Züchtigung zahlt sich aus

by Erwin Zoor

Züchtigung zahlt sich ausSeitdem ich ein Christ bin beschäftigt mich auch das Thema der christlichen bzw. biblischen Erziehung von Kindern. Dies hat unter anderem auch persönliche Gründe, nicht zuletzt weil ich heute selber Vater bin. (mehr …)

Jesus-Defizit-Syndrom (Teil 2)

by Erwin Zoor
Jesus ist alles

Christen haben das Evangelium auf so viele Dinge bezogen – Dinge anstelle von Christus. Aber es ist Christus, der wie das Ziehen der Schwerkraft alles ausrichtet, zu sich hinzieht und allen Stücken Bedeutung verleiht. Ohne ihn verlieren diese Stücke ihren Wert. Sie sind nichts weiter als abgetrennte Teile, die in den Weiten des Alls herumfliegen. Das betrifft auch unser Leben. Der Schreiber des Hebräerbriefes bezeichnet Jesus als „sicheren und festen Anker der Seele“ (Hebr. 6,17-20). Paulus sagt von Jesus, dass „alles durch ihn besteht“ bzw. zusammengehalten wird (Kol. 1,15-18). (mehr …)

„Du aber, für wen hältst du mich?“ (Teil 1)

by Erwin Zoor
Jesus ist alles

Der Leib Christi befindet sich momentan am Scheideweg. Die zwei üblichen Alternativen sind entweder  nach links oder nach rechts zu gehen. Wir leben jedoch in einer einzigartigen Zeit, in der die Menschen wie erstarrt in beide Richtungen blicken. Sie wollen sich weder nach links noch nach rechts bewegen. Ob bewusst oder unbewusst suchen die Menschen heute nach einer frischen Alternative – einem dritten Weg. Ich glaube, dass dieser Scheideweg heute weder nach rechts noch nach links führt, sondern stattdessen vorwärts oder rückwärts. (mehr …)

Neues Design von HFT

by Erwin Zoor

Die Heart For Truth Webseite hat ein neues Design erhalten. Diese Veränderung hat aber mit mehr als nur einer Erneuerung des Aussehens zu tun. Was vor einigen Monaten mit einem Blog begann, hat sich auf die Erneuerung des ganzen Webseitensystems von Heart For Truth ausgeweitet. Wie einige von euch sicherlich bemerkt haben war die Webseite gestern und auch heute vorübergehend nicht erreichbar. Dies lag daran, dass ich den zur ganzen Webseite mutierten Blog in das Root-Verzeichnis meines Servers bewegen musste, was eine Neuverlinkung aller Inhalte zur Folge hatte. (Einfach gesagt: „viele, viele Arbeit, bis mude und gans kaput.“) (mehr …)

Eine verkrüppelte Hand

by Erwin Zoor

Es gibt zwei Wahrheiten, die ich für unangreifbare Tatsachen halte:

  1. Gott ist treu. Er erfüllt immer seine Verheißungen.
  2. Alle Verheißungen Gottes müssen durch den Glauben empfangen werden. Man kann auf keinem anderen Weg an sie herankommen.

(mehr …)

Welches Gesetz?

by Erwin Zoor
Welches Gesetz?

Dieses beliebte Bild sagt nicht die ganze Wahrheit.

Ich war ein wenig überrascht, als ich nach der Veröffentlichung des Artikels “Ganz Israel wird gerettet” (Leben in Christus 39, Aug. 2012) von unseren Lesern Nachrichten erhielt, dass wir in dem Artikel nicht deutlich genug ausgedrückt hätten, welches Gesetz wir meinen. Hier ist ein Beispiel für solch eine Aussage, die einige Leser für unklar hielten:

“Das Gesetz war eine Notlösung um das Volk zu unterrichten (erziehen) bis der verheißene Same kommen sollte. Das Gesetz hatte ein Ziel, einen Zweck, ein Ende. Als dieses Ziel erreicht war, hatte das Gesetz seinen Zweck erfüllt und seine Befehlsgewalt fand ein Ende.”

Wir entschuldigen uns bei allen Lesern, die den Artikel ebenfalls als verwirrend empfunden haben und möchten hiermit vollkommen klarstellen, welches Gesetz wir gemeint haben.

Ich habe mir den Artikel selbst noch einmal durchgelesen und habe bemerkt, dass ich darin die Formulierung “das System des Gesetzes” viermal benutzt habe. Hier sind einige Beispiele:

“müssen wir es so verstehen, dass sich diese Verwerfung nicht auf die individuellen Menschen bezieht, sondern auf das Erlösungssystem, das mit den Juden in Verbindung stand. Dieses Erlösungssystem war das System des Gesetzes. Das ist es, was verworfen wurde, als die Juden als Volk verworfen wurden.” (Leben in Christus 39, S. 2)

“Als das Gesetzessystem abgeschafft wurde, war es deshalb das jüdische System, das verworfen wurde.” (Leben in Christus 39, S. 3)

Ich dachte, dass solche Aussagen klar ausgedrückt hätten, dass ich damit das Regierungssystem gemeint habe, welches “das Gesetz” genannt und dem Volk Israel am Berg Sinai gegeben wurde. Manche denken sofort an die zehn Gebote, wenn sie das Stichwort “Berg Sinai” hören, doch Tatsache ist, dass am Berg Sinai den Israeliten weit mehr gegeben wurde als nur die zehn Gebote. Die zehn Gebote finden wir in 2.Mose 20,1-17. Sie machen nur einen Teil eines einzigen Kapitels aus, aber das ganze Paket der Gesetze, die am Berg Sinai gegebn wurden, nehmen das gesamte dritte Buch Mose (Levitikus) und den Rest seines zweiten Buches (Exodus) ein. Was dem Volk Israel am Berg Sinai gegeben wurde, war ein komplettes Regierungssystem, mit komplexen Vorschriften und Zeremonien, die den gesamten Aspekt ihres privaten und öffentlichen Lebens regulierten. Und dieses ganze Regierungssystem wurde allgemein als “das Gesetz” bezeichnet. Adventisten haben es sich angewöhnt, dass sie in erster Linie die zehn Gebote meinen, wenn sie  von “dem Gesetz” sprechen, doch dies ist nicht die Praxis im Neuen Testament. Im Neuen Testament beziehen sich die Schreiber mit dem Gesetz in den meisten Fällen auf dieses gesamte Regierungssystem, das das ganze Leben Israels als Nation kontrollierte. In dem besagten Artikel habe ich diese neutestamentliche Verwendungsweise adoptiert und bezog mich in meinen Hinweisen auf das Gesetz auf das gesamte Regierungssystem des Gesetzes und nicht speziell auf die zehn Gebote.

Es ist interessant zu erwähnen, dass im Jahre 1888 ein ähnliches Problem auftrat, als Jones und Waggoner die Aufmerksamkeit der STA-Gemeinde auf Christus unsere Gerechtigkeit lenkten. Ältester Waggoner lehrte, dass das Gesetz, von dem Paulus in Galater spricht, sich auf das Sittengesetz der zehn Gebote beziehe. Dies entfachte starken Widerstand bei einigen der leitenden Brüder, weil manche Dinge, die Paulus im Galaterbrief über das Gesetz sagt, sehr negativ sind. Hier sind einige Beispiele:

Alle, die auf Werke des Gesetzes vertrauen, sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der nicht in allem bleibt, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, indem er es tut! (Gal. 3,10)

Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: Nur der Mensch, der es ganz erfüllt, wird dadurch leben. (Gal. 3,12)

Was soll dann das Gesetz? Es ist hinzugekommen der Sünden wegen, bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung gegeben wurde, und es ist von Engeln verordnet durch die Hand eines Mittlers. (Gal. 3,19)

Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt und eingeschlossen auf den Glauben hin, der offenbart werden sollte. Also ist das Gesetz unser Erzieher gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerechtfertigt würden. Nachdem aber der Glaube gekommen ist, unterstehen wir nicht mehr dem Erzieher. (Gal. 3,23-25)

Waggoner lehrte, dass das hier erwähnte Gesetz die zehn Gebote seien. Seine Gegner sagten hingegen, es beziehe sich auf die Zeremonialgesetze. Interessanterweise erklärte Ellen White, dass es sich auf “beide Gesetze” beziehe!

Man fragt mich, wie es mit dem Gesetz im Galaterbrief aussieht. Welches Gesetz ist der Erzieher, der uns zu Christus führt? Ich antworte darauf: Beide — das Zeremonialgesetz und das Sittengesetz der zehn Gebote. {FG1 246.1}

Offensichtlich meinte sie damit, dass sich Paulus auf das gesamte Gesetzessystem bezog und nicht lediglich auf einen bestimmten Aspekt davon.

Der springende Punkt ist, dass das Gesetz als System das Werkzeug war, wodurch Gott das Volk Israel hunderte Jahre lang regierte und führte. Dies bezieht sich auf das gesamte Gesetzessystem, nicht nur auf einen bestimmten Teil davon. Es war ein Erzieher (Zuchtmeister), der sie lehren, weisen und auf das Kommen des Messias vorbereiten sollte. Als der Messias kam, hatte Gott bereits ein anderes Regierungssystem für sein Volk gelplant. Anstatt sie erneut durch äußerliche Gebote zu führen und zu regieren, hat er seine Gebote nun in ihr Innerstes gelegt, in ihre Herzen und ihre Natur. Wie hat er das vollbracht? Indem er sie mit seinem eigenen Geist erfüllt und ihnen seine göttliche Natur eingeflößt hat. Nun wirken sie auf derselben Grundlage Gerechtigkeit wie Gott: auf der Grundlage einer vollkommen guten Natur. Sie handeln nun nicht mehr aufgrund eines Systems äußerlicher Regierung richtig, sondern weil Gottes Geist in ihren Herzen wohnt. Deshalb sagt Paulus:

Regiert euch aber der Geist, dann seid ihr nicht unter dem Gesetz. (Gal. 5,18)

Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, weil ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade. (Röm. 6,14)

Hesekiel drückt es so aus:

Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euch hineinlegen. Ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich werde meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die nach meinen Geboten leben und meine Rechte halten und danach tun. (Hes. 36,26-27)

Es gab zwei grudlegend verschiedene Systeme: Das eine war das System des Gesetzes, das den Menschen von außen regierte. Es forderte ein richtiges Verhalten und bot oberflächliche Lösungen für die Sünde, berührte jedoch nicht das Herz und seine Beweggründe. Das andere System ist das System des Geistes. Dieses System fordert rein gar nichts, sondern gibt vielmehr ein neues Herz und einen neuen Geist, die Liebe und ein gerechtes Leben produzieren. Dieses zweite System erfüllt die Gerechtigkeit des Gesetzes ohne das Gesetz (Röm. 3,21).

Tatsache ist, dass die zehn Gebote sehrwohl das Verhalten beschreiben, welches sich in einem gerechten Leben offenbart. Deshalb würde ich nie behaupten, dass sie jemals abgeschafft werden könnten. Paulus sagt, dass das Gebot “heilig, gerecht und gut” ist (Röm. 7,12), und er bezog sich in diesem Fall klarerweise auf die zehn Gebote. Sie wurden jedoch als Teil des Gesetzessystems gegeben – ein System, das in seiner Ganzheit und in allen seinen Teilen den Menschen nie gerecht machen konnte. Deshalb war das gesamte Gesetzessystem nur vorübergehend (befristet, zeitlich begrenzt, notdürftig, provisorisch, temporär). Das ist der springende Punkt. Es war das System, das mitsamt seinen Geboten, die sich auf das Äußerliche anstatt auf das Innerliche des Menschen richteten, aufhören sollte.

Gott hatte nie beabsichtigt sein Volk äußerlich zu regieren, weil solch ein System niemals wahre Gerechtigkeit hervorbringen könnte. Stattdessen ist es schon immer sein perfekter Plan gewesen uns durch seinen Geist in unserem innersten Wesen zu erreichen und uns durch seine geistliche Gegenwart in uns zu regieren und nicht durch äußerliche, gesetzliche Vorschriften.

Doch die Bibel lehrt, dass bis zur Verwirklichung seines vollkommenen Plans, also bis zum Kommen des Samens, der dieses perfekte System aufrichten sollte, Gott das Volk Israel unter die Regierung eines zeitlich begrenzten äußerlichen Systems gestellt hatte. Er regierte, disziplinierte und lehrte sie durch strenge Vorschriften, Zeremonien und Ritualien, die alle unter dem Begriff “das Gesetz” zusammengefasst waren und lediglich ihr äußerliches Verhalten zügeln und bändigen sollten. Es war nie sein vollkommener Weg, aber es erfüllte seinen Zweck und bereitete die Juden und den Rest der Welt auf das Kommen der wahrhaftigen Wirklichkeit vor: Jesus Christus (der Same). Er ist Gottes perfekte Antwort auf das Sündenproblem des Menschen.

Ich hoffe, dass diese Erklärung dazu beigetragen hat dieses Thema für diejenigen aufzuklären, für die es unklar war.

David Clayton

Der Islam und das falsche Christentum

by Erwin Zoor
IslamFalschesChristentum

Vor Kurzem stieß ich beim Stöbern im Internet auf Debatten zwischen Moslems und Christen. Als ich mir einige dieser Videoclips ansah, war ich überrascht, dass die Argumente der Moslems gegen das Christentum sich scheinbar auf zwei Punkte konzentrieren.

  1. Jesus ist nicht Gott und auch nicht sein einzig geborener Sohn.
  2. Der Mensch kommt nicht als Sünder auf die Welt.

Interessanterweise sind Moslems recht zufrieden damit, Jesus auf eine begrenzte Art und Weise als “Sohn” Gottes anzunehmen, weil sie anerkennen, dass wir im gewissen Sinne ebenfalls Söhne Gottes sind. Sie sind jedoch absolut dagegen, dass er in besonderer Weise göttlich sei. Sie sehen ihn vielmehr als einen großen Propheten an, auf ähnliche Weise wie Abraham oder Mohammed. Sie lehnen die Vorstellung, dass er eine Göttlichkeit oder gar der einzig geborene Sohn Gottes sei, vehement ab. Interessant fand ich, dass sie gerne solche Verse aus der Bibel zitieren, die von Jesus als dem Sohn Gottes sprechen, aber sorgfältig solche Verse meiden, die ihn als den “eingeborenen Sohn” offenbaren.

Diese zwei Punkte haben mich ganz besonders verblüfft, weil sie gerade die Punkte sind, auf die wir uns in unserem Missionswerk seit einigen Jahren auf besondere Art und Weise konzentrieren. Je mehr ich mich mit diesen Fragen auseinandersetze, desto überzeugter bin ich, dass sich die wichtigsten Aspekte des Christentums um diese zwei Punkte drehen. Es ist unmissverständlich klar geworden, dass Satan fieberhaft daran arbeitet, dass die Welt die Wahrheit in diesen zwei Bereichen nie erfährt. Umgekehrt brauchen deshlab vor allem Christen gerade in diesen zwei Bereichen ein richtiges Verständnis.

Diese zwei Punkte befinden sich an der Spitze der wichtigsten Wahrheiten des Christentums. Sie haben über die Jahrhunderte hinweg für unzählige hitzige Debatten gesorgt und sind auch heute noch die Ursache vieler Reibereien und Spaltungen. Wenn wir jedoch sorgfältig über diese Angelegenheit nachdenken, erkennen wir, dass diese zwei Punkte unzertrennlich zusammengehören. Jesus kam um der Erlöser der Menschheit zu sein – um den Menschen von seinen Sünden zu befreien. Um dies zu bewirken musste er ein göttliches Wesen sein. Er musste mehr als nur ein bloßer Mensch sein. Wenn jedoch geleugnet wird, dass der Mensch ein Sünder ist, warum sollte er dann einen Erlöser brauchen? Wozu sollte dann ein göttlicher Christus kommen? Aus diesem Grund betrachten diejenigen, die den innewohnenden sündigen Zustand des Menschen leugnen, Jesus lediglich als einen großen Propheten oder bestenfalls als ein außergewöhnliches Beispiel für das aufrichtige Leben, das Gott nach ihrem Verständnis vom Menschen verlangt.

Braucht der Mensch einen Erlöser?

Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. (Matth. 1,21)

Der Auftrag Jesu stand bereits lange Zeit vor seiner Geburt fest. Er kam um sein Volk von ihren Sünden zu retten. Erst vor Kurzem ist mir klar geworden wie einzigartig und revolutionär dieses Konzept ist. Es gibt außer dem Christentum meines Verständnisses nach keine andere Religion, die lehren würde, dass die Menschheit einen Erlöser von Sünde brauche. Wenn wir betrachten wie tief die Sünde in der Erfahrung der Menschheit eingebettet ist, scheint dies recht erstaunlich zu sein, und wir werden gleich sehen warum.

Was meint die Bibel, wenn sie sagt, dass Christus sein Volk von ihren Sünden retten würde? Im Allgemeinen stimmen Christen darin überein, dass es drei Aspekte der Sünde gibt, von denen der Mensch Befreiung braucht.

  1. Der Mensch braucht Befreiung von der Strafe für die Sünde.
  2. Der Mensch braucht Befreiung von der Kraft der Sünde.
  3. Der Mensch braucht Befreiung von der Gegenwart der Sünde.

Natürlich sind sich in diesen Punkten beinahe alle Religionen einig. Alle erkennen an, dass es Sünde in der Welt gibt und Gott eines Tages sein Volk von der Gegenwart der Sünde befreien wird – entweder dadurch, dass er das sündige Umfeld wegnimmt oder indem er sein Volk aus dem Umfeld der Sünde herausnimmt.

In der Christenheit herrscht jedoch über den ersten Punkt – die Strafe für die Sünde und die dadurch entstehende Schuld – große Verwirrung. Diese Verwirrung hat einige der abscheulichsten Lehren hervorgebracht, wie beispielsweise die Lehre von der ewig brennenden Hölle und natürlich die damit verbundenen Verzerrungen des Charakters Gottes. Dies hat auch zu verworrenen Ansichten darüber geführt, wie Jesus den Menschen von der Sünde rettet und was dies bedeutet. Diese Verwirrung und die daraus entstandenen unbiblischen Lehren haben dem Islam den meisten Vorteil verschafft. Aufgrund der Irrlehren, die vom populären Christetum gelehrt werden, sind Moslems in der Lage mit unserem eigenen Buch, der Bibel, zu demonstrieren, dass unsere Vorstellungen unlogisch, verwirrend, gotteslästerlich und letztendlich falsch sind.

Die große Mehrheit des Christentums lehrt, dass Schuld dann entstehe, wenn wir sündige Taten begingen. Die daraus resultierende Schuld bzw. die Aufzeichnung der Sünde könne nicht einfach so vergeben oder ausgelöscht werden. Der Sünder müsse wegen seiner Sünden bestraft werden, ungeachtet dessen ob sie ihm leid tun oder nicht. Und der einzige Weg, auf dem die Gerechtigkeit zufriedengestellt werden könne, sei, wenn der Sünder oder jemand an seiner Stelle sterbe. Dies wirft einige Fragen auf, auf die es keine zufriedenstellenden Antworten gibt. Hier sind einige Beispiele: Warum vergibt Gott seinen Kindern nicht einfach, wenn sie ihre Sünden bereuen? Warum verlangt er den Tod? Was für eine Art von Gerechtigkeit akzeptiert den Tod einer Person als Bezahlung für ein Verbrechen, das eine andere Person begangen hat? Dies sind Fragen, die von der weitverbreiteten christlichen Ansicht aufgeworfen werden, dass Jesus angeblich deshalb starb um die Strafe der Sünde zu bezahlen. Doch wem gegenüber sollte er bezahlen? Wie ich bereits sagte, ist dies der Bereich, in dem der Islam viel Kraft zur Kritik am Christentum findet.

Was den zweiten Punkt anbelangt, sind sich Christen im Grunde darüber einig, dass die Neigung zur Sünde (die Kraft der Sünde) in uns Menschen so stark ist, dass es in unserem Leben einen göttlichen Eingriff notwendig macht, ohne die wir der Kraft der Sünde nicht widerstehen könnten. Die Bibel lehrt dies unmissverständlich, weshalb der Islam um diese Wahrheit nicht herum kommt. Moslems stimmen dem nicht zu, dass wir in uns selbst zur Gerechtigkeit unfähig seien. Sie sind deshalb große Feinde des Apostels Paulus, den sie als den Erfinder dieser Vorstellung ansehen, dass der Mensch aus sich selbst unfähig sei Gutes zu tun. Es ist jedoch offensichtlich, dass Jesus diese Wahrheit genauso eindringlich gelehrt hat, wie Paulus. Seine Lehre war: “ohne mich könnt ihr nichts tun.” (Joh. 15,5)

Moslems argumentieren, dass Gott nicht zuerst jemanden sterben sehen müsse, bevor er vergeben könne, womit sie natürlich auch vollkommen recht haben. (Für ein besseres Verständnis darüber warum Jesus wirklich sterben musste, empfehlen wir den Artikel “Warum musste Jesus sterben?” in Ausgabe Nr. 11, Jan. 2007. Auch als Video auf www.youtube.de/heartfortruthvideos.) Das weitverbreitete Christentum bietet keine vernünftige Antwort auf diese Frage. Sie bestehen aber darauf, dass der Mensch von Geburt an die Fähigkeit besitze ein gutes, aufrichtiges und sündloses Leben zu führen. Sie lehnen es kategorisch ab, dass der Mensch in einem sündigen Zustand auf die Welt komme und bestehen vehement darauf, dass wir bei unserer Geburt rechtschaffen und rein seien.

Warum Moslems hingegen nicht akzeptieren können, dass die Menschheit einen Erlöser von Sünde braucht, ist nicht schwer zu erkennen. Nach ihrem Verständnis stellt Sünde kein wirkliches Problem dar. Sie betrachten vielmehr die Entscheidungen des Menschen entweder Gutes oder Böses zu tun als das wahre Problem. Sie glauben, dass der Mensch bereits vollkommen fähig sei gerecht und gut zu handeln und deshalb keinen Erlöser brauche, der ihn dazu zuerst befähigen müsse. Ihrem Glauben nach braucht der Mensch nur noch den Weg des Islam zu wählen um die Sünde auf der Welt auszuradieren. Sie glauben, dass der Gehorsam gegenüber den Gesetzen des Islam die Antwort auf die Sünde im Menschen sei. Das ist der Grund dafür, warum Moslems davon überzeugt sind, dass die Religion des Islam die Grundlage einer jeden Regierung sein sollte. Ihrem Glauben nach ist das das einzige, was die Welt braucht um perfekt zu sein. Welche Notwendigkeit gibt es dieser Einstellung nach für einen Erlöser, oder gar einen göttlichen Erlöser? Der Islam lehnt die Vorstellung kategorisch ab, dass Jesus, der geborene Sohn Gottes, unser Erlöser, sei.

Viel erstaunlicher ist aber die Tatsache, dass es Christen gibt, die mit dem Islam darin übereinstimmen, dass der Mensch mit der angeborenen Fähigkeit auf die Welt komme, das Gute wählen und tun zu können. Ihr Verständnis ist, dass wir lediglich von der Schuld und der Strafe der Sünde einen Erlöser bräuchten, dass uns jedoch die Kraft die Sünde zu überwinden angeboren sei und wir in diesem Bereich deshalb keinen Erlöser nötig hätten.

Was sind die praktischen Auswirkungen eines solchen Glaubens? Jesus wird als eine Person betrachtet, die vor zweitausend Jahren kurz in das Geschehen der Weltgeschichte eingegriffen hat um die Strafe für die Sünden der Menschheit wegzunehmen. Dies tat er, indem er am Kreuz brutal hingerichtet wurde. Heute lebt er Milliarden von Lichtjahren entfernt an einem Ort, den man Himmel nennt, wo er weiterhin daran arbeitet Vergebung für unsere Sünden zu bewirken, die wir gegenwärtig begehen. Dies ist jedoch alles, was Jesus tut. Es gibt keine praktische und buchstäbliche Interaktion zwischen ihm und seinem Volk, weil es dafür gar keinen Bedarf gibt. Wir kommen bereits mit allem ausgerüstet auf die Welt, was wir für ein Leben des Wohlgefallens vor Gott brauchen. Folglich arbeitet Jesus gegenwärtig auch nicht daran uns Sieg über Sünde zu schenken, sondern vielmehr daran, Vergebung für unsere Sünden zu erlangen. Ein Bruder drückte es einmal so aus: “Jesus sagt: ‘Wie du siehst, habe ich dir eine reine Weste gegeben, nun sieh du zu, dass du sie auch rein hältst.’”

Der Sohn Gottes

Während ich mir diese Debatten zwischen Christen und Moslems anschaute, war es  interessant zu sehen, dass die Moslems den Christen immer wieder eine Herausforderung zuwarfen, der die Christen nicht gewachsen waren. Diese Herausforderung lautete: “Zeigt uns einen Vers – nur einen einzigen – in dem Jesus klar sagt, dass er Gott ist!” Die Bemühungen der Christen solch einen Vers zu zeigen waren jämmerlich. Sie redeten um den heißen Brei herum, konnten aber solch einen Vers nicht aufzeigen. Dann zeigten ihnen die Moslems freudig die Verse, wo Jesus von sich sagt, dass er der Sohn Gottes ist und betonten, dass dies die Aussage Jesu über sich selbst sei. Das Problem ihrer Argumentation war jedoch, dass sie danach versuchten aufzuzeigen, dass wir ebenfalls Söhne Gottes seien. Die Schlussfolgerung? Jesus war demnach – wenn auch gar ein großer Prophet – ein bloßer Mensch, wie wir alle.

Mein Herz brannte in meiner Brust, während ich zuschaute. Keine von beiden Seiten erwähnte auch nur, dass Jesus der einzig gezeugte Sohn Gottes ist! Die Moslems machten sorgfältig einen großen Bogen um Johannes 3,16 und die Christen genauso! Die Christen benutzten diesen Vers deshalb nicht, weil sie ihre ganzen Anstrengungen darauf konzentrierten zu beweisen, dass Jesus Gott selbst sei! Sie versuchten zu beweisen, dass Gott eine Dreieinigkeit und Jesus ein Teil dieses drei-in-einem Wesens sei. Deshalb wagten sie es nicht in irgend einer Weise zu betonen oder auch nur darauf hinzuweisen, dass er im wortwörtlichen Sinne der Sohn Gottes sei. Einer von ihnen erklärte, Jesus sei der “einzigartige” Sohn Gottes. Doch natürlich bedeutet dies im trinitarischen Wortgebrauch lediglich, dass er die Rolle eines Sohnes spiele, aber nicht im wahrsten Sinne des Wortes der aus dem Vater geborene bzw. von ihm gezeugte Sohn Gottes sei. Die Moslems hingegen mieden es ganz vorsichtig zu sagen, dass Jesus Gottes einzig gezeugter Sohn sei, weil dies klar aufgezeigt hätte, dass er ein göttliches Wesen ist, was sie ja vehement abstritten. Eine ihrer fundamentalen Glaubensüberzeugungen ist, dass Allah “weder zeugt noch selbst gezeugt ist.” Doch ironischerweise erklärten mehrere dieser moslemischen Debattierer: “Ich glaube jedes Wort, das Christus gesprochen hat.”

Es war in gewisser Weise recht amüsant und doch tragisch zu sehen, wie diese zwei völlig entgegengesetzten Religionsgruppen sich derart ironisch einmütig gegen die größte Wahrheit von allen stellten: Jesus Christus ist der eingeborene Sohn Gottes! Man erkennt deutlich, dass es Satan egal ist, welche religiösen Vorstellungen wir haben, solange wir die Wahrheit leugnen, dass Jesus Christus Gottes gezeugter Sohn und ein göttliches Wesen ist; dass er wharhaftig aus Gottes eingener Natur und seit den Tagen der Ewigkeit aus Gott geboren ist.

Die Bibel hebt die Wahrheit, dass Jesus Gottes Sohn ist, als eine entscheidende Wahrheit hervor, deren Verständnis für uns lebensnotwendige Wichtigkeit besitzt. Der Apostel Johannes erklärt sogar, dass dies eine Wahrheit ist, die wir glauben müssen, wenn wir die Welt überwinden wollen.

Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus Gottes Sohn ist? (1.Joh. 5,5)

Es überrascht deshalb nicht, dass wir sehen, wie diese Wahrheit von allen Seiten angegriffen wird. Was aber extrem überrascht, ist zu sehen, dass die stärksten Angriffe von bekennenden Christen kommen!

Etwas hat sich tief in meinen Verstand eingegraben während ich diesen Diskussionen zuhörte. Es ist die Tatsache, dass das trinitarische Christentum gegen Religionen wie dem Islam nicht bestehen kann. Das ist der Grund dafür, warum der Islam weltweit in christlichen Ländern so stark Fuß fassen kann. Ihre Lieblingsmasche ist es die Dreieinigkeit anzugreifen und aufzuzeigen, wie sehr sie sogar dem Buch der Christen – der Bibel – widerspricht. Dies ist für sie ein leichtes Unterfangen, und ab da ist es dann nicht mehr schwierig den Islam als die wahre Religion zu bewerben, weil er wie die Bibel Gott als ein einzelnes Wesen darstellt.

Erbsünde

Der andere Punkt, den die Moslems extrem angriffen, war die Lehre von der Erbsünde. Genauer gesagt spotten sie über die Vorstellungen von vererbter Schuld und innewohnender Verderbtheit. Sie glauben nicht, dass der Mensch aufgrund der Sünde Adams schuldig auf die Welt komme oder von Geburt an unfähig sei das Rechte zu tun. Wie unsere treuen Leser wissen, sind wir hier in unserem Missionswerk absolut gegen das unbiblische Konzept der vererbten Schuld. Wir glauben vielmehr, dass der Mensch mit der Unfähigkeit geboren wird, gerecht leben zu können, wie es die Bibel unmissverständlich lehrt und das Leben derer, die nicht wiedergeboren sind, klar demonstriert. Der Mensch kommt jedoch nicht schuldig auf die Welt, sondern vielmehr in einem Zustand, in dem er für den Himmel untauglich ist, weil es für ihn aufgrund seiner Natur unmöglich ist ein gerechtes Leben zu leben. Aus diesem Grund ist es absolut unumgänglich, dass er von neuem geboren wird.

In einem dieser Punkte glauben Moslems die Wahrheit, in dem anderen Punkt ist ihr Verständnis hingegen falsch. Wir brauchen sehrwohl einen Erlöser von der Kraft der Sünde, wenn wir auf die Welt kommen, aber nicht von der Schuld der Sünde, weil wir nicht schuldig geboren werden. Satan hat jedoch ganze Arbeit dabei geleistet diese beiden Vorstellungen zu einem Klumpen zusammenzukneten und zu behaupten, dass wir entweder beide dieser Gedanken annehmen oder beide verwerfen müssten. Das Christentum hat im Grunde beide diese Konzepte angenommen und lehrt, dass der Mensch sowohl mit Schuld belastet als auch mit der Unfähigkeit Gutes zu tun geboren werde. Der Islam hingegen verwirft beide dieser Vorstellungen und glaubt, dass der Mensch rechtschaffen und gut auf die Welt komme. Darum glaubt der Islam nicht, dass wir einen Erlöser nötig hätten, während das Christentum an den Bedarf nach einem Erlöser glaubt, der uns lediglich von Adams und unserer eingenen Schuld befreien und uns die Kraft dazu geben müsse, gerecht leben zu können.

Hierzu sollte ich erwähnen, dass es einige Christen gibt (von denen einige an die Wahrheit über Gott glauben), die dasselbe Verständnis haben, wie die Moslems: Sie glauben, dass der Mensch vollkommen imstande dazu sei gerecht zu leben. Sie behaupten, dass unser eigentliches Problem darin bestünde, dass wir uns durch ein falsches Verhalten Schuld anhäufen.

Die Argumente der Moslems gegen die Lehre der vererbten Schuld sind interessant und überzeugend: Wie kann Gott einen Menschen aufgrund der Taten eines anderen Menschen schuldig sprechen? Das ist die Frage, die sie stellen. Adam sündige und Gott sagte: “du musst für den Rest deines Lebens den Garten Eden verlassen und für dein Brot hart arbeiten. Als Strafe für deine Sünde müssen Frauen ihre Kinder unter Schmerzen gebären.” Aber das reichte noch nicht, und Gott sagte: “du wirst dein Leben in Kummer und Leid verbringen, wirst sterben und danach die ganze Ewigkeit in Höllenqual verbringen.” Aber das reichte immer noch nicht, und Gott sagte: “Ich werde deine Schuld in allen nachfolgenden Generationen auf deine Kinder übertragen.” Und Moslems fragen: “Ist das die Gerechtigkeit des Gottes der Christen? Ergibt das für euch Christen Sinn?” Und dies sind durchaus faire und berechtigte Einwände. Das Konzept der vererbten Schuld malt kein gutes Bild von Gott.

Ein anderes Argument, das sie oft aufbringen, ist die Frage: “Warum muss Gott zuerst seinen Sohn töten, bevor er die Sünden der Menschen vergeben kann? Wenn uns jemand Leid zufügt und uns danach um Vergebung bittet, dann vergeben wir ihm. Warum tut Gott nicht dasselbe? Warum muss er zuerst seinen Sohn sterben sehen um vergeben zu können?”

Das sind logische Einwände, und sie stellen in der Tat die großen Argumente dar, die sich gegen die Theologie der breiten Masse der Christen richten. Sie sind jedoch keine Argumente gegen die Lehren der Bibel, sondern vielmehr gegen die falschen traditionellen Vorstellungen, die im Namen des Christentums gelehrt werden. Es ist keine biblische Lehre, dass der Mensch mit der Schuld Adams geboren wird. Dies ist eine falsche Vorstellung. Schuld ist nicht von einer Person auf eine andere übertragbar. Der Einzige, der die Schuld für eine Sünde trägt, ist die Person selbst, die die Sünde begangen hat. Moslems haben völlig recht damit, wenn sie diese Lehre kritisieren und ablehnen. In diesem Punkt sind sie im Einklang mit der Bibel. Die Wahrheit über Gottes Charakter kommt im folgenden Vers zum Ausdruck:

Denn eine Seele, die sündigt, die soll sterben. Der Sohn soll nicht die Schuld des Vaters tragen, und der Vater soll nicht die Schuld des Sohnes tragen; sondern die Gerechtigkeit des Gerechten soll über ihm sein, und die Ungerechtigkeit des Ungerechten soll über ihm sein. (Hes. 18,20)

Gott zieht einen Menschen nicht für die Sünde eines anderen zur Verantwortung.

Was die Bibel jedoch lehrt, ist, dass die Konsequenzen der Sünde eines Menschen sich auf andere übertragen können. Dies ist kein juristischer Urteilsspruch, der von Gott auferlegt wird. Es ist der natürliche Ablauf der Welt, das Naturgesetz des Lebens. Dies wird nicht nur klar in der Bibel gelehrt, sondern offenbart sich auch in allen Aspekten des Lebens. Wenn Kinder mit körperlichen Behinderungen, Krankheiten und Schwachheiten geboren werden, dann ist es nicht ihre Schuld, sondern hat vielmehr damit zu tun, was sie von ihren Eltern oder Großeltern geerbt haben. Dieses Gesetz der Kosequenz existiert gleichermaßen im geistigen wie im physischen Bereich. Das ist auch der Grund dafür, warum ein jeder Mensch unfähig zur Gerechtigkeit auf die Welt kommt. Als Adam sündigte, traf er stellvertretend für die ganze menschliche Rasse eine Entscheidung. Er brachte Elemente in den menschlichen Lebensfluss hinein, die alle seine Nachkommen der moralischen Fähigkeit beraubt haben. Die Menschheit wurde dadurch unfähig zur Gerechtigkeit.

Denn genau wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern geworden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten. (Röm. 5,19)

Dies ist die Realität, die die Moslems verwerfen. Erstaunlicheweise gibt es aber auch Christen, die darin dem Islam vollkommen zustimmen, indem sie glauben und lehren, dass der gefallene Mensch bei seiner Geburt sofort zu gerechten Taten fähig sei! Sie glauben offenbar, wie auch der Islam, dass der Eintritt der Sünde in die Welt die Menschheit lediglich auf physischer Ebene betroffen habe, sie geistlich und moralisch hingegen immer noch genauso zur Gerechtigkeit imstande sei. Diese durch und durch falsche Vorstellung bildet das Fundament der Lehre, dass der Mensch lediglich einen Erlöser von seinen Umständen brauche, jedoch nicht von sich selbst.

Betonung liegt auf dem Gesetz

Dies ist auch der Grund dafür, dass in Religionen wie dem Islam und dem Judentum so große Betonung auf Gebote und Gesetze gelegt wird und weshalb auch unter Christen, die diese Ansicht vertreten, das Gesetz weit über Christus hinaus erhöht wird. Sie glauben, dass der Mensch lediglich Moralgesetze und das Wissen über richtig und falsch brauche und sonst nichts, weil er ja bereits völlig zum Gehorsam fähig sei. Dadurch wird die Betonung der Wichtigkeit eines Erlösers überflüssig. Dies ist eine entsetzliche Realität. Die traurige Tatsache ist aber, dass diese Ansicht unter Siebenten-Tags-Adventisten – sowohl in der offiziellen Gemeinschaft als auch unter den unabhängigen Adventisten – weit verbreitet ist. Viele haben in ihrem praktischen Christenleben so wenig Interesse an Jesus, dass beinahe alles andere wichtiger zu sein scheint als er. Sie sorgen sich ununterbrochen darum, was sie essen, welche Kleidung sie tragen, welche neuen Vorschriften und Satzungen sie halten und wie sie den Sabbat feiern sollen usw. Das ist leider die entsetzliche Wahrheit. Dieses Missverständnis offenbart sich in der Vielzahl gesetzesbezogener Irrtümer, die im Adventismus im Überfluss vorhanden sind, wie z.B: das Halten der jüdischen Feste, die Beobachtung der Neumondsabbate, die Verwendung der “heiligen Namen” Gottes usw. Der Grund für das Interesse an diesen Dingen ist die Tatsache, dass diese Menschen die Wahrheit über sich selbst und ihre Not nach einem gegenwärtigen Erlöser von ihrer Natur nicht erkennen. Sie glauben, dass sie lediglich Moralgesetze bräuchten und den Rest dann schon alleine hinkriegen könnten. Sie leben mit der falschen Vorstellung, dass sie nichts anderes bräuchten als mehr Gesetze und Anweisungen und sind überzeugt davon, dass dies der Schlüssel zur Überwindung der Sünde und der Weg zur Vollkommenheit sei!

Aus diesem Grund drehen sich die Konflikte zwischen den verschiedenen Religionen in den meisten Fällen um die Frage, welchen Gesetzen man gehorchen müsse. Moslems sagen: “Unsere Gesetze sind besser als eure!” Adventisten sagen: “Unsere Gesetze sind besser als eure – besonders der Sabbat! Wenn du diesem Gesetz nicht gehorchst, dann bist du in Schwierigkeiten!” Gesetze haben jedoch noch nie jemanden gerettet und das werden sie auch nie. Was wir brauchen, ist eine Neugeburt. Der Mensch braucht eine Infusion neuen Lebens in sein Wesen, um eine neue Natur zu besitzen, und dann werden die Gesetze von ganz allein ihren Platz finden. Gott sagt, dass er selbst sein Gesetz in den Sinn und das Herz derer schreiben wird, die von neuem geboren sind. Um das Gesetz brauchen wir uns keine Gedanken zu machen. Was wir brauchen ist Christus!

Die Juden warten auf einen Messias, der sie zu universeller Herrschaft erheben wird; sie suchen nach einem Befreier, der alle Nationen unter ihre Füße treten wird. Die Moslems warten darauf, dass die Religion des Islam auf der ganzen Welt aufgerichtet wird, was nach ihrer Vorstellung Vollkommenheit bedeutet. Keine Religion erkennt an, dass der Mensch ein Problem mit seiner Natur hat. Deshalb sehen sie auch nicht, dass die Menschheit göttliche Hilfe braucht um ihre Unfähigkeit und Verderbtheit zu überwinden. Aus diesem Grund ist für sie Jesus als Erlöser von der Sünde völlig bedeutungslos.

Wie sieht es aber mit Christen aus, die eine ähnliche Sichtweise haben, wie diese falschen Religionen? Sie stimmen dem zu, dass wir einen Erlöser von unserer Schuld brauchen. “Wir haben gesündigt”, so sagen sie, “und nun muss ein Preis bezahlt werden, damit die Strafe für unser Vergehen erlassen werden kann. Jesus hat diesen Preis bezahlt, und das war alles, was wir im Grunde brauchten.” Nun warten sie, wie die Juden und Moslems, auf einen Messias, der ein physisches “Nimmerland” aufrichten soll. Aber die Wirklichkeit dessen, dass die Natur des Menschen einer kompletten Transformation bedarf, wird ignoriert und sogar geleugnet. Das Ergebnis dessen ist ein Schein der Frömmigkeit, der es an jeglicher geistlichen Kraft mangelt. Was bleibt, ist ein selbstgerechter Betrug, wo fleischlich gesinntes Verhalten als “Gerechtigkeit” anerkannt wird und wo man vergeblich mit menschlicher Kraft darum ringt “etwas Reines aus etwas Unreinem hervorzubringen”.

Doch sowohl die Bibel als auch die Erfahrung bezeugen, dass dieser Zustand innerer moralischer Verderbtheit von Natur aus in allen Menschen existiert. Dieser Zustand kann nur durch eine Wiedereinführung eines fehlenden Elementes in den menschlichen Lebensfluss erreicht werden, das uns dazu befähigt Gutes zu tun. Aus diesem Grund brauchten wir einen Erlöser. Und das ist auch der Grund dafür, warum dieser Erlöser weitaus mehr sein musste, als nur eine Mensch. Er musste dieses Element, das uns fehlte, in sich selbst besitzen. Er musste die Art von Gerechtigkeit besitzen, die der Mensch von Natur aus nicht in sich hat, sondern Gott allein besitzt. Dieses Element musste er in die menschliche Rasse hineinbringen, damit er es denen weitergeben konnte, die ihn durch den Glauben annehmen.

Von Natur aus gerecht

Doch wie konnte Jesus, als Mensch, diese Art von Gerechtigkeit erlangen? Warum besaß gerade er etwas, was kein anderes menschliches Wesen besaß? Wie konnte er sich als unser Erlöser qualifizieren, als der Eine, der der menschlichen Rasse die Gerechtigkeit Gottes wiedergeben konnte? Von woher hatte er dieses fehlende Element bekommen? Es wird von vielen Adventisten (auch aus den unabhängigen Lagern) allgemein geglaubt, dass Jesus durch sein Verhalten Gerechtigkeit erworben hätte. Er sei während seines Heranwachsens als Mensch gerecht geworden! So erstaunlich diese Schlussfolgerung auch klingen mag, man findet diese Vorstellung meiner Erfahrung nach bei einer beachtlichen Anzahl von Adventisten. Sie gründet auf dem Irrglauben, man könne sich Gerechtigkeit durch richtiges Verhalten ansammeln. Sie glauben Gerechtigkeit sei das Ergebnis guter Taten. Dies ist das Fundament des Glaubens, dass man Gerechtigkeit durch Werke erlangen könne.

Die Bibel lehrt hingegen unmissverständlich klar, dass Gott allein gut und heilig ist (Matth. 19,17; Offb. 15,4). Gott allein ist gerecht. Gott ist gerecht, weil er gerecht ist. Er ist von Natur aus so. Gott handelt gerecht, weil er gerecht ist. Er ist nicht erst durch gerechte Taten gerecht geworden. Der Punkt ist, dass Gerechtigkeit weder eine Sammlung von Taten, noch eine Anhäufung von Verhaltensweisen ist. Gerechtigkeit ist ein Wesenszustand, eine Natureigenschaft.

Hier wird es nun absolut lebenswichtig, dass wir die Wahrheit begreifen, dass Jesus der geborene Sohn Gottes ist! Der einzige Ort im Universum, wo man wahre Gerechtigkeit finden kann, ist der Ort, an dem Göttlichkeit wohnt. Gott allein ist gut (Matth. 19,17). Jesus besitzt Güte von dem Moment seiner Geburt an in sich selbst. Er besitzt von Haus aus eine gute Natur, weil er der Sohn Gottes ist. Der Engel, der der Maria die Geburt Jesu ankündigte, bezeichnete ihn als “das Heilige”.

Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das  von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. (Luk. 1,35)

Ein fehlgeleiteter, adventistischer Prediger im Ruhestand und Leiter eines unabhängigen Missionswerkes lehrt, dass diese Aussage, die Jesus als “das Heilige” bezeichnete, prophetisch zu verstehen sei. Seine Schlussfolgerung ist, dass Jesus bei seiner Geburt noch nicht heilig war, sondern erst während er heranwuchs und ein sündloses Leben führte durch sein Verhalten gerecht wurde! Erstaunlich!

Doch Jesus besitzt dieselbe Natur wie Gott, weil er sein eingeborener Sohn und deshalb von seinem Wesen gezeugt ist. Als er Mensch wurde, ließ er seine göttliche Herrlichkeit zurück und legte seine göttlichen Kräfte ab. Er konnte jedoch nicht sich selbst ablegen und im Himmel zurücklassen. Er war auf der Erde nach wie vor dieselbe Person: Gottes eingeborener Sohn. Er besaß immer noch dieselbe reine und heilige Natur, dieselbe Liebe zur Gerechtigkeit und denselben Hass für die Ungerechtigkeit. Er ließ seinen göttlichen Charakter bzw. seine göttliche Natur nicht im Himmel zurück, denn, wenn er das getan hätte, hätte er auf keine Art und Weise mehr dieselbe Person sein können. Er hätte auch unmöglich ein sündloses Leben leben können.

Unter den vielen Milliarden von Menschen, die es seit der Schöpfung gibt, hat es außer ihm nicht einen einzigen Menschen gegeben, der kein einziges Mal gesündigt hätte. Jesus ist der einzige, der es in diesem Zeitalter der Sünde jemals geschafft hat ohne Sünde zu leben. Was ist der Grund dafür? Denn es gibt immer einen Grund. Der Grund dafür ist, dass Jesus seine eigene Göttlichkeit in die Menschlichkeit hineingebracht hat – seine göttliche Natur, seine Natur unendlicher Reinheit und Güte. Diese Eigenschaft unterschied ihn von allen anderen Menschen. Sie ermöglichte es ihm so zu leben, wie kein anderer Mensch jemals gelebt hat: Er ist der Sünde in einem gefallenen, verdorbenen menschlichen Körper begegnet und hat sie dennoch besiegt.

Du hast die Gerechtigkeit geliebt und die Ungerechtigkeit gehasst; darum hat dich, o Gott, dein Gott mit Freudenöl gesalbt, mehr als deine Gefährten. (Hebr. 1,9) 

Beachte warum Jesus mehr als alle anden Menschen gesalbt wurde: er hat die Gerechtigkeit geliebt und die Ungerechtigkeit gehasst. Deshalb ist es offensichtlich, dass er der einzige Mensch war, der jemals die Gerechtigkeit geliebt und die Ungerechtigkeit gehasst hat.

Die wundervolle Nachricht ist: Jesus ist der Anfang der neuen Menschheit, in der die Göttlichkeit mit der Menschlichkeit vereint ist. Als der “Ewig-Vater” der neuen Menschheit gibt er seinen Kindern sein eigenes Leben weiter. Dies ist die Erfahrung der “Neugeburt”, bei der wir sein buchstäbliches Leben wahrhaftig empfangen und so zu Teilhabern seiner göttlichen Natur werden; wir werden zu Gefäßen des göttlichen Lebens, das er in die Menschheit hineingebracht hat. Wie er sind nun auch wir fähig die gefallene, sündige Natur zu überwinden, weil wir seine göttliche Natur besitzen.

Die Gebote des Johannes

by Erwin Zoor
Die Gebote des Johannes

Vor einem Jahr habe ich recht viele Menschen zornig gemacht, als ich schrieb, dass Johannes das Wort “Buße” in seinem Evangelium nirgendwo erwähnt. Bis heute erhalte ich immer noch Nachrichten von aufgebrachten Menschen, die solche Dinge sagen, wie: “Selbst wenn es Johannes nicht gepredigt hat solltest du es trotzdem predigen! Wir brauchen mehr Predigten über Buße.”

Eigentlich glaube ich, dass wir mehr über Jesus predigen sollten, aber das ist meine Meinung.

Der Grund warum ich Johannes erwähne, ist, dass diejenigen von uns, die Gnade predigen, oft damit beschuldigt werden die Buße nicht ausreichend zu betonen. Meine Antwort darauf: Johannes tat es auch nicht. Aber ich möchte nicht schon wieder in dasselbe Wespennest stechen. Vielleicht ist es an der Zeit den wütenden Leuten einen Knochen zuzuwerfen und das Pendel wieder ganz auf die entgegengesetzte Seite zu schwingen – zurück zu den toten Werken. Das hier sollte sie zufriedenstellen:

Jesus: Wenn ihr mich liebt, dann werdet ihr dem gehorchen, was ich euch gebiete. (Joh. 14,15)

Johannes: Und daran merken wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten. (1.Joh. 2,3)

“Aha!”, sagt der wütende Mensch. “Siehst du? Was habe ich gesagt? Jetzt kannst du dich da nicht mehr herausmogeln. Hör auf Gnade zu predigen und fang an Gehorsam zu verkünden. Johannes sagt doch deutlich, dass du Gottes Geboten gehorchen musst, wenn du von ihm erkannt werden willst.”

Eigentlich sagt er nichts von alledem, aber ich kann verstehen wie man zu solch einer schrecklichen und unsicheren Schlussfolgerung gelangen kann: Ich gehorche lieber den Geboten Gottes, wenn ich ihn kennen will.

Wenn du es auch so siehst, dann lass mich dir in vier Punkten antworten:

  1. Deine Erlösung hängt nicht davon ab, was du für Gott tust oder nicht tust. Sie hängt vielmehr davon ab ob er dich kennt. Jesus hat vorausgesagt, dass am Ende viele behaupten werden in seinem Namen gute Taten getan zu haben, aber er wird sie nicht kennen (Matth. 7,22-23). Gott will dich selbst, nicht deine Taten.
  2. Du kannst die Beziehung, die Gott sich wünscht, nicht auf das Halten von Geboten beschränken. Wie wir im 1. Teil dieser Serie gesehen haben, ist der Ungehorsam eine Frucht des Misstrauens, das zwei Gesichter hat. Eine Möglichkeit im Unglauben zu leben ist, dasselbe zu sagen wie die Israeliten: “Sag mir einfach, was ich tun soll, und ich werde es tun.” Viele suchen nach Geboten, die sie halten und nach Prinzipien, nach denen sie sich richten wollen. Das Ergebnis dessen ist eine glaubenslose und leblose Kirchlichkeit (Religiosität).
  3. Echter Gehorsam erwächst aus Vertrauen, das wiederum stets auf Liebe gründet. (Siehe Teil 2.) Wenn du versuchst den Geboten Gottes aus Angst und Unsicherheit zu gehorchen – “ich muss es tun, sonst…” – dann hast du die Gnade verfehlt und verschwendest nur deine Zeit.
  4. Wenn du Jesus vertraust, dir aber über diese ganze Gehorsamsgeschichte immer noch Sorgen machst, besonders über den oben zitierten 1.Joh. 2,3, dann lies die Verse davor, wo Johannes ein sicheres und felsenfestes Fundament über Gottes Liebe zu dir legt. Wir müssen verstehen, dass ein es einen riesengroßen Unterschied gibt zwischen Heiligen, die Fehler machen, und Sündern, die sündigen. Da Sünder nicht im Glauben leben sondern im Schauen, sündigen sie ganz natürlich. Sie können gar nicht anders als zu sündigen (Röm. 14,23). Als Kind Gottes bist du hingegen fähig der Sünde zu widerstehen. Doch selbst, wenn du stolperst und fällst, wird dich Gott niemals aus seiner Familie hinausstoßen. Stattdessen wird Jesus zu deiner Verteidigung eintreten, weil du zu ihm gehörst.

Alles klar? Ist dein Fundament nun fest? Gut. Dann lass uns sehen, was diese Worte von Johannes wirklich bedeuten.

Jesus bedroht seine Braut nicht

Wie Jesus vor ihm, macht Johannes keine Drohungen sondern Verheißungen. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Versen am Anfang dieses Artikels ist ihr Kontext.

  • Jesus spricht zu seinen geliebten Jüngern.
  • Johannes schreibt an die Gemeinde im weiteren Sinne.

Johannes sagt im Grunde: “Eine Art und Weise, wie man feststellen kann ob jemand Jesus wirklich kennt, ist, wenn er ihm gehorcht.” Danach sagt Johannes:

Wer sagt: ‘Ich kenne ihn’, und tut nicht, was er ihm gebietet, der ist ein Lügner, und in diesem ist die Wahrheit nicht. (1.Joh. 2,4)

Der unsichere Gläubige liest das als eine Drohung. Ich tue lieber, was Jesus mir gebietet, sonst bin ich kein wahrer Christ. Nein, nein, nein! Ein Christ zu sein bedeutet nicht Christus nachzuahmen. Christsein bedeutet Christus in uns. Es bedeutet, dass er selbst sein übernatürliches Leben ohne Anstrengung in uns auslebt (Gal. 2,20). Wenn du Christus nicht hast, dann kannst du ihn auch nicht offenbaren – genau davon spricht Johannes. In einer Welt voller Schwindler kann man einen echten Gläubigen garantiert daran erkennen, dass Christus durch ihn lebt. Er tut mühelos das, was Christus ihm gebietet.

Die Achse der Liebe

Und was gebietet Jesus? Vor allem Liebe (Joh. 13,35). Nun, ich verstehe, wenn manche Christen sich aus Unachtsamkeit ablenken lassen und deshalb eine Zeit lang es vergessen Liebe zu empfangen und weiterzugeben, aber davon spricht Johannes nicht. Er spricht vielmehr von denen, die Gottes Liebe nicht in sich haben, Punkt:

Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis… (1.Joh. 2,11)

Johannes beschreibt diejenigen, die in den Fussstapfen Kains folgen. Wie Brian Zahnd sagen würde: Joahnnes spricht von gottlosen Menschen, die in ihrem Flug noch nicht den Orbit der Achse der Liebe erreicht haben.

Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollendet. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind. Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch so leben, wie er gelebt hat. (1.Joh. 2,5-6)

Wieder liest der unsichere Gläubige eine Bedingung in diese Verse hinein. Ich sollte besser gehorchen, um mir meinen Weg ins Reich Gottes zu verdienen. Ich muss so leben, wie Jesus gelebt hat. Doch Johannes sagt nichts dergleichen. Lies diese Verse noch einmal. Johannes sagt, dass Gehorsam eine Frucht und keine Wurzel ist. Es ist ein natürliches Nebenprodukt, das aus der Verbindung zu Jesus, dem Weinstock, entsteht, wenn wir ihm erlauben sein Leben durch uns zu leben.

Wenn wir Vers 5 genau untersuchen, sehen wir zwei Schlüsselgedanken:

  1. unser Worthalten (bzw. Gehorsam)
  2. Gottes vollendende Liebe

Was kommt zuerst? Antwort: Gottes Liebe. Johannes sagt: “Daran erkennen wir, dass Gottes Liebe ihr Werk in uns vollendet hat, dass wir sein Wort halten.” Erkennst du es jetzt? Gottes Liebe kommt immer zuerst. Johannes reitet darauf immer wieder herum: “Wir lieben, leben, halten sein Wort und tun alles andere, weil er uns zuerst geliebt hat” (siehe 1.Joh. 4,14).

Gottes Liebe zu empfangen und beständig in ihr zu bleiben ist das Fundament unseres ganzen Wandels und Lebens. Wer lebt, wie Jesus gelebt hat? Ganz sicher nicht der gestresste und ängstliche Heuchler. Jesus war nich gestresst und ängstlich, was seinen Wandel anging. Es ist auch nicht der, der auf uns wütend ist, weil wir anstelle von Buße die Gnade Gottes predigen. Der, der die Gnade Gottes genannt wird, war nie wütend auf Gnade!

Wer lebt also wie Jesus gelebt hat? Es ist der, der sicher in der Liebe seines Vaters ruht.

Der Jünger, den Jesus lieb hat

Der Apostel Johannes besaß eine Erkenntis über die Liebe Gottes, die über die der anderen Jünger hinaus ging. Nicht umsonst nannte er sich den Jünger, den Jesus lieb hatte (siehe Joh. 20,2; 21,7). Ich bin mir sicher, dass Jesus alle seine Jünger geliebt hat, aber Johannes wurde von seiner Liebe verwandelt. Er liebt mich! Ich bin etwas Besonderes. Ich bin der Jünger, den Jesus lieb hat!

Du solltest dich selbst genauso betrachten. Betrachte dich als “den Jünger, den Jesus liebt” oder “den geliebten Sohn des Vaters”. Das bedeutet nicht arrogant zu sein, sondern Jesus das zu geben, wofür er gekommen ist: dein Herz!

Paul Ellis, ehemaliger Pastor und Universitätsprofessor, ist der Autor des Buches “Das Evangelium in zehn Wörtern”. Er schreibt regelmäßig über die gute Nachricht der erstaunlichen Gnade Gottes auf EscapeToReality.org (englisch). Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Auckland, Neuseeland.

Die Wurzel des Gehorsams

by Erwin Zoor
Die Wurzel des Gehorsams

Vor einigen Tagen spazierte ich mit meinen Töchtern zu einem Spielplatz. Wir gingen eine Strandpromenade entlang, die manchmal auch von Güterwagen genutzt wird. Meine Töchter waren mir um einige Meter voraus und bemerkten vor lauter Aufregung und bei all den Geräuschen um sie herum einen von rechts heranschnellenden Transporter nicht. Ich schrie laut, dass sie stehenbleiben sollten, was sie auch sofort taten.

Wie gute Kiwi-Kids (Kiwi ist ein Spitzname für Neuseeländer) blickten sie instinktiv nach links, von wo aus sie das Fahrzeug erwarteten, doch die Straße war frei. Es wäre ein lustiger Anblick gewesen, wenn es nicht so gefährlich gewesen wäre. Sie blickten derart gespannt nach links, dass sie den von rechts kommenden Transporter gar nicht wahrnahmen.

Ich möchte nicht dramatisch klingen, aber in dem Augenblick standen meine beiden Töchter vor einer lebensbedrohlichen Entscheidung: entweder im Schauen zu wandeln (ich sehe kein Auto) oder im Glauben (aber Papa hat gesagt ich soll stehenbleiben). Sie brannten darauf endlich zum Spielplatz zu gelangen, aber ihr Vertrauen mir gegenüber bewahrte sie in Sicherheit, weil sie sich nicht bewegten. Nun, um ehrlich zu sein, musste meine jüngere Tochter ein wenig mehr davon überzeugt werden still zu halten, aber es dürfte klar sein, worauf ich hinaus will. Sie gehorchten mir, weil sie mir vertrauen. Verstehst du, was ich meine? Wahrer Gehorsam entspringt einem Vertrauen, das auf Liebe gründet.

Hoffentlich erinnert dich das an etwas, das Jesus sagte:

Liebt ihr mich, dann werdet ihr tun, was ich euch gebiete. (Joh. 14,15)

Im 1. Teil dieser Serie über Gehorsam sahen wir, dass Adam aus Misstrauen Gott gegenüber ungehorsam wurde. Auf Misstrauen folgt genauso sicher der Ungehorsam, wie auf Vertrauen der Gehorsam folgt. Wenn du jemanden liebst, dann vertraust du ihm und hörst auf seine Worte. Genau das sagt auch Jesus in diesem Vers. Dies sollte eigentlich klar sein. Aber hier ist die Kehrseite der Medaille.

Wer mich aber nicht liebt, der hält meine Worte nicht. (Joh. 14,24)

Wenn du jemanden nicht liebst, dann vertraust du ihm nicht und beachtest auch nicht seine Worte. Wieder scheint dies logisch und klar zu sein, nicht wahr?

Nur leider ist das nicht so, denn es gibt viele, die aus Angst versuchen Gott zu dienen und nicht aus Liebe. Warum Angst? Weil ihnen weisgemacht worden ist, dass sie ihre Umkehr durch gute Taten beweisen müssten. Man hat sie glauben lassen, dass sie sich anstrengen, bis zum Ende durchhalten, die Sünde meiden und alles tun müssten, was die Bibel ihnen sagt. Und was, wenn nicht? Dann würde Gott sie verwerfen. Sie würden zusammen mit dem Unkraut weggeworfen werden, müssten mit den Böcken umkommen und mit den unfruchtbaren Reben verbrannt werden. Das ist eine erschreckende Angelegenheit!

Weit gefehlt

Festhalten und durchhalten ist eine sehr gute Idee, aber wenn du meinst, dass die Bibel fleischliche  Beharrlichkeit befürwortet und dass Gott dich für deine Ausdauer belohnen wird, dann hast du das Ziel kilometerweit verfehlt.

Ich plane in späteren Artikeln einen näheren Blick auf die Verse über das Festhalten/Durchhalten/Voranschreiten zu werfen. (Wenn Du automatisch über neue Artikel benachrichtigt werden möchtest, kannst Du meinem Blog hier folgen.) Jetzt möchte ich mich aber auf den Gehorsam konzentrieren, weil zu viele von uns ihre Beziehung zu Gott auf eine Liste von Regeln und Geboten beschränkt haben. Dies kann passieren, wenn wir Verse aus ihrem Zusammenhang herausgerissen lesen. Hier ist ein Beispiel:

Wenn ihr meine Gebote haltet, dann bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. (Joh. 15,10)

Aua! Das hört sich so an, als würde Jesus Gottes Liebe an Bedingungen knüpfen. Aber dem ist nicht so. Lies den Vers davor:

Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! (Joh. 15,9)

Wie liebt der Vater den Sohn? Bedingungslos! Noch bevor Jesus irgend etwas Gutes tat, sagte Gott von ihm: “Dies ist mein geliebter Sohn” (Matth. 3,17). “Siehst du?”, sagt Jesus, “siehst du, wie mich mein Vater liebt? Genauso liebe auch ich dich.” Jesus predigt bedingungslose Liebe. Das ist eine gute Nachricht! Seine Liebe ist eine felsenfeste Tatsache, auf die du bauen kannst. Aber dein Leben wird nicht auf dieser felsenfesten Tatsache stehen, solange du seine Liebe nicht empfängst. Deshalb auch die Ermahnung, die darauf folgt:

Bleib in meiner Liebe. Verharre, wohne, verweile ununterbrochen in meiner Liebe. Versenk deine Wurzeln tief in meiner Liebe und lass dich von nichts herausreißen. Hüte dich vor der Bande der Unsicheren, die dir meine Liebe verkaufen wollen. Schau auf das Kreuz – du besitzt meine Liebe bereits. Außer meiner Liebe für dich wird alles andere scheitern. Meine Liebe ist das eine beständige und unveränderbare Element, das deine Welt zusammenhalten wird, wenn du sie annimmst – also nimm sie an. Erfreue dich an ihr, bade in ihr, schwimm in ihr und bleib in ihr. (Joh. 15,9 – frei übersetzt)

Das ist eine gute Nachricht, nicht wahr? Komm schon, es ist eine großartige Nachricht! Es ist die beste und herrlichste Nachricht im Universum! Es ist die Nachricht, die diese lieblose Welt braucht. Vielleicht hast du sie schon gehört, aber du solltest dir selbst diese Nachricht jeden Tag predigen. Gott liebt mich mit der glühendheißen Intensität von eintausend Sonnen! Das Kreuz beweist, dass er viel lieber sterben würde, als ohne mich zu leben. Und jetzt, wo mein Geliebter mein ist und ich sein, wird er mich nie mehr loslassen!

Wenn du dann fest auf dem Fundament von Vers 9 stehst, kannst du den Vers 10 mit dazulesen, den ich so umschreiben möchte: “Wenn du mir so sehr vertraust, dass du befolgst, was ich dir sage, dann ist es ein sicheres Anzeichen dafür, dass du in meiner Liebe bleibst.”

Siehst du nun den Unterschied? Es geht nicht um Gehorsam kontra Ungehorsam, sondern um Vertrauen kontra Misstrauen. Wenn du die Liebe Gottes erkennst, dann wirst du ihm ganz netürlich vertrauen und gehorchen. Wenn du jedoch nicht fest in seiner Liebe stehst, dann wird jeder Versuch des Gehorsams unnatürlich sein und fruchtlos bleiben. Deine Beziehung wird genauso viel Liebe und Vertrauen beinhalten, wie eine Zwangsehe.

Währenddessen an der Strandpromenade…

Lass uns zur zur Promenade zurückkehren. Siehst du wie meine gehorsamen Töchter in Sicherheit dastehen? Hier kommt die 50.000€-Frage: Was bringt sie dazu stillzuhalten, wo sie doch so gern weiterrennen würden? Es gibt nur eine Sache: meine Liebe für sie.

Weil meine Töchter wissen, wie sehr ich sie liebe, vertrauen sie mir darin Entscheidungen für sie zu treffen. Ich kann Dinge erkennen, die ihnen noch nicht auffallen, wie beispielsweise einen auf sie zufahrenden Transporter. Genauso ist es auch bei deinem himmlischen Vater. Er liebt dich so sehr, dass du ihm mit deinem Leben vertrauen kannst.

Doch was ist, wenn eines meiner Mädchen einmal einen schlechten Tag hat? Vielleicht ist sie mal mit dem falschen Fuß aufgestanden. Vielleicht hat sie Hunger und ist gereizt, oder etwas ähnliches? Der Punkt ist, dass sie in dem Moment nicht mehr in meiner Liebe bleibt. In solch einem Augenblick mag sie anfangen zu denken: Warum muss ich stehenbleiben? Ich brauche niemanden, der mir sagt, was ich tun soll. Ich bleibe nicht stehen. Ich werde weiterrennen bis zum Spielplatz.

Also rennt sie direkt vor den Transporter. Nicht gut! Ihr Ungehorsam könnte sie umbringen. Doch es wäre nicht ich, der sie töten würde.

Das ist doch wieder absolut einleuchtend, oder? Für viele Mesnchen leider nicht.

Viele denken, dass Gott uns erschlägt, wenn wir ihm nicht gehorchen. Der schwere Transporter des Lebens überfährt uns und während wir blutend daliegen, sagen wir uns selbst: “Gott züchtigt mich.” Nein, das tut er nicht. Er hat dir den Krebs nicht gegeben, oder dich arbeitslos gemacht, oder deinen Ehegatten dazu gebracht dich mit den Kindern zu verlassen. Gott ist allmächtig, aber das macht ihn nicht für alles verantwortlich, was mit dir passiert. Gott ist nicht auf die Art und Weise souverän, wie das Wort im Allgemeinen benutzt wird.

Ich möchte es noch einmal betonen: Für Adam ging es nicht um den Baum und für uns geht es nicht um Gebote und Vorschriften. Gott ist in erster Linie nicht an deiner Fähigkeit zu gehorchen interessiert und er richtet dich auch nicht basierend auf deiner Leistung des Gesetzehaltens. Was du verstehen musst, ist, dass er dich liebt, wenn du gehorsam bist und auch genauso liebt, wenn du ungehorsam bist. Seine Liebe ändert sich nicht.

Wenn mir meine Tochter nicht gehorcht, dann mag sie zwar von einem Transporter überfahren werden, aber ich werde sie deshalb nicht aus der Familie werfen. Genausowenig wird dich Gott aus seiner Familie werfen, wenn du ihm nicht gehorchst. Seine ewige Liebe ist größer, als deine vorübergehenden Fehltritte.

“Paul, willst du damit sagen, dass mein Gehorsam unwichtig sei?”

Nein, natürlich ist dein Gehorsam wichtig! Gehorsam wird dich davor bewahren vom sinnbildlichen Transporter plattgefahren zu werden. Wir sind jedoch nicht gehorsam um uns seine Liebe zu verdienen (wir haben sie ja bereits) und auch nicht seine Vergebung (in Christus ist sie bereits unser). Vielmehr gehorchen wir unserem himmlischen Vater aus demselben Grund, aus dem auch meine Mädchen mir an dem besagten Nachmittag gehorchten: weil wir ihn lieben und ihm vertrauen und wissen, dass er nur das Allerbeste für uns will.

Der springende Punkt

Es gibt viele Anweisungen und Ermahnungen im Neuen Testament, aber Jesus hat sie in nur sieben Worten zusammengefasst:

Das ist mein Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. (Joh. 15,12)

Noch einmal: Wir halten nicht dieses Gebot um dadurch der Liebe Gottes würdig zu sein – das wäre das sprichwörtliche Pferd von hinten aufzäumen. Lies noch einmal, was Jesus sagt: “Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.”

Unter dem alten Bund taten wir um zu bekommen. Im neuen Bund tun wir, weil wir bereits bekommen haben. Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Wir vergeben anderen, weil er uns vergeben hat, und wenn wir seine Vergebung erhalten, befreit sie uns vom Beleidigtsein und von der Unversöhnlichkeit.

Wenn du weißt, wie sehr dich dein himmlischer Vater liebt, befähigt es dich ein Leben im Überfluss zu leben, in deinem Herzen großzügig zu sein und andere in den Einflussbereich seiner unendlichen Liebe zu ziehen.

In diesem Artikel haben wir uns damit beschäftigt, was Jesus über Gehorsam gesagt hat. Im nächsten Artikel in dieser Serie werden wir uns die Worte des Mannes anschauen, der mehr über Gehorsam geschrieben hat, als irgend ein anderer Schreiber des Neuen Testaments: Johannes.

Bleib dran!

Paul Ellis, ehemaliger Pastor und Universitätsprofessor, ist der Autor des Buches “Das Evangelium in zehn Wörtern”. Er schreibt regelmäßig über die gute Nachricht der erstaunlichen Gnade Gottes auf EscapeToReality.org (englisch). Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Auckland, Neuseeland.

Die Wurzel des Ungehorsams

by Erwin Zoor
Die Wurzel des Ungehorsams

“Adam war Gott ungehorsam und musste dafür die Konsequenzen tragen. Jesus hat uns eine zweite Chance gegeben – vermassel sie diesmal nicht. Gott verlangt vollkommenen Gehorsam. Der Teufel tut alles um dich in Ungehorsam zu stürzen, weil er weiß, dass der ‘Zorn Gottes über die Ungehorsamen kommt.’ Also tu, was er dir sagt und gehorche.”

So ungefähr klingt eine Standardpredigt über Gehorsam. Hast du es auch schon einmal so gehört?

Wenn ja, dann wunderst du dich vielleicht: “Wie passt denn die Liebe Gottes da hinein?” Ein Prediger der Unsicherheit hat bereits eine Antwort parat:

“Höre die Worte Jesu: ‘Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten’ (Joh. 14,15). Gott zu lieben, bedeutet seine Gebote zu halten. Wir müssen Gott fürchten und ihm gehorchen.”

Schluck! Das klingt beängstigend. Das hört sich so an, als würde Gottes Liebe von meinem vollkommenen Gehorsam abhängen, und wenn ich ehrlich sein soll, bin ich nicht vollkommen gehorsam. Bedeutet es, dass Gott mich nicht annimmt? Bedeutet es gar, dass ich gar nicht gerettet bin?

Bingo.

Nun hat dich der Prediger der Unsicherheit dort, wo er dich haben will. Zitternd und in Todesangst bist du nun bereit jede Liste von Regeln zu schlucken, die er dir auferlegt. Mit feueriger Rethorik und zurechtgehackten Bibelstellen peitscht er dich zu einem seelischen Weinkrampf, bis du verzweifelt Gott Versprechungen machst: “Herr, ich werde alles tun, was die Bibel sagt.”

Und was dann? Nun, wenn dein Fleisch stark ist, dann kürt man dich bald zur christlichen Erfolgsgeschichte des Monats. Ist dein Feisch jedoch schwach, dann landest du in den Stricken von Schuld und Verdammung. Doch so oder so, pack deine Sachen, denn du begibst dich auf den Wanderweg des Fleisches.

So sieht das Leben eines in Unsicherheit lebenden Gläubigen aus.

Falsche Diagnose, falsche Behandlungsmethode

Jetzt, wo du meine kleine Beschwerde gelesen hast, magst du vielleicht denken, dass ich gegen Gehorsam sei. Das stimmt nicht! Ich bin nicht gegen Gehorsam, sondern gegen ein vom Fleisch angetriebenes Christsein, wonach “Gehorsam” in den meisten Fällen auch stinkt.

Adam Eva EdenUm zum Herzstück dieser Gehorsamsfrage zu gelangen, müssen wir zum Anfang zurückgehen – zum Garten Eden. Um die richtige Antwort zu erhalten, müssen wir die richtige Frage stellen: Wodurch fiel Adam eigentlich?

Viele Jahre lang lautete meine Antwort auf diese Frage: “Adam war ungehorsam.” Das scheint einfach genug zu sein, nicht wahr? Gott sagte Adam, er soll nicht von dem Baum essen; er aß trotzdem. Ende der Geschichte.

Nur, dass es nicht das Ende der Geschichte ist. Es ist noch nicht einmal die richtige Geschichte. Adams Ungehorsam war nämlich gar nicht das Problem, sondern vielmehr nur ein Symptom eines viel tieferen Problems, nämlich, dass er Gott nicht vertraute. Indem er die verbotene Frucht aß, erklärte Adam Gott für einen völlig unvertrauenswürdigen Lügner. Durch seine Tat sagte er: “Gott, ich bin ohne dich viel besser dran.” Ein schwerwiegender Fehler.

Auf Misstrauen folgt Ungehorsam

Adam lebte wie wir in einer Welt der Unsicherheit. Wie wir hatte auch er Fragen, auf die er keine Antworten fand. Hier sind Adams Fragen:

  • “Warum hat Gott mir verboten von diesem einen Baum zu essen?”
  • “Was ist dieser Tod, der laut Gott über mich kommt, wenn ich davon esse?”

Adam tappte im Dunkeln – und das war der springende Punkt. Gott hatte es bewusst so eingerichtet, weil er wollte, dass Adam und Eva ihm vertrauten. Indem Gott Unsicherheit in ihre Welt hineinbrachte, lud er sie zu einer Beziehung der Abhängigkeit von ihm ein. Hätten sie ihm vertraut, dann hätten sie gelebt und hätten sogar überschwengliches Leben genossen, doch sie entschieden sich Gott zu misstrauen und ernteten so die schrecklichen Konsequenzen ihrer Entscheidung.

Viele meinen Gott hätte Adam von sich gewiesen im Garten, aber es ist genau andersherum. Adam wies Gott von sich. Indem er Gottes Worte des Lebens verwarf, trennte er sich selbst von der Quelle des Lebens und beging dadurch Selbstmord. Und das ist die wahre Geschichte der Menschheit.

Der Zweck des Lebens

Das Leben ist eine abgekartete Sache, und es ist von Anfang an so gewesen. Es ist eine Einladung das Angebot eines Gottes anzunehmen, der uns liebt und sich danach sehnt sein Leben mit uns zu teilen. Denk einmal darüber nach. Das Leben ist viel komplexer als wir begreifen oder bewältigen könnten. Wir können uns anstrengen wie wir wollen, wir sind einfach nicht dafür entworfen mit alledem fertig zu werden, was das Leben uns entgegenwirft. Vielmehr sind wir so entworfen, dass wir in unserem Leben von einem guten Gott abhängig sind, der verheißen hat uns alles zu geben, was wir zum Leben brauchen, gemäß des herrlichen Reichtums in Christus Jesus (Phil. 4,19).

Das Geheimnis des Lebens ist nicht “gehorche oder sterbe”, sondern “vertraue oder stirb bei dem Versuch” (siehe Joh. 5,24; 11,25, wenn du es in der Bibel nachlesen möchtest).

Letztendlich geht es nicht darum, ob du Gott gehorchst, sondern ob du ihm vertraust. Denn es ist unmöglich Gott zu vertrauen und ihm nicht zu gehorchen. Aber es gibt genug Menschen, die denken, sie würden Gott gehorchen, die ihm jedoch nicht vertrauen.

Die zwei Gesichter des Unglaubens

Ich werde im nächsten Artikel mehr über Gehorsam sprechen, aber ich möchte hier mit einer Veranschaulichung des Misstrauens abschließen. Wie schaut es aus, wenn man Gott misstraut? Das Misstrauen hat zwei Aspekte:

  1. Es ist, wenn Adam das Gegenteil davon tut, was Gott ihm geboten hat.
  2. Es ist, wenn Israel am Berg Sinai sagt: “Gott, sag uns einfach, was wir tun sollen und wir werden es tun” (siehe 2.Mose 19,8).

Lass dich von Israels Verlangen Gott zu gehorchen nicht täuschen, denn es ist der Weg des Fleisches, mehr nicht. Hätten sie Gott wirklich vertraut, dann hätten sie nicht nach Gesetzen gefragt. Sie hätten gesagt: “Gott, gedenke an deinen Bund mit unserem Vater Abraham und segne uns.” Stattdessen sagten sie im Grunde: “Gott, wir vertrauen deiner Verheißung an Abraham nicht! Sag uns wie wir uns selbst segnen können.” Und Gott gab ihnen, was sie wollten – einge ganze Menge Gebote zur “Selbstsegnung”.

Auch heute gibt es Leute, die – wie die Israeliten – nach Schlüsseln, Prinzipien, Richtlinien und Strategien suchen. Sie suchen im Grunde nach allem außer Gott selbst. Sie geben ihr Bestes um allen Regeln in der Bibel zu gehorchen, aber die traurige Tatsache ist, dass sie Gott nicht vertrauen. Sie vertrauen nur sich selbst, indem sie denken:

  • ich werde in Sicherheit sein, WENN ich die Gebote halte
  • ich werde angenommen, gerecht und gut genug sein, WENN ich die Gebote halte
  • Gott wird mich segnen, WENN ich die Gebote halte
  • Gott wird mit mir zufrieden sein, WENN ich die Gebote halte

Es ist so als wäre Jesus nie gekommen! Als wären wir noch immer unter dem alten Bund des Gesetzehaltens. Wenn du mit der biblischen Geschichte vertraut bist, dann weißt du, dass Gesetzehalten das Rezept für Katastrophen ist. Siehst du es denn nicht? Die Israeliten konnten das Gesetz nicht halten und du wirst es auch nicht können. Niemand kann das ganze Gesetz halten außer Gott selbst.

Es geht nicht um Gesetze

Beim Leben geht es nicht um Gesetz sondern um Beziehung. Dies ist so offensichtlich und selbsterklärend, dass Menschen sich schwertun es zu glauben.

  • “Paul, willst du damit sagen, dass Gott nicht an meinem Gehorsam interessiert sei?” Doch, schon, aber wahrscheinlich aus einem ganz anderen Grund, als du denkst (siehe in meinem nächsten Artikel).
  • “Willst du sagen, dass Gott mich nicht aufgrund meines Gehorsams richtet?” So ist es! Wenn du in Christus bist, dann bist du aufgrund des Gehorsams Christi bereits als gerecht, heilig und gut gerichtet. Das ist ja eben die gute Nachricht!
  • “Willst du sagen, dass wir die Gebote des Neuen Testaments nicht halten brauchen?” Die Tatsache, dass du diese Frage stellst, offenbart mir, dass du dir über den Zweck des Lebens immer noch nicht im Klaren bist. Geh noch einmal zurück an den Anfang und lies diesen Artikel noch einmal.

Hier ist die Pointe:

Ein Prediger des alten Bundes benutzt Zuckerbrot und Peitsche um dich zu motivieren und zum Gehorsam zu bringen. Wenn du dieser Art von Predigt Beachtung schenkst, wirst du zu einem zweifelnden, unsicheren und misstrauischen Gläubigen mit einem Lebensstil, der einer Achterbahnfahrt gleicht (auf und ab). Dein Wandel mit Gott wird eine groteske Karikatur wahren Christseins, und du wirst eine schlechte Werbung für das Evangelium sein.

Ein Prediger des neuen Bundes hingegen wird stets versuchen dir Gottes bedingungslose Liebe zu offenbaren und dich dann von diesem sicheren, felsenfesten Fundament aus ermutigen und inspirieren zuversichtlich als Kind Gottes zu leben. Wenn du das tust, wirst du dich dabei ertappen, dass du Gott mühelos gehorsam bist, und du wirst eine beeindruckende Werbung für das Evangelium sein!

Im 2. Teil werde ich noch tiefer in dieses Thema eintauchen, und wir werden einen frischen Blick auf die Gebote Jesu werfen.

Paul Ellis, ehemaliger Pastor und Universitätsprofessor, ist der Autor des Buches “Das Evangelium in zehn Wörtern”. Er schreibt regelmäßig über die gute Nachricht der erstaunlichen Gnade Gottes auf EscapeToReality.org (englisch). Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Auckland, Neuseeland.

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