Sinne war er nicht der einzige Sohn Gottes. Er ist der Erstgeborene vor vielen Brüdern. Es wird durch die gleiche Erfahrung auch noch andere Söhne Gottes geben, wenn sie im Tod Leben erhalten.

Als er dann in die Menschheit hineingeboren wurde, war er wieder nicht der einzige Sohn Gottes. Er war der letzte Adam, ein Mensch, der das Leben direkt von Gott empfangen hatte und nicht von einem anderen Menschen. Aber auch in diesem Sinne war Jesus nicht der Erste sondern der Zweite.

Bei seiner ursprünglichen Geburt hingegen, als Jesus ins Universum hineingeboren wurde bzw. ins Dasein kam, wurde er direkt aus dem Wesen Gottes geboren. Was diese Geburt anbelangt, so ist er der eingeborene Sohn Gottes. Er ist der einzige, der auf diese Art und Weise von Gott geboren wurde. Es gibt, gab und wird auch nie einen anderen geben, der in dieser Hinsicht so ist wie er.

Auswirkungen dieser Geburten

Wie ich berets erwähnt habe, war jedes Ereignis, bei dem Jesus zum Sohn Gottes wurde, unerlässlich für unsere Erlösung. Wäre er bei jedem dieser Eregnisse nicht zm wahren Sohn Gottes geworden, wäre keine Erlösung für die Menschheit möglich gewesen. Wir können dieses Thema in diesem kurzen Artikel unmöglich in all seiner Tiefe behandeln, aber ich möchte dennoch erwähnen, warum jede seiner Geburten absolut notwendig war.

Seine erste Geburt als der Eingeborene:

Diese Geburt Jesu, direkt aus Gottes Leben und Substanz ist die Garantie dafür, dass Jesus absolut genauso ist, wie Gott. Er besitzt exakt dieselbe Natur und denselben Charakter wie sein Vater. Das war unverzichtbar für die zukünftige Mission Jesu, die Menschheit zu erretten. Denn um seinen Auftrag erfüllen zu können, musste er:

• jemand sein, der Gott vollkommen repräsentieren konnte
• jemand sein, der in sich selbst gut war, um dann, als er am Kreuz die Menschen vertrat und von Gott getrennt wurde, sich immer noch für Gottes Weg entscheiden konnte.

Seine zweite Geburt als der letzte Adam:

In diesem Sinne war er nicht der einzige Sohn Gottes. Er war die zum zweiten Mal erschaffene Menschheit, die dadurch eine zweite Chance erhielt. Der Grund dafür, dass wir Menschen in ihm Erlösung empfangen können, ist, dass er als Mensch die Sünde und den Teufel besiegt hat. Wäre er nicht zum menschlichen Sohn Gottes (zum letzten Adam) geworden, so hätte er den Kampf nicht an unserer Stelle kämpfen können.

Seine dritte Geburt als die Neuschöpfung:

Er war die Menschheit, die aus dem Tod in ein neues Dasein zurückgekehrt war, wiedergeboren durch die Kraft Gottes als eine brandneue Rasse mit einem ganz anderen Schicksal. In diesem Schicksal ist er nicht einzigartig, denn es wird andere wie ihn geben. Als er durch seine Auferstehung zum Sohn Gottes, verherrlicht und zur vollkommenen Ehre erhöht wurde, öffnete er die Tür für alle, die an ihn glauben, an demselben Vorrecht teilzuhaben, was für uns nur möglich ist, weil er es zuerst erlebt hat.

Ein ewiges Geschenk

Eine Frage hat mein Gemüt viele Jahre lang beschäftigt. Ich habe einige Antworten auf diese Frage gehört, aber keine von ihnen hat mich je zufriedengestellt. Die Frage war: “Welches Opfer brachte Gott dar, als er seinen eingeborenen Sohn gab?” Ich hörte folgende Antworten darauf:
  • Er litt und starb am Kreuz und Gott litt darunter, als er ihn leiden sah. Aber es währte nur ein paar Stunden und dann war es vorbei.
  • Als Jesus Mensch wurde und seine Fähigkeiten auf die der Menschen begrenzt waren, verlor Gott seine innige Gemeinschaft zu seinem Sohn für 33 Jahre. Er erlangte ihn jedoch wieder zurück als Jesus nach seiner Auferstehung verherrlicht wurde.
  • Das Opfer bestand darin, dass Jesus ein Mitglied der menschlichen Rasse wurde und für immer ein Teil dieser niederen Rasse angehören wird.

Als ich aber dieses Thema studierte und die Passagen las, die sich auf die Sohnschaft Jesu beziehen, kam mir ein Gedanke in den Sinn. Zuerst wollte ich ihn nicht gelten lassen, weil er viel zu ungeheuerlich zu sein schien: ein Opfer, das sogar für Gott zu groß gewesen wäre. Je mehr ich diesen Gedanken aber betrachtete und die Bibel studierte, desto logischer wurde er.

Das erste, was mir auffiel, war, dass jedesmal, wenn Jesus zum Sohn Gottes wurde, er eine neue Identität erhielt. Das erste Mal war es bei seinem Ursprung, als er zum ersten Mal ins Dasein kam. Seine Identität war zu der Zeit der eingeborene Sohn Gottes. Das zweite Mal geschah es, als er Mensch und damit ein Teil der gefallenen menschlichen Rasse wurde. Zu der Zeit war seine Identität der Sohn der Maria, der zweite Adam. Das dritte Mal geschah es, als er der Erste der Neuschöpfung war, nämlich die siegreiche, erlöste Menschheit, die von Gott zur höchsten Herrlichkeit und Kraft erhöht wurde.

Was geschah in dem Moment, als Jesus Mensch wurde, mit seiner ursprünglichen Identität als der geborene Sohn Gottes? Paulus sagt in Philipper Kapitel 2 folgendes dazu:
Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, (Phil. 2,5-9)
Jesus, der Sohn Gottes, der in der Gestalt Gottes war, wurde Mensch. Er gab nicht nur vor, ein Mensch zu sein, er legte sich nicht lediglich eine menschliche Maske auf, sondern wurde tatsächlich zu einem Menschen. Das war seine neue Identität, wer er wirklich war. Ja, er war ein Mensch mit einem göttlichen Charakter, ein guter Mensch, aber er war immer noch ein vollständiger Mensch und damit genauso limitiert, wie alle anderen Menschen. Als er Mensch wurde, ließ er seine alte Identität für immer zurück. Es war nichts Ausgeliehenes und auch keine zeitlich begrenzte Veränderung. Gott gab seinen Sohn für immer dahin! Aber es geht noch viel tiefer.
Als Jesus Mensch wurde, nahm er diese neue Identität so an, wie alle anderen Menschen. Er war zunächst ein Fötus im Bauch der Maria, dann wurde er als Baby geboren und wuchs genauso heran, wie alle anderen kleinen Kinder. Und es ist offensichtlich, dass er als Baby keine Ahnung davon hatte, wer er war. Während er aber heranwuchs, nahm er zu an Weisheit und an Wissen und begann irgendwie zu erkennen, dass er ein außergewöhnlicher Mensch war, der einen besonderen Auftrag hatte. Schließlich erkannte er dann, dass er der vormenschliche Sohn Gottes war. Doch wie kam er zu dieser Erkenntnis? Erlangte er zu einem gewissen Zeitpunkt wieder seine Allwissenheit? Konnte er sich plötzlich wieder an alles erinnern, was er vor seiner Menschwerdung erlebt hatte? War er plötzlich zu seiner vorherigen Identität zurückgekehrt?
Die Bibel sagt deutlich, dass Jesus durch Glauben wusste, wer er war. Es war nicht etwas, woran er sich plötzlich erinnerte und er kehrte auch nicht zu seiner ursprünglichen Form zurück. Er wurde sich allmählich dessen bewusst, wer er war, indem es ihm während seines Lebens immer deutlicher offenbart wurde. Vielleicht geschah es durch Träume oder Visionen, aber teilweise gelangte er zu dieser Erkenntnis wahrscheinlich auch durch das Studium des Wortes Gottes. Es wurde ihm aber durch den Glauben bewusst und nicht weil er etwa zu seiner ursprünglichen Form zurückkehrte. Deshalb versuchte Satan auch seine Überzeugung bezüglich seiner Identität zu erschüttern, als er ihn in der Wüste versuchte. Wenn er von sich aus automatisch gewusst hätte, wer er war, wären Satans Versuchungen sinnlos gewesen. Tatsächlich waren sie aber gewaltig, weil Jesus nur durch Glauben wusste, wer er in Wirklichkeit war und dieser Glaube konnte erschüttert werden.

Reinkarnation

Ich erkenne nun, dass Jesu Menschwerdung am besten mit dem Konzept der Reinkarnation verglichen werden kann. Die Reinkarnation ist eine Irrlehre, die von vielen fernöstlichen Religionen gelehrt wird, aber ich glaube, dass sie auf Wahrheit basiert. Gemäß dieser Lehre, wird ein Mensch in ein anderes Leben wiedergeboren und erhält so eine andere Identität ohne Erinnerungen an sein vorheriges Leben. Der Geist in dieser Person ist derselbe, jedoch ohne Kenntnis seines vorherigen Lebens. Wie ich bereits sagte, ist dies eine Irrlehre, mit einer einzigen Ausnahme. Die Reinkarnation geschah ein einziges Mal in der Geschichte des Universums.

Ich glaube, dass genau das mit Jesus geschah, als Gott ihn uns schenkte, weil er in dem Moment seine Identität für immer aufgab und Mensch wurde. Er gab sein Bewusstsein über sein früheres Leben auf, er verlor seine Erinnerungen daran und beendete für immer alle früheren Verbindungen mit Gott, um die menschliche Rasse zu retten! Er wurde wahrhaftig Mensch, er tat nicht nur so. Es war auch keine zeitlich begrenzte Transformation! Das einzige, was er mit sich nahm, als er Mensch wurde, war sein Geist vollkommener Reinheit. Dieser Geist wohnte in einem menschlichen Körper, aber ohne seine Erinnerungen, Kräfte oder sein Bewustsein. Im Grunde war Jesus ein Mensch mit göttlichem Charakter. In dieser neuen Identität geschah es, dass er eine neue Beziehung mit Gott dem Vater aufbaute. Sein ursprüngliches Bewustsein als Sohn Gottes verschwand jedoch für immer.

Deshalb verlor Gott effektiv seinen Sohn für immer. Wenn wir verstehen wollen, was das wirklich bedeutete, dann versuch dir einmal vorzustellen, wie es wäre, wenn dein Ehegatte oder dein Kind für immer seine Erinnerung verlieren würde. Er oder sie würde zwar wieder eine neue Beziehung zu dir aufbauen, könnte aber die ganzen früheren Erinnerungen nie mehr mit dir teilen. Effektiv würdest du mit einem Fremden eine neue Beziehung beginnen. Diese Person würde dir zuhören, wie du von euren vergangenen Erinnerungen erzählst, sie wären für sie jedoch völlig fremd. Ich glaube, dass genau das geschah, als Christus sich entschied, uns zu retten. Er verlor sein Leben für immer und startete ein neues Leben als Mensch. Das ist der Schmerz und der Verlust, den Gott und sein Sohn auf sich nahmen, um uns zu retten!

Könnte selbst Gott solch ein riesiges Opfer darbringen? Und wie sieht es mit seinem Sohn aus? Konnte er solch einer Sache zustimmen? Ja, er konnte zwar wissen, dass er erneut geboren werden und wieder eine neue und genauso innige Beziehung zu seinem Vater aufbauen könnte und das Bewusstsein haben, dass er auf eine Art und Weise weiterexistiert, aber dass er für immer die Vergangenheit verlieren würde ist unbegreiflich.
Welch eine Liebe! Es ist für uns unbegreiflich, wie selbst Gott sich zu solch einem Opfer bereit erklären würde. Wenn wir es aber verstehen, beginnen wir die unermesslich große Liebe Gottes zu uns zu erkennen, indem er für uns seinen Sohn dahingab. Endlich macht es für mich Sinn.

Erstaunlicherweise musste Jesus als Mensch erneut sterben. Und auf eine Art und Weise war es wieder ein ewiger Tod, denn obwohl es nicht in Wirklichkeit geschah, so geschah es im gewissen Sinne doch, da er am Kreuz tatsächlich glaubte, dass er für immer sterben würde. Effektiv brachte er dasselbe Opfer ein zweites Mal dar, welches er bereits einmal dargebracht hatte, als er Mensch wurde. Dieses Mal wurde er jedoch mit derselben Identität wieder zum Leben auferweckt. Und die Art und Weise, wie er Leben erhielt, ist die Art und Weise, wie auch wir Leben erhalten werden. Er wurde zur höchsten Kraft und Herrlichkeit erhöht und zum Herrn des Universums erhoben. Als der eingeborene Sohn Gottes, war das Recht der Herrschaft rechtmäßig sein, doch er gab sie für immer auf als er Mensch wurde. Nun ist er als siegreicher Mensch, der den Namen Gottes gerechtfertigt und seine Feinde besiegt hat, zur Herrlichkeit erhoben und als Herrscher des Universums eingesetzt. In seinem Namen werden sich alle Knie beugen und alle Zungen bekennen, dass er Herr ist, zur Ehre Gottes des Vaters.

Jesus ist erneut zum Herrn aller Schöpfung geworden, doch diesmal mit einer neuen Identität und auf einer neuen Grundlage.